Seit die AfD in Gauersheim im Donnersbergkreis ihre Anlaufstelle, den "Treffpunkt Nordpfalz" eröffnet hat, ist das Dorf Mittelpunkt einer bundesweiten Debatte. Doch vor Ort klingt der Ton ganz anders: Die Bürgermeister ringsum winken ab – zu viel Wirbel, zu wenig Realität.
Viele Menschen würden die Entwicklungen in Gauersheim aufmerksam verfolgen, sagt Sabine Wienpahl (SPD), die Bürgermeisterin der Verbandsgemeinde Kirchheimbolanden. "Das Thema wird durchaus diskutiert, allerdings überwiegend mit einer gewissen Distanz." Auch in den Nachbargemeinden herrscht eher Gelassenheit.
Unzufriedenheit statt Extremismus: Bürgermeister über AfD-Ergebnisse
In Albisheim nennt Ortsbürgermeister Ronald Zelt (Wählergemeinschaft Albisheimer Bürger) die AfD "ein brisantes Thema", doch im Ort selbst gebe es "wenig Berührungspunkte". Zum AfD-Treffpunkt selbst sagt er: "Das hätte bei uns auch passieren können, wenn entsprechende Immobilien vorhanden gewesen wären."
Der Donnersbergkreis ist nicht rechtsextrem – das ist Unzufriedenheit.
Den hohen AfD-Stimmenanteil – 39,4 Prozent in Albisheim bei der Bundestagswahl 2025 – erklärt er mit Unzufriedenheit vor Ort. Wenn Gemeinden kein Geld mehr hätten für den Seniorennachmittag oder die Vereine, dann wachse der Unmut, sagt Zelt. "Der Donnersbergkreis ist nicht rechtsextrem – das ist Unzufriedenheit."
Stetten blickt gelassen auf Gauersheim: Alltag statt AfD-Debatte
In Stetten erinnert sich Bürgermeister Kai-Uwe Angermayer (CDU) noch an viel Polizei im Ort, als in Gauersheim im Dezember die AfD-Jugendorganisation "Generation Deutschland" ihren Landesverband gegründet hat. Inzwischen ist es wieder ruhig.
"Es dreht sich ja nicht alles um die AfD", sagt der Bürgermeister. Und meint auch, dass das Thema teilweise durch die Medien erst aufgeputscht werde. Parteipolitische Themen würden in einem kleinen Ort wie Stetten sowieso weniger eine Rolle spielen. Hier sei wichtiger, dass der Spielplatz saniert werde.
Auch das AfD-Zentrum habe wenig mit Gauersheim zu tun, es würden eher Leute von außerhalb die Anlaufstelle besuchen, meint Angermayer. Das sagt auch Verbandsbürgermeisterin Sabine Wienpahl.
Gemeinde will vorbeugen
Der Gemeinderat in Stetten hat jedoch eine Entscheidung getroffen. Und zwar sei Anfang des Jahres eine Satzung erlassen worden, wie das Dorfgemeinschaftshaus in Zukunft benutzt werden kann. Dort sollen grundsätzlich keine politischen Veranstaltungen stattfinden. Das habe der Rat einstimmig beschlossen.
Angermayer sagt, das sei nur möglich gewesen, weil das Haus auch bisher nicht für solche Dinge genutzt wurde. "Wir wollen das in Zukunft auch nicht haben."
Wunsch nach mehr Ruhe kommt aus Rittersheim
Auch im nahen Rittersheim wünscht sich Ortsbürgermeisterin Iris Schmittinger (parteilos), "dass wieder mehr Ruhe in die Diskussionen einkehrt und man sich mit mehr Respekt begegnet". Auch anderswo bleibt es unaufgeregt. Tim Mühlbach (parteilos) ist Bürgermeister in Marnheim. Er meint: "In unserer Gemeinde ist es nach meinem Befinden sehr ruhig, obwohl ich mir durchaus bewusst bin, dass wir bei der Bundestagswahl einen hohen Stimmenanteil für die AfD hatten."
Bis nach der Landtagswahl: AfD legt Pause ein
Der AfD-Landtagsabgeordnete Damian Lohr sagte, die Besucher des AfD-Treffpunkts kämen sowohl aus Gauersheim als auch aus anderen Orten. Allerdings seien bis zur Landtagswahl keine weiteren Veranstaltungen im Gauersheimer Treffpunkt geplant. Erst danach wolle man wieder aktiv werden.