Nur wenige Rheinland-Pfälzer haben politisch so viel Einfluss in Berlin wie der Wormser Unternehmer und Millionär Harald Christ. Der Erfolg wurde dem 54-Jährigen allerdings nicht in die Wiege gelegt. Der Sohn eines Opel-Schichtarbeiters - die Mutter arbeitete in einer Sektkellerei und als Reinigungskraft - trat nach der Hauptschule mit 16 in die SPD ein.
Ihm sei es immer wichtig gewesen, einen Beitrag für die Gesellschaft zu leisten, nicht "von der Seitenlinie aus reinzurufen", was man besser machen könne, sondern "schon in jungen Jahren auch immer im Kleinen damals und später auch in anderen Rollen Verantwortung zu übernehmen".
Chefposten bei Bank mit Mitte 20
Und das gilt nicht nur für die Politik. Harald Christ macht die mittlere Reife über den zweiten Bildungsweg, eine Ausbildung zum Industriekaufmann und eine weitere im Bank- und Versicherungswesen. Mit Mitte 20 ergattert er einen Chefposten bei einer Bank, der erste von vielen.
Wenn man in einer Arbeiterfamilie geboren und aufgewachsen sei und sein Leben sehr früh selbst in die Hand nehmen müsse, dann habe man eine gewissen Konsequenz, sagt Christ über sich. "Konsequenz in Entscheidungen und vor allem Konsequenz, das eigene Leben und die Zukunft zu gestalten".
Millionär mit knapp 30 Jahren
Diese Konsequenz machte ihn noch vor seinem 30. Geburtstag zum Millionär. Christ geht nach Berlin. Neben dem Unternehmertum bleibt die Politik für ihn wichtig. Frank-Walter Steinmeier (SPD) nimmt ihn 2009 in sein Schattenkabinett.
Aber auch politisch bleibt er konsequent. Christ verlässt die SPD 2019 nach 31 Jahren in der Partei, weil er mit ihrem Kurs unzufrieden ist. Er wechselt kurz darauf in die FDP. Als Bundesschatzmeister hilft er der Partei in die Ampelregierung.
Nach dem D-Day und Bruch der Koalition war es für Christ nur konsequent, die Entscheidung, in die FDP einzutreten, zu korrigieren und verließ die Partei. Heute würde er nicht mehr aus der SPD austreten.
Wenn Sie mich heute rückblickend fragen würden, ob ich nochmal aus der SPD austreten würde, eher nicht. Weil ich glaube, dass diese Partei es verdient hat und auch gebraucht wird und auch Menschen braucht, die sich engagieren. Aber damals habe ich ebenso entschieden.
Aufsichtsratsmitglied und Politikberater
Heute ist er in Berlin Chef seiner eigenen Investment- und Beratungsholding und sitzt in mehreren Aufsichtsräten, unter anderem in dem der Commerzbank. Auch vom Politikbetrieb ist er nicht ganz weg. Als ehrenamtlicher Vorsitzender leitet er den Beirat, der Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) darin berät, wie und wo das enorme Sondervermögen der Bundesregierung eingesetzt wird.
Er bringe sich so ein, ohne dafür eine exekutive politische Rolle zu übernehmen. "Ich fühle mich eigentlich als parteipolitisch Lediger sehr wohl".
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