Politikwissenschaftler Dr. Félix Krawatzek

Zweiter Weltkrieg und Nationalsozialismus: So steht es um unsere Erinnerungskultur

Am 8. Mai 2025 jährt sich das Ende des Zweiten Weltkriegs zum 80. Mal. Wir sprechen mit Politikwissenschaftler Dr. Félix Krawatzek über die deutsche Erinnerungskultur.

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Stand

Am 8. Mai 1945 endete mit der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht der Zweite Weltkrieg in Europa. Die schreckliche Bilanz in Zahlen: Sechs Jahre Krieg und mehr als 60 Millionen Tote.

Wie geht "richtiges" Gedenken?

Um das "richtige" Gedenken zum 8. Mai wird bis heute gestritten: Ganz aktuell zeigt sich das in der Diskussion um die Einladung von Vertretern Russlands zur zentralen Gedenkfeier. Russland nutzt historische Bezüge auf den Zweiten Weltkrieg zur Rechtfertigung seines Angriffskrieges auf die Ukraine.

Während die Erinnerungskultur in Deutschland unmittelbar nach dem Krieg eher negativ von Zusammenbruch, Vertreibung, Besatzung, deutscher Teilung und Verlust von Heimat geprägt war, wandelte sie sich ab den 1960er- und 1970er-Jahren bis zur legendären Rede des ehemaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker 1985 im Deutschen Bundestag, der im Zusammenhang mit dem 8. Mai 1945 von einem "Tag der Befreiung" sprach.

Geschichte Deutsche Erinnerungskultur – Blinde Flecken der Aufarbeitung

In Deutschland sieht man sich gerne als "Erinnerungsweltmeister". Doch der wachsende Rechtsextremismus ist auch ein Hinweis darauf, dass in der deutschen Erinnerungskultur etwas fehlt.

Das Wissen SWR Kultur

Erinnerungskultur in Deutschland

Der Politikwissenschaftler Dr. Félix Krawatzek vom Zentrum für Osteuropa und internationale Studien forscht zum Thema Erinnerungskultur in Deutschland, vor allem im Vergleich zu osteuropäischen Ländern. Beispielsweise in der ehemaligen DDR wurde der 8. Mai lange als "Tag der Befreiung des deutschen Volkes vom Hitlerfaschismus" begangen und war ein gesetzlicher Feiertag. In osteuropäischen Ländern und in der ehemaligen Sowjetunion stand der Widerstand gegen Nazideutschland im Fokus der Erinnerungskultur. Heute bedienen sich z.B. sowohl Russland als auch die Ukraine historischer Analogien für ihre Ziele.

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Zweiter Weltkrieg: Gedenken an Millionen Opfer

In Deutschland herrschte über lange Zeit Konsens über die Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg, der von breiten gesellschaftlichen Schichten getragen wurde. Im Zentrum: Das Gedenken an die Millionen ziviler Opfer, insbesondere der sechs Millionen Opfer des Holocaust. Und daraus resultierend die Verantwortung im Umgang mit unseren Nachbarländern und Minderheiten. Zuletzt werden Stimmen, die diese Verantwortung und die Zeit des Nationalsozialismus relativieren, lauter und vernehmbarer. Vor allem von Rechtsextremisten wird der Erinnerungskonsens als "Schuldkult" diffamiert. Hinzu kommt, dass das Wissen, z.B. zum Holocaust, insbesondere bei den 18- bis 29-jährigen schwindet – das zeigte Anfang dieses Jahres eine Studie der Jewish Claims Conference.

Wie sich die Erinnerungskultur in verschiedenen Ländern verändert hat und weiter verändern wird, darüber sprechen wir am 80. Jahrestag zum Ende des Zweiten Weltkriegs mit Dr. Félix Krawatzek.

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