Diese Wiedervereinigung ist der Höhepunkt der 16-jährigen Kanzlerschaft des Ludwigshafeners. Vier Bundestagswahlen hat der CDU-Politiker für sich entschieden. Rudolf Scharping, einer seiner damaligen Herausforderer, erinnert sich an den Typ Helmut Kohl.
Hart. Aber kalkulierbar, fair im persönlichen Umgang und notfalls auch in einem gewissen Sinne bis an die Grenze der Fairness, manchmal darüber hinaus.
Eigenschaften, die Helmut Kohl zu einer beispiellosen Karriere verhelfen. Im Alter von 16 Jahren tritt der Ludwigshafener 1946 der CDU bei. 25 Jahre lang ist er Bundesparteivorsitzender.
Ich will Kanzler werden. Ich will die Wahl gewinnen und Kanzler werden.
5.870 Tage als Kanzler im Amt
Und Kohl wird längster amtierender Kanzler, der sechste der Bundesrepublik Deutschland. Seine Amtszeit dauert neun Tage länger als die von Angela Merkel. Seine harte Seite hilft ihm dabei, macht aber auch vor ehemaligen Weggefährten nicht Halt, wie eine Anekdote aus seiner Zeit als rheinland-pfälzischer Ministerpräsident zeigt. Sieben Jahre lang war er Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz.
Er habe ihn das erste Mal in den frühen 70ern bei einem Neujahrsempfang wahrgenommen, erinnert sich Scharping. "Da war einer von der CDU-Fraktion in die SPD-Fraktion gewechselt, hat alle Mitglieder des Landtags eingeladen, nur den früheren CDU-Abgeordneten nicht."
Der verbindende Kanzler
Doch neben Kohls harter Seite gibt es auch die verbindende. Mit der überzeugt er sowohl politische Gegner als auch die Weltpolitik davon, dass von Deutschland nie mehr Gefahr ausgehen wird, wenn man Ost und West wiedervereinigt. Die Welt glaubt ihm und Kohl gelingt 1990 die Wiedervereinigung.
Mündlich vereinbart und daran gehalten
Rudolf Scharping nennt dieses Talent "Tariffähigkeit". Helmut Kohl sei was das betreffe, vielleicht einer der letzten innerhalb der Union oder innerhalb der deutschen Politik gewesen. "Man hat sich besprochen. Man hat etwas vereinbart. Das musste nicht zwingend schriftlich niedergelegt werden. Man hielt sich daran", so Scharping.
CDU-Spendenaffäre und Rücktritt als Ehrenvorsitzender
Kohls größten Erfolge sind die Wiedervereinigung und der Grundstein für die Europäische Union. Doch sein politisches Erbe bekommt ein Jahr nach dem Ende seiner Kanzlerschaft Risse. 1999 erklärt Kohl, er habe jahrelang Spenden an die CDU in Millionenhöhe nicht angegeben. Wegen der Parteispendenaffäre muss er seinen CDU-Ehrenvorsitz aufgeben.
Mann mit großem Machtbewusstsein
Rudolf Scharping, der heute als Unternehmensberater und Lobbyist tätig ist, spricht von Machtbewusstsein bis hin zur gewollten und systematischen Verletzung von Regeln. Das habe sich dann im Zusammenhang mit dem Einsammeln von Spenden zum unrühmlichen Höhepunkt entwickelt. Das sei schlicht illegal gewesen.
Vielleicht wird auch deshalb die Hofjägerallee an der Berliner Siegessäule erst jetzt im Mai, knapp zehn Jahre nach seinem Tod, zur Helmut-Kohl-Allee umbenannt. Ein Denkmal mitten in Berlin.
Helmut Kohl war ein großer deutscher Kanzler mit starker europäischer Überzeugung. Und zu Recht wird er der Kanzler der Einheit genannt. Das muss man, darf man, soll man akzeptieren.
Berlin erinnert sich an eine komplexe Figur und wäre heute vielleicht nicht Hauptstadt des wiedervereinigten Deutschlands ohne den Pfälzer Helmut Kohl.
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