Erfahrungen aus Pilotprojekt HÄPPI für Hausärzte
Immer mehr Hausärzte in ländlichen Regionen gehen in Rente und finden keinen Nachfolger. Um die Hausarztversorgung auf dem Land zu stärken, haben der rheinland-pfälzische Verband der Hausärzte, das Gesundheitsministerium Rheinland-Pfalz und die AOK Rheinland-Pfalz/ Saarland das Projekt HÄPPI ins Leben gerufen.
Das Ziel von HÄPPI: Medizinisches Fachpersonal übernimmt Aufgaben von den Hausärzten, damit die wiederum mehr Zeit für Patienten haben, die wirklich einen Arzt brauchen. Das Pilotprojekt HÄPPI ist sechs Monate in sieben rheinland-pfälzischen Arztpraxen in Rheinland-Pfalz getestet worden. Hausärztin Dr. Verena Gall aus Mommenheim in Rheinhessen hat mitgemacht und zieht Bilanz.
SWR1: Wie happy sind Sie mit HÄPPI?
Dr. Verena Gall: Ich bin superhappy mit HÄPPI. Als das Projekt damals vorgestellt wurde, war es für mich sofort ein ganz bestechendes Programm, das ich sofort umsetzen wollte und das wir jetzt auch umgesetzt haben. Darauf sind wir sehr stolz.
SWR1: Ein Ziel von HÄPPI ist, dass sich die medizinischen Fachangestellten so weiterbilden lassen, dass sie zum Beispiel bei Hausärzten in der Infektsprechstunde Patienten betreuen und ihnen als Ärzteteam auch Arbeit abnehmen. Wie gut funktioniert das?
Gall: Es funktioniert wunderbar. Wir haben ein ganz vertrauensvolles gemeinsames Arbeitsverhältnis. Ich weiß, dass ich mich auf meine gut ausgebildeten Mitarbeiterinnen total verlassen kann. Wenn sie nicht mehr weiter wissen, holen sie sich Unterstützung. Und nach einer gewissen "Einschwingzeit" für beide Seiten ist das jetzt der totale Selbstläufer und eine ganz große Entlastung.
SWR1: Wie nutzen Sie diese Entlastung durch HÄPPI?
Gall: Sei es in der Infektionssaison, wenn viele Menschen mit Atemwegsinfekten da sind, sei es bei der Betreuung von unseren chronisch Kranken, die zu ihren regulären Kontrollen kommen, die Diabetiker oder Patienten mit Asthma oder Lungenerkrankungen, da können mich meine Mitarbeiterinnen extrem gut unterstützen.
Positive Nebeneffekte für Hausärzte dank HÄPPI
SWR1: Wie reagieren Patienten, wenn sie dann nicht mehr die Frau Doktor vor sich haben?
Gall: Sehr positiv. Teilweise ist es so, dass es zwischen Arzt und Patient Hürden gibt, die dann verhindern, dass manche Problemfelder angesprochen werden. Und das funktioniert bei der Medizinischen Fachangestellten extrem gut. So kriege ich häufig einen viel umfassenderen Blick auf meine Patientinnen und Patienten, als ich das alleine in der Sprechstunde bekomme.
Die mittelalten Patienten zwischen 40 und Mitte 50 haben die meisten Probleme mit der KI.
SWR1: Wenn man bei Ihnen anruft, dann hat man erst mal eine KI am Telefon. Das ist natürlich Entlastung für Ihr Team. Aber wie gut kommen die Patienten mit sowas klar?
Gall: (lacht) Das war eine sehr interessante Erfahrung, weil es ein Ergebnis gab, mit dem wir nicht gerechnet hatten. Unsere ganz alten Patienten kommen hervorragend mit unserem digitalen Telefonassistenten aus, weil der sehr langsam spricht, sehr höflich und geduldig ist und ihnen viel Zeit lässt. Während die mittelalten Patienten zwischen 40 und Mitte 50 die meisten Probleme damit haben.
Und die Jüngeren telefonieren sowieso nicht mehr, sondern kontaktieren uns über andere Wege. Das war am Anfang eine Umstellung für die Patienten, da mussten wir etwas Erklärarbeit leisten. Es hat aber dann auf beiden Seiten eine gewisse Lernkurve gegeben. Und mittlerweile läuft es sehr gut.
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SWR1: Die Mittelalten sind ein bisschen ungeduldiger, oder?
Gall: Ja, tatsächlich, das hat mich wirklich überrascht. Weil das ja eigentlich schon die sind, die täglich mit Smartphone et cetera hantieren. Aber die waren tatsächlich erst mal ein Stück weit überfordert, möchte ich fast sagen, zumindest der eine oder andere.
Das war für uns der totale Game Changer.
SWR1: Jetzt wird in Mainz Bilanz des Projektes HÄPPI für Hausärzte gezogen. Wie fällt Ihre persönliche Bilanz aus?
Gall: Sie ist durchweg positiv. Sie ist so positiv, dass wir jetzt die nächste "Primary Care Managerin" in der Praxis ausbilden werden und dieses Konzept weiter vorantreiben.
Das war für uns der totale Game Changer. Es hat unsere Praxis wirklich so zum Positiven verändert und für so viel Zufriedenheit im Team und auch bei mir gesorgt, dass ich wirklich jetzt nach dem Projekt noch überzeugter bin als von der Theorie am Anfang.