Einzigartiges Modell in Piesport

Ärztemangel an der Mosel: Wie drei Dörfer eine Praxis übernehmen könnten

Wer behandelt die Patienten, wenn der Hausarzt in den Ruhestand geht? An der Mosel wollen drei Gemeinden selbst Verantwortung übernehmen – mit einem landesweit neuen Ansatz.

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Von Autor/in Christian Altmayer

Es ist Grippezeit und in den Wartezimmern der Ärzte wird es wieder voll. Auch der Hausarzt Karl Kasper hat in seiner Praxis in Neumagen-Dhron viel zu tun. Doch er sorgt sich im Moment eher darum, was künftig und bei den nächsten Krankheitswellen aus seinen Patienten werden soll.

Keine Nachfolger für Hausarzt in Sicht

Denn Kasper ist 67 Jahre alt und ein Nachfolger ist weder für seine Praxis noch für die seiner zwei Kollegen in Neumagen-Dhron in Sicht: "Was wird dann aus den chronisch kranken Menschen, wer betreut die? In ein, zwei Jahren könnte es hier dramatisch aussehen."

Hausarzt Karl Kasper aus Neumagen-Dhron geht bald in Rente. Er sorgt sich um seine vielen Patienten.
Will seine Patienten nicht alleinlassen: der Hausarzt Karl Kasper aus Neumagen-Dhron.

Das Problem auszusitzen, sei deshalb keine Option, findet Kasper: "Wir können nicht darauf warten, dass es eine Lösung von oben gibt. Wir müssen hier vor Ort etwas auf die Beine stellen." Und deshalb unterstützt er auch ein landesweit einzigartiges Modellprojekt gegen den Ärztemangel.

Mehr als 40 Prozent der Hausärzte im Rentenalter

Dass immer mehr Hausärzte ihre Praxen aus Altersgründen schließen, ist in vielen ländlichen Regionen ein Problem. Julia Hoppe vom Hausärzteverband Rheinland-Pfalz sagt: "Aktuell sind 44 Prozent der Hausärztinnen und Hausärzte 60 Jahre und älter."

Julia Hoppe vom Hausärzteverband Rheinland-Pfalz hat ihre Praxis in Saarburg.
Julia Hoppe vom Hausärzteverband Rheinland-Pfalz betreibt eine Praxis in Saarburg.

Die Versuche, dieser Entwicklung etwas entgegenzusetzen, sind zahlreich. In den drei Gemeinden Neumagen-Dhron, Minheim und Piesport gibt es nun aber einen neuen Ansatz. Hier haben sich Fachleute zusammengetan, um die medizinische Versorgung zu sichern. Ihre Idee: Die Dörfer sollen eine Genossenschaft gründen, um zusammen eine Praxis zu betreiben.

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Kommune übernimmt Praxis an der Mosel - kein Investor

Anders als bei klassischen medizinischen Versorgungszentren (MVZ) würde also kein privater Investor einsteigen, sondern die Kommunen selbst. Dieses MVZ soll vor allem junge Ärztinnen und Ärzte ansprechen.

"Viele junge Ärzte wollen keine Unternehmer mehr sein", sagt Ewald Meuren, der Ortsbürgermeister von Piesport, der das Projekt mit ins Leben gerufen hat. Denn mit der Selbstständigkeit sei ein Risiko verbunden und Bürokratie.

Ewald Meuren ist Ortsbürgermeister von Piesport. Er ist einer der Initiatoren für die neue Genossenschaft.
Ewald Meuren ist Ortsbürgermeister von Piesport. Er ist einer der Ideengeber für die neue Genossenschaft.

Bei der Genossenschaft hingegen wären die Ärzte angestellt. Das heißt: Management und Verwaltung würde ihnen eine von den Kommunen eingesetzte Geschäftsführung abnehmen. "Ein Arzt könnte sich hier ganz auf die Behandlung der Patienten konzentrieren", meint Meuren: "Was wir auch noch bieten ist unsere schöne Lage an der Mosel und unsere gute Infrastruktur in den Dörfern."

Moselschleife bei Piesport.
Moselschleife bei Piesport: Kann dieser Anblick einen Arzt anlocken?

Zweiter Arzt dringend gesucht

Ob das reichen wird, um einen Arzt zu finden? Genau das könnte die größte Herausforderung für das Projekt werden, sagt Ewald Meuren. Karl Kasper würde zwar seine Praxis in Neumagen-Dhron für das kommunale MVZ zur Verfügung stellen - samt des Teams. Und er wäre auch bereit, seine Selbstständigkeit aufzugeben und als angestellter Arzt weiterzuarbeiten.

Wer ein MVZ betreiben will, braucht aber zumindest zwei Ärzte mit der gleichen fachlichen Ausrichtung - so lautet die Vorgabe der Kassenärztliche Vereinigung. Bislang sei noch niemand in Sicht.

Gemeinderäte stimmen über Projekt ab

Den ersten Schritt müssen aber die Gemeinden selbst gehen. Die Gemeinderäte von Neumagen-Dhron und Piesport haben bereits einstimmig erklärt, dass sie das Projekt unterstützten wollen. Nun steht nur noch in Minheim eine Entscheidung aus.

Doch auch andere Stellen müssen mitspielen. Eine solche Genossenschaft braucht grünes Licht von der Kommunalaufsicht und der Kassenärztlichen Vereinigung. Wenn diese Hürden überwunden sind, ist sich Hausarzt Karl Kasper sicher: "Dann wird das Projekt zum Selbstläufer." Denn eines sei schon mal klar: Krank werden die Leute immer, und Patienten gibt es an der Mosel genug.

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Erstmals publiziert am
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Autor/in
Christian Altmayer
Foto von Christian Altmayer, Redakteur bei SWR Aktuell im Studio Trier

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