Beratungsbedarf in RLP wächst

Mehr antisemitische Vorfälle in Schulen rund um Koblenz

Die Zahl antisemitischer Straftaten steigt, auch rund um Koblenz. Antisemitismus sei ein Dauerthema in Schulen, berichten Beratungsstellen. Sie fordern, Lehrer besser auszubilden.

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"Antisemitismus ist ein anhaltendes Thema, das uns immer wieder über Beratungsanfragen von Schulen erreicht", sagt ein Mitarbeitender aus der Koblenzer Regionalstelle Nord der mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus. Er berichtet von Hakenkreuz-Schmierereien, relativierenden Aussagen zur Schoah oder direkten Beleidigungen und Bedrohungen gegenüber jüdischen Schülerinnen und Schülern.

Die Berater können immer dann zu Rate gezogen werden, wenn es zu rechtsextremistischen oder antisemitischen Vorfällen in Sportvereinen, am Arbeitsplatz oder eben auch in Schulen kommt. Aus Sorge um ihre persönliche Sicherheit wollen sie namentlich nicht genannt werden.

Ideologische Täter sind immer jünger

Nach Angaben der Beratungsstelle West in Trier hat der Beratungsbedarf in Schulen zum Thema Rechtsextremismus allgemein zugenommen. "Es ist der Regelfall, dass Lehrkräfte und nicht Schüler sich bei uns melden. Meist ist Überforderung der Grund", berichtet ein Mitarbeitender.

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Gleichzeitig würden die Taten, die im Kontext von Ideologien der Ungleichwertigkeit passierten, immer expliziter und die Akteure immer jünger. Es komme vor, dass sie in Grundschulen oder sogar in Kindergärten gerufen würden. In der Arbeit und den Gesprächen vor Ort stelle sich dann oft heraus, dass auch Antisemitismus entscheidenden Anteil an der Gesamtlage habe.

Lehrkräfte oft unsicher im Umgang mit Antisemitismus

Ein Mitarbeiter der Regionalstelle Nord erklärt auf SWR-Anfrage, dass gerade der israelbezogene Antisemitismus für Lehrkräfte "als scheinbar neuere Spielart oft schwerer zu erkennen und einzuordnen" sei. Lehrende seien nicht selten unsicher und auch unwissend zum Nahost-Konflikt, ergänzt ein Kollege aus der Regionalstelle West. Diese Unkenntnis führe dazu, dass sie modernen Antisemitismus teils nicht direkt als solchen erkennen würden.

Das Symbolfoto zeigt einen jungen Mann von hinten mit einer Kippa auf dem Kopf: In RLP haben Beratungsstellen gegen Rechtsextremimus und Antisemitismus immer mehr zu tun.
In Rheinland-Pfalz haben Beratungsstellen immer mehr zu tun, die Hilfe gegen Rechtsextremismus und Antisemitismus anbieten. Picture Alliance

Social Media verstärkt die Problematik

Laut einem Mitarbeiter der Regionalstelle Nord trete "verstärkt ein moderner, israelbezogener Antisemitismus auf, der sich am Nahostkonflikt entzündet und antisemitische Zuschreibungen auf den Staat Israel überträgt." Warum Antisemitismus derzeit offenbar ein großes Thema unter Jugendlichen ist? Social Media sei nicht die Ursache, aber ein Verstärker, heißt es aus den Beratungsstellen.

Es seien nach Angaben der Regionalstelle Nord Plattformen wie TikTok, "wo entsprechend antizionistische Inhalte verbreitet werden und sich gerade unter migrantischen Schülerinnen und Schülern leicht mit Fragen von Identität und Zugehörigkeit vermischen können."

Weiterhin sei Antisemitismus ein für Jugendliche leicht nachzuvollziehendes Muster. "Wir befinden uns in einer Polykrise. Antisemitismus wirkt da wie ein Gut-Böse-Schema und kann Orientierung liefern", so ein Mitarbeitender der Regionalstelle West. Um dem Trend entgegenzuwirken, wünschen sich die Beratungsstellen eine bessere Ausbildung der Lehrkräfte.

Berater fordern bessere Ausbildung für Lehrkräfte

"In unserer Arbeit sehen wir, dass Wissen über Antisemitismus insgesamt, insbesondere auch über modernen Antizionismus und die Verschränkung mit dem Nahostkonflikt, häufig lückenhaft ist und mit Unsicherheiten einhergeht", ordnet ein Mitarbeitender der Regionalstelle Nord ein. Weiterhin spiele der professionelle Umgang mit antisemitischen oder rechtsextremistischen Vorfällen an Schulen bislang nur eine geringe Rolle.

"Daraus ergibt sich aus unserer Sicht die Notwendigkeit, angehende Lehrkräfte bereits im Studium und in der Ausbildung darauf vorzubereiten und für das bestehende Kollegium passgenaue Fortbildungsangebote bereitzustellen", erklärt die Regionalstelle Nord schriftlich. Die Regionalstelle West wünscht sich indes, auf gesamtgesellschaftlicher Ebene entsprechende Angebote auch in der Aus- und Fortbildung von Richtern und Polizisten zu verankern.

ADD: Lehrkräfte werden auf verschiedene Weise unterstützt

Die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) ist die Schulaufsichtsbehörde des Landes. Eine Sprecherin betont auf SWR-Anfrage: "Für uns steht fest, dass alle Formen des politischen oder religiösen Extremismus an rheinland-pfälzischen Schulen keinen Platz haben dürfen. Deshalb ist es wichtig, vor allem die Lehrkräfte auf den Umgang mit solchen Situationen vorzubereiten und ihnen die notwendige Unterstützung zu geben."

Die ADD verweist darauf, dass Weiterbildungsangebote des pädagogischen Landesinstitutes zur Gewaltprävention und zur Prävention von Extremismus in den vergangenen Jahren "stetig ausgebaut" worden seien. Weiterhin gebe es Handreichungen und standardisierte Verfahren zu Krisen- und Gefahrenlagen an rheinland-pfälzischen Schulen. Hierdurch sei Lehrkräften "eine strukturierte Handlungsempfehlung zum Umgang mit Gewalt, Krisen und Straftaten an Schulen gegeben".

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SWR

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