Eine Tasse heißer Kakao und dann ein Brötchen hinein tunken - das war für ihn als Kind das Schönste überhaupt, erzählt Günter Weckbecker. 1949 kam er als kleiner Junge in die Volksschule in Moselkern. Heute ist er 82 Jahre alt und noch hat er dieses Glücksgefühl auf der Zunge, das der heiße Kakao aus den CARE-Paketen damals in ihm ausgelöst hat. "Die CARE-Pakete waren immer ein Fest für uns."
Amerikanische Soldaten brachten CARE-Pakete
Der Ort im Kreis Cochem-Zell gehörte nach der bedingungslosen Kapitulation am 8. Mai 1945 zwar zur französischen Besatzungzone, erzählt der frühere Ortsbürgermeister von Moselkern. Aber auch US-amerikanische Soldaten mit ihren Panzern waren immer wieder da. Und sie brachten mehrmals die Woche CARE-Pakete für die Kinder im Kindergarten und in der benachbarten Volksschule.
Freitags war von den Amerikanern meist noch ein kleines Stückchen Schokolade dabei.
Diese Pakete gingen nicht an einzelne Familien, sondern an die Nonnen im Kloster, die für die Kinder kochten. Darin waren unter anderem Milchpulver, Eipulver, Kakao, Mehl und Nudeln. "Und freitags war von den Amerikanern meist noch ein kleines Stückchen Schokolade dabei", erinnert sich Günter Weckbecker. "Das war natürlich auch etwas Besonderes."
Not nach dem Kriegsende 1945 auch in Moselkern
Die Menschen in Moselkern seien zwar nicht so stark von den Folgen des Zweiten Weltkriegs betroffen gewesen wie die, die in den von Bomben zerstörten Städten wie Berlin und Dresden lebten, sagt der 82-Jährige. Man habe sich gegenseitig geholfen und die meisten Familien hatten auch ein bisschen Landwirtschaft und große Gärten mit Gemüse und Obst. Aber in manchen Familien sei die Not groß gewesen, gerade bei den Kriegerwitwen, die alleine ihre Kinder großziehen mussten.
CARE-Pakete als Zeichen der Solidarität
Deshalb seien die CARE-Pakete mit dem Kakao und der Schokolade ein Highlight in seiner Kinderzeit gewesen. "Die Amerikaner hatten bei uns und bei mir ein sehr, sehr hohes Ansehen." Und als Kinder hätten sie nicht daran gedacht, dass die US-Soldaten nur wenige Jahre vorher die Feinde waren, gegen die die Deutschen im Zweiten Weltkrieg kämpften.
Für Günter Weckbecker waren und sind die CARE-Pakete deshalb auch ein Zeichen gelebter Solidarität über einstige Feindeslinien hinweg. Und diese Erfahrung hat sein Leben geprägt.
Dankbarkeit für die Hilfe in der Nachkriegszeit
Günter Weckbecker ist noch heute dankbar für die Hilfe, die er als Kind erfahren hat. Deshalb startete er, als er Ortsbürgermeister von Moselkern war, nach dem Sturz des Regimes von Nicolae Ceaușescu Hilfsprojekte in Rumänien. Erst für ein Kinderheim, und später eine Schulspeisung. Mit Spenden wurde jeden Tag ein Frühstück für etwa 800 Kinder bezahlt. Und dass so lange, bis der Staat sie selbst organisieren konnte.
Besonders wichtig ist Günter Weckbecker, dass die Erinnerung an die Zeichen der Menschlichkeit nicht verloren geht, für die die CARE-Pakete stehen. Das ist etwas, dass er auch in seiner eigenen Familie weitergegeben hat.
Enkelin Denise arbeitet heute für CARE International
Und es macht ihn sehr stolz, dass seine Enkelin Denise Schneider heute für die Hilfsorganisation CARE arbeitet. Sie sei damit aufgewachsen, anderen Menschen mit Mitmenschlichkeit und Solidarität zu begegnen, erzählt die junge Frau. "Und dass hat mich auch bestimmt ein Stück weit zu einer Organisation wie CARE gebracht." Aber - Absicht sei das nicht gewesen.
Es ist ein schöner Zufall, dass ich auch eine persönliche Geschichte mit CARE habe.
Sie habe erst vor kurzem von ihrem Opa gehört, was er mit den CARE-Paketen verbindet. Und zwar, als sie zum Ende des Zweiten Weltkriegs vor 80 Jahren und der Nachkriegszeit in Deutschland recherchiert und mit ihm darüber gesprochen hat. "Das ist ein schöner Zufall", sagt Denise, "dass ich auch eine persönliche Geschichte mit CARE habe. Das war mir gar nicht bewusst. Aber das macht es natürlich noch schöner."
CARE International ist weltweit im Einsatz
Auch heute noch organisiert CARE International Nothilfe da, wo Menschen Unterstützung brauchen. "Im vergangenen Jahr waren es 53 Millionen Menschen, die von CARE-Hilfe profitiert haben", sagt Denise Schneider. "Wir können heute die Hilfe weitergeben, die wir vor 80 Jahren selbst bekommen haben."