Mehrere in Zusammenhang mit dem Fallschirmjägerregiment 26 in Zweibrücken bekannt gewordene Vorwürfe waren auf Führungsebene der Bundeswehr und dem Verteidigungsministerium im Februar 2025 bekannt.
Meldungen bei der Bundeswehr über disziplinarrechtlich relevante Vorgänge
Das legen so genannte „ISoLaBw“ Meldungen ("Innere und Soziale Lage der Bundeswehr") nahe, die dem SWR-Politikmagazin "Zur Sache Rheinland-Pfalz" vorliegen. Mit solchen Meldungen werden in Verbänden disziplinarrechtlich relevante Vorgänge erfasst. Sie dienen als "Frühwarnsystem" und sollen eine schnelle und zuverlässige Lagefeststellung ermöglichen.
"Sie sind eine wesentliche Entscheidungsgrundlage für das Bundesministerium der Verteidigung (BMVg) und für die nachgeordneten Führungsebenen," heißt es in einem Papier aus dem Bundesverteidigungsministerium (Stand: November 2019), das das Portal "fragdenstaat" veröffentlicht hat.
"Aktionsplan Luftlandetruppe" angekündigt Pistorius: Vorfälle bei Fallschirmjägern in Zweibrücken "erschütternd"
Verteidigungsminister Boris Pistorius kritisiert scharf, wie bisher den Vorwürfen bei den Fallschirmjägern der Bundeswehr in Zweibrücken nachgegangen wurde. Er verlangt nun drei Schritte.
Meldungen über "sexualisierte abwertende Äußerungen"
Nach SWR-Informationen werden die Meldungen fortlaufend aktualisiert. "Zur Sache Rheinland-Pfalz" liegen zwei "ISoLaBw“-Meldungen ("VS-nur für den Dienstgebrauch") zu mutmaßlichem Extremismus und Verstößen gegen die sexuelle Selbstbestimmung vor, die im Februar 2025 erfasst wurden. Sie umfassen jeweils mehrere Vorwürfe und Beschuldigte.
In einer der Meldungen geht es um betroffene Personen, die der Gleichstellungsbeauftragten berichtet hätten, sie seien "über einen längeren Zeitraum […] in verschiedener Ausprägung sexuell geschädigt worden". Es gehe um "sexualisierte abwertende Äußerungen". Die Vorwürfe erstreckten sich demnach auf Vorgänge "von 2016 bis 2025."
Auch Hinweise auf "rechts motivierte extremistische Äußerungen" in Zweibrücken
Nach einer Aktualisierung der Meldung im November 2025 ist von einem Zeitraum "2013 bis 2025" die Rede. Die Zahl der Beschuldigten hatte sich demnach in der Zwischenzeit von sechs auf neun erhöht.
In einem weiteren Vorgang, der laut den Unterlagen ebenfalls im Februar 2025 angelegt wurde, geht es um rechts motivierte extremistische Äußerungen im Zeitraum 2022 bis 2025. Laut "ISoLaBw" -Meldung (Stand: Juli 2025) geht es um sieben Beschuldigte.
Ein Hauptgefreiter soll in Uniform oder Dienstkleidung unter anderem den Hitlergruß gezeigt und sein Bedauern geäußert haben, dass beim Holocaust nicht noch mehr Juden getötet wurden. Der Sachverhalt sei allerdings noch nicht bestätigt. Disziplinare Ermittlungen seien aufgenommen worden.
Ermittlungen im Gange
Der Inspekteur des Heeres, Christian Freuding, hatte am Mittwoch nach einer Sitzung des Verteidigungsausschusses des Bundestags mitgeteilt, der Wehrbeauftragte habe im Februar 2025 eine erste nicht anonymisierte Eingabe erhalten. Danach sei in Zweibrücken mit Ermittlungen begonnen worden.
Sodann habe es erste Meldungen von "zwei Einzelverfehlungen an das Kommando Heer" gegeben. Ob er sich dabei auf die beiden "ISoLaBw" Meldungen bezog, die auch für Verantwortliche im Verteidigungsministerium einsehbar sind, blieb unklar.
Zur Bedeutung der beiden "Einzelverfehlungen" sagte Freuding weiter wörtlich: "Diese Meldungen haben […] bei Weitem nicht auf die Quantität und Qualität der jetzt in Rede stehenden Vorfälle schließen lassen."