Extremistische und sexualisierte Äußerungen

Vorfälle bei der Bundeswehr Zweibrücken waren Ministerium seit fast einem Jahr bekannt

Der Fallschirmjäger-Skandal von Zweibrücken ist dem Verteidigungsministerium und der Führungsebene der Bundeswehr seit Februar 2025 bekannt. Seither sind Ermittlungen im Gange.

Teilen

Stand

Von Autor/in Eric Beres , Sascha Mache , Edgar Verheyen

Mehrere in Zusammenhang mit dem Fallschirmjägerregiment 26 in Zweibrücken bekannt gewordene Vorwürfe waren auf Führungsebene der Bundeswehr und dem Verteidigungsministerium im Februar 2025 bekannt.

Meldungen bei der Bundeswehr über disziplinarrechtlich relevante Vorgänge

Das legen so genannte „ISoLaBw“ Meldungen ("Innere und Soziale Lage der Bundeswehr") nahe, die dem SWR-Politikmagazin "Zur Sache Rheinland-Pfalz" vorliegen. Mit solchen Meldungen werden in Verbänden disziplinarrechtlich relevante Vorgänge erfasst. Sie dienen als "Frühwarnsystem" und sollen eine schnelle und zuverlässige Lagefeststellung ermöglichen.

"Sie sind eine wesentliche Entscheidungsgrundlage für das Bundesministerium der Verteidigung (BMVg) und für die nachgeordneten Führungsebenen," heißt es in einem Papier aus dem Bundesverteidigungsministerium (Stand: November 2019), das das Portal "fragdenstaat" veröffentlicht hat.

Zweibrücken

"Aktionsplan Luftlandetruppe" angekündigt Pistorius: Vorfälle bei Fallschirmjägern in Zweibrücken "erschütternd"

Verteidigungsminister Boris Pistorius kritisiert scharf, wie bisher den Vorwürfen bei den Fallschirmjägern der Bundeswehr in Zweibrücken nachgegangen wurde. Er verlangt nun drei Schritte.

SWR Aktuell Rheinland-Pfalz SWR RLP

Meldungen über "sexualisierte abwertende Äußerungen"

Nach SWR-Informationen werden die Meldungen fortlaufend aktualisiert. "Zur Sache Rheinland-Pfalz" liegen zwei "ISoLaBw“-Meldungen ("VS-nur für den Dienstgebrauch") zu mutmaßlichem Extremismus und Verstößen gegen die sexuelle Selbstbestimmung vor, die im Februar 2025 erfasst wurden. Sie umfassen jeweils mehrere Vorwürfe und Beschuldigte.

In einer der Meldungen geht es um betroffene Personen, die der Gleichstellungsbeauftragten berichtet hätten, sie seien "über einen längeren Zeitraum […] in verschiedener Ausprägung sexuell geschädigt worden". Es gehe um "sexualisierte abwertende Äußerungen". Die Vorwürfe erstreckten sich demnach auf Vorgänge "von 2016 bis 2025."

Auch Hinweise auf "rechts motivierte extremistische Äußerungen" in Zweibrücken

Nach einer Aktualisierung der Meldung im November 2025 ist von einem Zeitraum "2013 bis 2025" die Rede. Die Zahl der Beschuldigten hatte sich demnach in der Zwischenzeit von sechs auf neun erhöht.

In einem weiteren Vorgang, der laut den Unterlagen ebenfalls im Februar 2025 angelegt wurde, geht es um rechts motivierte extremistische Äußerungen im Zeitraum 2022 bis 2025. Laut "ISoLaBw" -Meldung (Stand: Juli 2025) geht es um sieben Beschuldigte.

Ein Hauptgefreiter soll in Uniform oder Dienstkleidung unter anderem den Hitlergruß gezeigt und sein Bedauern geäußert haben, dass beim Holocaust nicht noch mehr Juden getötet wurden. Der Sachverhalt sei allerdings noch nicht bestätigt. Disziplinare Ermittlungen seien aufgenommen worden.

Ermittlungen im Gange

Der Inspekteur des Heeres, Christian Freuding, hatte am Mittwoch nach einer Sitzung des Verteidigungsausschusses des Bundestags mitgeteilt, der Wehrbeauftragte habe im Februar 2025 eine erste nicht anonymisierte Eingabe erhalten. Danach sei in Zweibrücken mit Ermittlungen begonnen worden.

Sodann habe es erste Meldungen von "zwei Einzelverfehlungen an das Kommando Heer" gegeben. Ob er sich dabei auf die beiden "ISoLaBw" Meldungen bezog, die auch für Verantwortliche im Verteidigungsministerium einsehbar sind, blieb unklar.

Zur Bedeutung der beiden "Einzelverfehlungen" sagte Freuding weiter wörtlich: "Diese Meldungen haben […] bei Weitem nicht auf die Quantität und Qualität der jetzt in Rede stehenden Vorfälle schließen lassen."

Zweibrücken

Sexismus, Drogen und Nazi-Uniformen Skandal bei Bundeswehr Zweibrücken: Neun Entlassungen

Nach Vorwürfen von Drogenmissbrauch, sexuellem Fehlverhalten und Rechtsextremismus bei den Fallschirmjägern in Zweibrücken gibt es Konsequenzen: Neun Soldaten wurden entlassen.

SWR Aktuell Rheinland-Pfalz SWR RLP

Gespräch mit einer Soziologin Ist Zweibrücken ein Einzelfall? Interview über Rechtsextremismus bei der Bundeswehr

Ende 2025 haben Vorfälle beim Fallschirmjägerregiment 26 in Zweibrücken für Aufregung gesorgt. Es geht um Nazitümelei, sexualisiertes Fehlverhalten, Gewaltrituale. Ein Interview mit einer Militärsoziologin über politische Einstellungen und Gruppendynamik in der Bundeswehr.

Leichte Sprache | Rheinland-Pfalz Vorwürfe gegen Soldaten in Zweibrücken: Aufklärung läuft

Gegen Soldaten der Bundes·wehr in Zweibrücken gibt es Vorwürfe. Die Soldaten sollen sich sich schlecht verhalten haben. Ein Inspekteur ermittelt.

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Eric Beres
Sascha Mache
Edgar Verheyen

Unsere Quellen

Transparenz ist uns wichtig! Hier sagen wir Ihnen, woher wir unsere Infos haben!