Sexismus, Drogen und Nazi-Uniformen

Skandal bei Bundeswehr Zweibrücken: Neun Entlassungen

Nach Vorwürfen von Drogenmissbrauch, sexuellem Fehlverhalten und Rechtsextremismus bei den Fallschirmjägern in Zweibrücken gibt es Konsequenzen: Neun Soldaten wurden entlassen.

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Von Autor/in Tim Stobbe, Joachim Wulkop

Generalleutnant Christian Freuding, Inspekteur des Heeres, erklärte nach einer Sitzung des Verteidigungsausschusses des Bundestages, dass insgesamt gegen 55 Soldaten des Fallschirmjägerregiments 26 der Bundeswehr in Zweibrücken intern ermittelt werde.

Ihnen werden sexualisiertes Fehlverhalten, Drogenmissbrauch und Volksverhetzung vorgeworfen. Neun Entlassungen seien bereits vollzogen, vier weitere seien beantragt worden. Außerdem gebe es weitere Disziplinarmaßnahmen gegen die beschuldigten Soldaten. Auch die Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen aufgenommen.

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Vergewaltigung angedroht, Hitlergruß auf Stube

An die Öffentlichkeit kamen die Missstände und Straftaten in Zweibrücken, nachdem zwei Soldatinnen sich an den Wehrbeauftragten des Bundestags gewandt hatten. In den Berichten ist die Rede von Soldaten, die den Hitlergruß zur Begrüßung auf Stube zeigten, und von Kameraden, die ihren Kameradinnen mit Vergewaltigung drohten.

Auch der Vorwurf der Volksverhetzung und Drogenmissbrauch, vor allem Kokain, kommen vor. Die Tageszeitung "Pfälzischer Merkur" hatte bereits im September nach einem anonymen Hinweis von den Vorwürfen berichtet. Auch die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" hat eine umfangreiche Recherche veröffentlicht.

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Der Inspekteur des Heeres Freuding kündigte einen Aktionsplan an, um die Missstände zu beseitigen. Dazu zählten eine bessere Dienstaufsicht, Maßnahmen zur Verbesserung der Führbarkeit der Fallschirmjäger und Veränderungen in der Ausbildung der Offiziere. Der Plan werde noch im Januar umgesetzt, kündigte Freuding an.

Verteidigungsminister Pistorius erschüttert

Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) nannte es "erschütternd" und hat Konsequenzen angekündigt. Er zeigte sich außerdem unzufrieden damit, wie die militärische Führung vor Ort zunächst auf die gemeldeten Fälle reagiert hatte. Nachdem die beiden Soldatinnen sich an den Wehrbeauftragten gewendet hatten, sind Monate vergangen, bis die Vorgänge öffentlich wurden.

Kritik aus der Region Zweibrücken an Pistorius und Co.

Anders äußern sich Politiker aus der Region, etwa CDU-Politiker Christoph Gensch. Auf seiner Facebook-Seite hat er ein Statement veröffentlicht, in dem er die Vorfälle in der Kaserne als "Einzelfälle" beschreibt und Verteidigungsminister Pistorius sowie einen Generalleutnant harsch kritisiert. Gensch schreibt auf Facebook, er wünsche sich, dass bei "Einzelfällen" differenziert werde, sehe aber: "Statt sich vor die Truppe zu stellen, wird pauschalisiert - und letztlich die gesamte Luftlandetruppe vor den Bus geworfen."

Auch anders als der Verteidigungsminister sieht es Florian Bilic (CDU), Bundestagsabgeordneter aus dem Wahlkreis Zweibrücken. Im Interview mit dem "Pfälzischem Merkur" verurteilt er die "Einzelfälle" in der Kaserne - lobt aber die Aufklärungsarbeit, die dort stattfinde. Soweit er wisse, werde nichts unter den Tisch gekehrt.

Zweibrücker Soldaten: Vergewaltigungen und Waffen auf dem Weihnachtsmarkt

Es ist nicht das erste Mal, dass das Fallschirmjägerregiment 26 und der Bundeswehrstandort Zweibrücken in die Schlagzeilen geraten. Vor wenigen Tagen berichtete der "Spiegel", dass gegen den Chef einer anderen Kompanie des Regiments ermittelt wird, weil er eine teilgeladene Pistole aus nächster Nähe auf zwei Soldaten gerichtet haben soll.

Im Juni 2025 musste laut "Spiegel" ein Soldat aus einer anderen Kompanie im saarländischen Merzig notoperiert werden. Zwei Ausbilder sollen bei der Nahkampfausbildung "entgegen der einschlägigen Vorschrift wiederholte Schläge in den Genitalbereich und auf den Kopf angewiesen haben", zitiert der "Spiegel" aus einem internen Dokument der Bundeswehr.

Bereits 2023 sind zwei Fallschirmjäger aus Zweibrücken wegen Vergewaltigung einer Kameradin verurteilt worden. Und in der Weihnachtszeit waren zwei Bundeswehrangehörige der Kaserne in die Nachrichten geraten, weil sie am traditionellen Suppenstand der Bundeswehr auf dem Zweibrücker Weihnachtsmarkt mit Waffen und Munition unterwegs waren.

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Autor/in
Tim Stobbe
Tim Stobbe ist Redakteur bei SWR Aktuell in Rheinland-Pfalz
Joachim Wulkop
Bild von Reporter Joachim Wulkop

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