Es ist die größte Militärbasis außerhalb der Vereinigten Staaten: Die Air Base in Ramstein. Sie ist ein großer wirtschaftlicher Motor für die Region. Mehr als 50.000 Amerikaner, unter ihnen US-Soldaten, deren Familien und Zivilisten arbeiten und leben in der Westpfalz - seit Jahrzehnten. Die Region ohne Amerikaner!? Undenkbar. Doch seit Trump im Amt ist, scheint die deutsch-amerikanische Freundschaft unterkühlt. Nicht nur auf höchster politischer Ebene.
Mitarbeiter in der Gastronomie erleben Amerikaner zugeknöpfter
Seit Donald Trump vor einem Jahr wieder US-Präsident wurde, empfinden viele in der Westpfalz die Amerikaner aber zunehmend zugeknöpft. Sophie ist 26 Jahre alt und arbeitet in der Gastronomie. Sie sagt, gerade die amerikanischen Soldaten seien unter Trump sehr viel vorsichtiger geworden. Sie glaubt, dass es die Folge seiner Politik ist und sagt: Vor Trump haben sie offener darüber gesprochen, wenn "sie unzufrieden waren. Jetzt merkt man, dass sie gar nicht mehr drüber reden". Auch Rene aus Kaiserslautern - ebenfalls in der Gastronomie tätig - erlebt die Amis deutlich zugeknöpfter. Er konnte früher oft mit ihnen über Politik reden, "heutzutage weiß man gar nicht mehr, was auf der Air Base los ist. Die bekommen wahrscheinlich einen Maulkorb und dürfen nicht mehr drüber reden".
Sorge im Westen der Pfalz: Ohne Amerikaner stirbt die Region
Sophie und René haben während des bisher längsten US-Shutdowns aller Zeiten im vergangenen Jahr oft leere Restaurants erlebt. Ihre größte Befürchtung ist es, dass die amerikanischen Soldaten ganz abgezogen werden, weil Trump sein "gefährliches Spiel mit allen spielt" und "die Verbündeten mal unterstützt und sie dann wieder im Stich lässt". Rene spricht sogar von Erpressung durch Trump: "Er erpresst die Leute, um das durchzusetzen, was er sich in den Kopf gesetzt hat. Hier in unserer Umgebung hab ich gemerkt, dass die Leute ängstlicher geworden sind. Es werden mehr Läden geschlossen." Sophie macht es "traurig, wenn man merkt, dass sie unzufrieden sind, aber nicht darüber reden dürfen".
Unternehmen sind auf Umsätze der US-Soldaten und Familien oft angewiesen
Ein amerikanischer Süßigkeiten-Laden in Kaiserslautern schließt, einige Restaurants hatten durch den Shutdown in den USA erhebliche Umsatzeinbußen. Auch die Hotels in der Region haben stellenweise einen Rückgang an Buchungen gespürt. Bei manchen war es ziemlich eng mit dem Geld. Bei Tierärzten beispielsweise wurden Rechnungen gestundet, viele Amerikaner konnten die Behandlung ihrer Haustiere nicht mehr zahlen und mussten um Aufschub bitten. Auch bei Florian Jäger - er betreibt einen Hundesalon in Kaiserslautern - waren die Auswirkungen des Shutdowns deutlich spürbar. Die Hälfte seiner Kunden sind Amerikaner. Wenn sie mal nicht mehr kämen, müsste er seinen Laden deutlich verkleinern. "Da würde schon viel wegbrechen", sagt Jäger. "Aber es würde trotzdem irgendwie weitergehen", sagt er.
Politik in der Westpfalz sieht keine großen Veränderungen durch Trump
Für Regionalpolitiker in der Westpfalz hat sich durch Trump offiziell quasi nichts geändert. Der Landrat im Kreis Kaiserslautern Ralf Leßmeister (CDU) äußerte gegenüber dem SWR, dass die "Auswirkungen auf die Air Base durch die Regierung in den USA überschaubar sind, da der Standort einfach zu wichtig für die USA ist". Die Atlantische Akademie in Kaiserslautern musste zwischenzeitlich trotzdem mal bangen.
Mögliche Kürzungen Erleichterung nach Schock: Atlantische Akademie in Kaiserslautern erst einmal gesichert
Den Atlantischen Akademien drohen massive finanzielle Einbußen mit drastischen Folgen. Betroffen ist auch die Akademie in Kaiserslautern. Doch die kann erst einmal aufatmen.
Der Bürgermeister von Baumholder Günther Jung (FWG) blickt aktuell eher positiv in die Zukunft mit Trump als US-Präsident. Kein Wunder, denn ab März zieht eine Spezialeinheit des amerikanischen Militärs von Stuttgart nach Baumholder um. Damit bekommt die Stadt rund 1.500 neue Bewohner, darunter sind Soldaten, Familienangehörige und andere Zivilisten.
Was bleibt nach einem Jahr Trump im Amt?
Auch wenn es sich in Zahlen faktisch kaum bemerkbar macht, die Trump-Politik sorgt bei den Menschen, die in der Westpfalz leben, für "ein mulmiges Gefühl". Sophie macht sich "Sorgen, wie er mit Staaten umgeht". Rene hat zwar keine Angst, weil man dadurch "leichter kontrollierbar wird", sagt er. Trotzdem sieht er die Zukunft mit Trump gerade in Bezug auf Venezuela und ganz aktuell Grönland eher schwierig. Unternehmer Florian Jäger aus Kaiserslautern betont: "Bei Trump kann man es nie genau sagen." Aber dass Ramstein auf einmal geschlossen wird, "das halte ich nicht für möglich", betont er. "Auch nicht bei ihm."