Die zuständige Staatsanwaltschaft Kaiserslautern ermittelt gegen einen 50-jährigen Mann, der möglicherweise etwas mit den brennenden Kälteiglus in der Innenstadt zu tun haben könnte. Für Untersuchungshaft reichten dem Ermittlungsrichter die Hinweise allerdings nicht aus. Der Mann ist nach seiner vorläufigen Festnahme wieder auf freiem Fuß. Das hat der Staatsanwalt dem SWR mitgeteilt.
Nun wird weiter ermittelt, auch immer noch gegen den Verdächtigen. Die Polizei wirft ihm versuchten Mord in sechs Fällen vor, da sich bei dem Brand insgesamt sechs Menschen in dem Zelt mit den Kälteiglus befanden.
Was zu dem Tatverdächtigen nach dem Brand in Kaiserslautern bekannt ist
Möglicherweise wollte der Mann in einem der Zelte übernachten, so der Staatsanwalt. In der Vergangenheit soll er eines der Kälteiglus darin selbst genutzt haben. Der Verdächtige habe ausgesagt, dass er in der Tatnacht erst zu den Iglus gekommen sei, als diese bereits gebrannt hätten.
In der Nacht zum Donnerstag war ein Zelt mit sechs Kälteiglus vollständig abgebrannt. Dabei wurden zwei Menschen leicht verletzt. Der Tatverdächtige war noch in derselben Nacht festgenommen worden.
Kälteiglus sind Styropor-Betten, die Wärme speichern und wohnungslose Menschen vor Kälte schützen sollen. Seit ein paar Monaten gibt es solche Iglus in der Innenstadt von Kaiserslautern. Sie wurden neben der St.-Martins-Kirche aufgestellt, um Betroffenen einen warmen Unterschlupf zu gewähren.
Die Obdachlosen sind verzweifelt.
Obdachlose verlieren bei Feuer Fotos von Angehörigen
Ein Schutzzelt für die Kälteiglus und sechs der zehn Iglus selbst sind abgebrannt. Ein zweites Zelt wurde stark beschädigt. Außerdem wurden fast alle Schlafsäcke, Isomatten und Winterkleidung für Obdachlose zerstört. Das sei alles ersetzbar, sagt Pfarrer Andreas Keller. Aber es wurden auch Dinge der Obdachlosen zerstört. Sie "haben ihre wenigen Habseligkeiten verloren, darunter Fotos ihrer Angehörigen, die für sie unersetzlich sind".
Der Pfarrer meinte nach dem Brand, dass er Explosionen auf der Pfarrwiese gehört habe. Auf dieser Fläche stehen die Zelte, in denen die Kälteiglus untergebracht sind. Durch ein Fenster habe er in der Nacht gesehen, dass eins der Zelte lichterloh brannte. Er habe daraufhin die Feuerwehr gerufen und dann direkt nach den Obdachlosen gesehen, die die Kälteiglus in der Nacht genutzt hatten. Möglicherweise seien die Explosionen Handyakkus gewesen, die wegen des Feuers und der Hitze explodierten, vermutet Keller.
Viel Unterstützung: Pfarrei in Kaiserslautern sammelt nach Brand Spenden
Die Spendenbereitschaft nach den abgebrannten Kälteiglus ist nach Angaben des Pfarrers riesig. Zum einen ist bei der Pfarrei ein Spendenkonto eingerichtet worden. Aber die Menschen helfen auch mit Lebensmittelspenden, Geschirr und Kleidung. Viele wollen auch bei den Aufräumarbeiten unter die Arme zu greifen. Der Malteser Hilfdienst hat inzwischen Zeltbetten für die Betroffenen aufgestellt.
Nach Angaben der Stadt Kaiserslautern können Obdachlose auch in der Caritas-Einrichtung St. Christophorus unterkommen. Dort wurden Schlafplätze, neue Kleidung, Schlafsäcke und Isomatten vorbereitet. Zudem bietet die Caritas den Wohnungslosen sowohl Beratung als auch eine Unterkunft in St. Christophorus an. Es stehen ausreichend Plätze zur Verfügung. Zusätzlich gibt es Unterstützung in der "Glockestubb", einer Tageseinrichtung für wohnungslose Menschen in Kaiserslautern.
"Die Obdachlosen sind verzweifelt. Die Kälteiglus auf der Pfarrwiese waren ihre Zuflucht vor Bodenfrost und Kälte", so Keller. "Es ist schrecklich, wenn man nichts mehr hat", sagt eine der Betroffenen. "Kein Geld mehr, keine Kleider und alle wichtigen Dokumente sind weg." Sie hatte mit ihrem Hund in ihrem Iglu gelegen, plötzlich habe es nach Plastik gerochen. "Ich bin geschockt im Moment und muss das alles erst verarbeiten", sagt sie.
Der Pfarrer schätzt den Schaden nach dem Brand auf mindestens 10.000 Euro.