Am Montagnachmittag stellte Kommandeur Martin Holle in der Niederauerbach-Kaserne in Zweibrücken vor, wie das Fallschirmjägerregiment 26 die neuen Maßnahmen der Bundeswehr umsetzt. Vergangene Woche hatte die Bundeswehr einen Aktionsplan in Kraft gesetzt.
Hintergrund sind schwere Vorwürfe gegen die Truppen in der Kaserne in Zweibrücken. Ermittlungen wegen Rechtsextremismus, Sexismus und Drogenkonsum führten zu Entlassungen. Vergangene Woche startete die Bundeswehr den Aktionsplan mit vier Säulen: mehr Kontrollen vor Ort, Umstrukturierungen, Prävention und Anpassungen bei militärischen Werdegängen.
Vorwürfe sollen bis Ostern aufgearbeitet sein Skandal bei Fallschirmjägern Zweibrücken: Bundeswehr startet Gegenmaßnahmen
Nach Vorwürfen von Extremismus, Drogenkonsum und sexualisiertem Fehlverhalten bei den Fallschirmjägern in Zweibrücken setzt die Bundeswehr jetzt einen Aktionsplan um.
Zweibrücken: Umfrage unter Soldatinnen und Soldaten
Konkret laufe seit einer Woche am Standort Zweibrücken eine anonyme, freiwillige Befragung der Soldatinnen und Soldaten. Bislang haben laut Holle 560 Personen daran teilgenommen. Damit sollen die Missstände genau ermittelt werden und den Soldatinnen und Soldaten vermittelt werden, dass die Bundeswehr für Rückmeldungen immer offen sei. Die Umfrage sei eine von neun Maßnahmen, die standortspezifisch auf Zweibrücken angepasst werden.
Bundeswehr: Konkrete Trainings und Lehrgänge
Holle kündigte Trainings vom Zentrum für Innere Führung in Koblenz an. Ein erstes Seminar zu Führungsstilen fand vor Weihnachten statt, das nächste sei für Mitte Februar geplant. Ergänzt werden sollen diese durch maßgeschneiderte Kurse zu sexueller Selbstbestimmung - inklusive Inhalten gegen verbale Grenzüberschreitungen. Darüber hinaus soll auch die Zusammenarbeit mit der Truppenpsychologin intensiviert werden.
Bundeswehr: "Toxischer Führungsstil" soll nicht lange wirken
Außerdem wolle die Bundeswehr die Zeit auf Posten auf fünf Jahre begrenzen. "So vermeiden wir, dass toxische Führungsstile lange wirken", erklärte der Kommandeur. Präventionsmaßnahmen sollen durch Themen wie Selbstbestimmung und ethische Reflexion gestärkt werden.
Gegenmaßnahmen der Bundeswehr: Positive Resonanz in der Truppe
Die Soldatinnen und Soldaten stünden dem Plan offen gegenüber, heißt es am Montag in Zweibrücken. Besonders die Trainings und das Gesamtkonzept würden akzeptiert. Es gebe Bereitschaft zur Auseinandersetzung, was ein positives Signal nach dem Skandal sei. Allerdings betont Kommandeur Holle auch: "Der Großteil der Soldaten hier vor Ort versieht jeden Tag ganz strukturiert und ganz gewissenhaft seinen Dienst und lässt sich nichts zuschulden kommen."
Acht Entlassungen bei Fallschirmjägern in Zweibrücken
Die Aufarbeitung der Fälle sollen laut Bundeswehr schnell vorangehen - internes Ziel sei bis Anfang April. Aktuell würden noch Mobiltelefone und andere mobile Endgeräte forensisch untersucht. Bislang seien laut Kommandeur acht Personen im Fallschirmjägerregiment 26 in Zweibrücken entlassen worden, bei weiteren acht Soldaten prüft die Bundeswehr Entlassungen. In der Vergangenheit war von zehn Entlassungen die Rede. Jetzt spricht das Regiment von acht Entlassungen.