"Also, ich muss sagen, das ist unbegreiflich", sagt Schwester Irmingard, die mit ihren Mitschwestern im Kloster Arenberg nahe Koblenz lebt. Dass ihr erstes Döneressen mit 92 Jahren so viel Aufmerksamkeit erregt, findet sie "ein bisschen komisch" und grinst verschmitzt, während sie im Klostergarten steht. Am Montagmittag zählte das Video auf der Social-Media-Plattform Instagram bereits fast sieben Millionen Aufrufe.
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Ein besonderer Tag für einige Nonnen des Klosters Arenberg in Koblenz: Sie haben ihren ersten Döner mit teilweise über 90 Jahren gegessen. Wir haben mit dem Dönermann gesprochen.
So ein Döner sei schließlich nur ein einfaches Gericht, das vermutlich jeder kenne, erzählt Schwester Irmingard. Doch als ihre Mitschwestern auf dem Rückweg von Trier nach Koblenz vorschlugen, in einer Dönerbude in Mülheim-Kärlich einen Zwischenstopp einzulegen, habe sie sofort gesagt: "Das will ich probieren."
Also, ich muss sagen, das ist unbegreiflich.
Auf die Idee, Irmingard bei ihrem ersten Döner-Essen zu filmen, kamen Schwester Clarita und Schwester Ursula. Die betreiben den Account der Arenberger Schwestern. "Wir haben Irmingard gefilmt, weil sie für jede Schandtat bereit ist - das wollten wir einfach der Welt zeigen", erklärt Schwester Ursula beim Interview im Klostergarten der katholischen Arenberger Dominikanerinnen.
Schwestern sind offen für Neues
Dass Schwester Irmingard mit 92 Jahren noch so offen für Neues ist, beschreibt Schwester Ursula als "richtig dominikanisch". Die Offenheit und Lebensfreude beeindrucke sie: "Viele Dominikanerinnen bleiben ihr Leben lang berührbar und das finde ich total cool. So möchte ich auch alt werden." Dass Schwester Irmingard 92 Jahre ist, glaube im Kloster niemand.
Seitdem die Arenberger Dominikanerinnen das Video von Schwester Irmingards erstem Dönneressen gepostet haben, haben sie rund 4.000 Kommentare erhalten. Diese haben sie alle gelesen und beantwortet. Nur zwei oder drei Kommentare mussten sie löschen, der Rest sei "super nett" gewesen. "Ich habe immer mal schön ein paar Herzchen verteilt", sagt Schwester Ursula schmunzelnd.
Döner-Video aus Koblenz geht um die Welt
Der Wirbel um das Video hat inzwischen internationale Dimensionen erreicht. Sogar englischsprachige Medien, darunter CNN, hätten angefragt, berichtet Schwester Ursula. Zur plötzlichen Bekanntheit meint sie: "Ich finde es lustig und auch ein bisschen schräg. Es ist irre, wie aus so etwas Alltäglichem wie einem Essensvideo eine riesige Welle entstehen kann."
"Viele denken, im Kloster sei alles streng, verboten und spaßfeindlich", sagt Schwester Ursula. Doch ihre Gemeinschaft sei sehr offen für Social Media und Medien im Allgemeinen. Das zeigt sich auch auf dem Instagram-Account des Ordens: Dort finden sich Videos über Schwester Irmingards 92. Geburtstag, eine Reise nach Bolivien, ein Praktikum bei einem Bäcker oder alle Schwestern im Karnevalskostüm. "Wir haben kein festes Konzept. Wir posten einfach, was der Tag so hergibt - wenn er etwas hergibt", erklärt Schwester Ursula.
Seit vier Jahren posten Arenberger Schwestern Video bei Instagram
Zusammen mit Schwester Clarita, die mit unter 30 Jahren die Jüngste in der Gemeinschaft ist, hat sie den Account der Arenberger Schwestern vor rund vier Jahren gegründet. Inzwischen hat der Account rund 15.000 Follower. Hinzu kommen die "privaten" Accounts von Schwester Ursula, Clarita, Kathrin und den anderen Schwestern. Rund 18.000 Menschen folgen allein Schwester Clarita.
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Die Zahl der Kirchenaustritte ist hoch wie nie. Gerade jüngere Leute haben mit Kirche oft nichts mehr am Hut. Bei Clara ist das anders, sie will ihr Leben ganz dem Glauben widmen.
Angesichts zahlreicher negativer Schlagzeilen über die Kirche betonte Schwester Ursula, dass Kirche und ihre Gemeinschaft auch schön ist. Diesen positiven Aspekt wolle man gerne nach außen tragen. So hätten sich auch schon Frauen über Instagram gemeldet, die Interesse am Leben im Kloster Arenberg haben. So eine Entscheidung brauche aber Zeit. Sie selbst habe fünf Jahre mit sich gerungen, bis sie ins Kloster eingetreten sei, sagt Schwester Ursula. Das war mit 30 Jahren, nach ihrer Promotion in Pharmazie. Mittlerweile ist sie 50.
Fragen zum Klosterleben werden in Livestream beantwortet
Auch das Gästehaus des Klosters profitiert von der neuen Reichweite. "Wir haben wirklich viel Kontakt mit Menschen, die wir sonst nie erreichen würden," sagt Schwester Ursula. "Die wenigsten Menschen gehen in die Kirche, aber viele Menschen brauchen Impulse und suchen nach ihnen." Nach dem Döner-Instagram-Post hätten sie mehr als 60 Fragen erhalten, die sie in einem Instagram-Livestream beantworten wollen.
Und Schwester Irmingard? "Ich wäre lieber unbekannt geblieben", sagt sie mit einem verschmitzten Lächeln. Sie bleibt bescheiden. Wenn die anderen Schwestern sie fragen, sei sie aber natürlich wieder bei einem Video dabei. Im Kloster Arenberg gilt sie nicht umsonst als Frohnatur und Sonnenschein.