Was die Zahlen bedeuten und ob eine zweite Impfung nötig ist

Viermal so viele Fälle: Grippewelle trifft Rheinland-Pfalz früher und härter als sonst

In Rheinland-Pfalz deutet vieles auf einen frühen und kräftigen Start der Grippesaison hin. Das legen offizielle und aktuelle Daten nahe.

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Von Autor/in Anna-Lara Weidinger

"Die Grippewelle hat in dieser Saison etwa vier Wochen früher begonnen als in der vergangenen Saison", so Kathrin Stiefel, Pressesprecherin des Landesuntersuchungsamts (LUA) in Koblenz, gegenüber dem SWR. "In Zahlen: Seit Anfang Oktober gibt es bislang in Rheinland-Pfalz 4.645 bestätigte Influenza-Nachweise, während es letztes Jahr zum gleichen Zeitpunkt 1.149 waren."

Starker Anstieg von Influenza zum Jahreswechsel

Das LUA spricht in seinem neuesten Wochenbericht (KW 03/2026, Stand 14. Januar) von einem "erhöhten Infektionsgeschehen" durch akute Atemwegserreger.  Besonders auffällig: Die Zahl der labordiagnostisch bestätigten Grippefälle ist zum Jahreswechsel und in der darauffolgenden Woche deutlich nach oben geschnellt.

Entwicklung der Influenza-Fälle in RLP von November 2025 bis Januar 2026

In der zweiten Kalenderwoche 2026 (5. bis 11. Januar) wurden demnach 1.102 Influenza-Fälle gemeldet - ein Plus von 66 Prozent im Vergleich zur Vorwoche. Der Unterschied von der ersten Januar- zur letzten Dezemberwoche betrug bereits 46 Prozent. Auch die Arztpraxen, die am Überwachungssystem SURE (Surveillance Respiratorischer Erreger) teilnehmen, sehen diesen Trend: Dort war in Kalenderwoche 1, die den Jahreswechsel beinhaltet, in 42 Prozent der untersuchten Proben das Grippevirus nachweisbar, in Kalenderwoche 2 in 33 Prozent. COVID‑19 und RSV spielen aktuell eine kleinere Rolle: "Influenza dominiert das erhöhte Infektionsgeschehen", heißt es im Bericht.

Pfalz im Fokus - aber Grippe überall im Land  

Aus der Vorder- und Südpfalz melden Kliniken und Praxen bereits seit Tagen volle Wartezimmer und viele Patientinnen und Patienten mit hohem Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen. In den landesweiten LUA-Daten zeigt sich: Die Pfalz ist tatsächlich stark betroffen, aber nicht die einzige Region mit hohen Zahlen.

Der Wochenbericht führt Influenza-Fälle nach Versorgungsgebieten auf. Besonders auffällig sind die Rheinpfalz mit 1.306 saisonalen Influenza-Fällen (Inzidenz 39 pro 100.000), die Westpfalz mit 643 Fällen (Inzidenz von 28 pro 100.000) sowie Mittelrhein-Westerwald (1.097 Fälle, Inzidenz 19,6) und Rheinhessen-Nahe (1.050 Fälle, Inzidenz 19,3).

Die Grippewelle trifft Rheinland-Pfalz also flächendeckend, wenn auch mit etwas stärkerem Schwerpunkt in den pfälzischen Regionen.

Situation in den Kliniken noch kontrollierbar

Von einer flächendeckenden Überlastung der Krankenhäuser berichtet das LUA bisher nicht. Zwar melden vor allem Häuser in der Pfalz mehr Patientinnen und Patienten mit Influenza, doch Daten zur Auslastung von Intensivbetten deuten bislang auf eine stabile Situation: Die Belegung liegt um die 70 Prozent, der COVID‑Anteil ist gering. Anders als etwa in Teilen Baden-Württembergs, wo Notaufnahmen bereits als "voll" beschrieben werden, ist die Lage in Rheinland-Pfalz nach jetzigem Stand angespannt, aber kontrollierbar.

Impfung aus dem Herbst - reicht das noch?  

Viele Menschen im Land haben sich schon im Herbst gegen die Grippe impfen lassen - genau in dem Zeitraum, den die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt.  In der aktuellen Welle stellt sich jetzt eine Frage: Schützt diese Impfung im Januar noch ausreichend oder ist eine zweite Spritze sinnvoll?

Für die Saison 2025/2026 berichten Fachstellen wie die Europäischen Gesundheitsbehörde ECDC von einer Wirksamkeit der Grippeimpfung im "normalen Bereich" . Eine Auswertung europäischer Daten zeigt, dass die Impfstoffe die Erkrankungswahrscheinlichkeit um etwa 44 bis 52 Prozent senken, insbesondere gegen die derzeit dominierenden A(H3N2)-Viren. Die Impfung verringert nicht nur das Risiko, überhaupt zu erkranken, sondern vor allem das Risiko schwerer Verläufe und Krankenhausaufenthalte, betont auch das Robert-Koch-Institut (RKI)

Was sagt das RKI zur zweiten Impfung?  

Der Schutz baue sich in den ersten zwei Wochen nach der Impfung auf und halte danach über mehrere Monate an - also typischerweise über den Zeitraum der Grippesaison von Herbst bis in den Frühling.  Wer sich im Herbst hat impfen lassen, ist also nach heutigem Wissensstand auch im Winter noch relevant geschützt. Dementsprechend eindeutig sind das RKI und die STIKO bei der Frage nach einer zweiten Grippeimpfung. In den RKI-FAQs zur Grippeimpfung steht, dass "in der Regel eine Impfung pro Saison ausreichend ist" und eine routinemäßige zweite Dosis für gesunde Erwachsene nicht vorgesehen ist.

In den offiziellen Impfempfehlungen führt die STIKO aus, dass die Grippeschutzimpfung einmal pro Saison, vorzugsweise im Oktober oder November, erfolgen soll. Eine erneute Impfung im weiteren Verlauf derselben Saison ist nicht Teil der Standardempfehlung.

Nur für wenige Menschen macht zweite Dosis Sinn

Eine Ausnahme macht das RKI nur bei Kindern zwischen 6 Monaten und 8 Jahren, die zum ersten Mal gegen Influenza geimpft werden. Sie sollen zwei Dosen im Abstand von mindestens vier Wochen erhalten, um einen ausreichenden Schutz aufzubauen.

Ausnahmen können auch stark immungeschwächte Menschen sein. Bei ihnen kann die Impfantwort schwächer ausfallen, sodass behandelnde Ärztinnen und Ärzte im Einzelfall andere Strategien (zum Beispiel spezielle Impfstoffe oder besondere Zeitpunkte) erwägen.  Hier ist eine individuelle Beratung in der Praxis entscheidend.

Eine Impfung pro Saison ausreichend

Statt auf einen zusätzlichen Piks zu setzen, empfehlen Fachleute weiterhin klassische Schutzmaßnahmen: bei Symptomen zu Hause bleiben, beim Arztbesuch Maske tragen, regelmäßig lüften und Hygieneregeln einhalten. So lässt sich das Risiko weiter senken - auch dann, wenn das Virus derzeit durchs Land zieht.

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Anna-Lara Weidinger
SWR-Autorin Anna-Lara Weidinger

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