Wieder ist eine Bombe eingeschlagen. Wieder hört Tetiana Zorina tagelang nichts von ihrer Familie oder ihren Freunden aus ihrer Heimatstadt Charkiw in der Ukraine. "Das ist schon so oft passiert", sagt die 43-Jährige. "Erst zerstören die Bomben alles, und dann gibt es mal wieder keinen Strom. Meine Verwandten brauchen tagelang, um den Strom wieder zum Laufen zu bringen. Wenn ich dann wieder einen Anruf bekomme, bin ich einfach nur erleichtert."
Ehemann kämpft in der Ukraine noch immer an der Front
2022 floh die gelernte Lehrerin mit ihren beiden Söhnen aus Charkiw nach Otterberg. Ihr Mann ist noch in der Ukraine und kämpft an der Front. Anrufen kann sie ihn nicht einfach so - Fotos darf er ihr auch keine schicken.
Wir haben regelmäßig Kontakt, aber nur er darf mich anrufen. Also warte ich jeden Tag, bis ich etwas von ihm höre.
"Wir haben regelmäßig Kontakt, aber nur er darf mich anrufen", erzählt Tetiana Zorina. "Dadurch, dass er beim Militär ist, gibt es strenge Regeln. Also warte ich jeden Tag, bis ich etwas von ihm höre". Für Männer zwischen 17 und 60 Jahren ist es verboten die Ukraine zu verlassen, so die Lehrerin. Früher war es noch so, dass Familienväter die drei Kinder hatten, fliehen durften. Das hat sich laut Tetiana Zorina jetzt verändert.
Andrii musste als Kind Ukraine verlassen
Auch Andrii Andrushkiv ist vor dem Krieg in die Westpfalz geflohen. Mit 12 Jahren musste er seine Heimat verlassen. Er spielt gerne Schach, trifft sich mit Freunden und lernt mit Begeisterung neue Sprachen. Seit fast drei Jahren lebt er mit seiner Mutter und seiner kleinen Schwester in Enkenbach-Alsenborn. Seine Lehrerin Tetiana Zorina bewundert sein Sprachtalent: "Er spricht wirklich sehr gut Deutsch!"
Doch sobald das Wort "Krieg" fällt, verändert sich sein Gesicht. Über die Situation in seiner Heimat Ternopil möchte der 15-Jährige nicht wirklich sprechen. Momentan sei es dort ruhig, aber das war nicht immer so. "Oma, Opa, mein Vater und meine Freunde, die teilweise kämpfen müssen, sind alle noch dort. Für mich ist es sehr schlimm, aber ich muss nach vorne schauen", sagt der Teenager.
Daria Luninas Heimatstadt Charkiw wird fast täglich bombardiert
Daria Lunina floh im März 2022 mit ihrer Mutter von Charkiw nach Kirchheimbolanden. "Charkiw liegt nahe der russischen Grenze, deshalb wird die Stadt fast jeden Tag bombardiert und beschossen", so die 23-Jährige. Ihr Vater und ihre beiden Großmütter sind noch in der Ukraine. Ihr Großvater ist vergangenes Jahr verstorben. "Sein Herz hat nicht mehr mitgemacht, aber zum Glück konnte ich mich noch persönlich von ihm verabschieden", sagt Daria Lunina. Die Ukrainerin vermisst ihre Freunde und Familie sehr, sieht ihre Zukunft aber aktuell nicht in der Ukraine.
Ukrainische Flüchtlinge sind in der Westpfalz angekommen
Daria Lunina hat in Kirchheimbolanden einige Zeit als Erzieherin gearbeitet. Aktuell verbessert sie ihre deutschen Sprachkenntnisse.
Tetiana Zorina ist seit Mai 2022 Lehrerin an der IGS Enkenbach-Alsenborn. Der Beruf ist eine große Leidenschaft für sie. "Es macht mich glücklich, wenn ich den Schülern an der IGS Enkenbach-Alsenborn Neues beibringen kann und vor allem gute Werte übermitteln kann." Schon in der Ukraine war sie Lehrerin.
Andrii Andrushkivs größte Motivation: Er möchte später einmal Ingenieur werden – dafür lernt er jetzt schon fleißig. Alle drei gehen ihren Weg, haben aber eines gemeinsam: Sie sind dankbar für die Solidarität und Hilfe in Deutschland.
Drei Jahre Krieg in der Ukraine - diese Hoffnungen haben Geflüchtete
"Ich hoffe sehr, dass der Krieg in der Ukraine so schnell wie möglich endet", sagt Daria Lunina. So geht es auch Tetiana Zorina. Ihre größte Hoffnung ist der Frieden. "Wir hoffen alle, dass es irgendwann wieder so wird wie früher. Aber jeder weiß, dass es nie wieder wie früher sein wird. Zu viele Menschen haben ihr Leben verloren", sagt die Lehrerin.
Auch der 15-jährige Andrii Andrushkiv hofft auf ein Ende des Krieges. Eines ist sicher: Irgendwann wollen sie mit ihren Familien wieder vereint sein. Doch jetzt sind sie dankbar, jede Nacht in Deutschland ruhig einschlafen zu können.