"Die Beschäftigten hängen in der Luft"

Nach Aus für Kaiser-Backformen in Diez: IG Metall fordert Klarheit für Mitarbeitende

Das Produktionsende von Kaiser-Backformen in Diez sorgt für Kritik: Die Gewerkschaft IG Metall fordert klare Antworten vom verantwortlichen Mutterkonzern aus Frankreich.

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Von Autor/in Paula Zeiler

Die Produktion der bekannten Kaiser-Backformen soll eingestellt werden. Die französische Groupe SEB, zu der die Marke Kaiser gehört, hat angekündigt, Gespräche mit dem Betriebsrat aufzunehmen, um faire Lösungen für die Mitarbeitenden zu finden. Ein konkreter Zeitplan oder ein strukturierter Prozess wurde bislang nicht benannt. Das sorge für Unsicherheit unter den Beschäftigten, heißt es von der Gewerkschaft.

"Die Beschäftigten hängen derzeit tatsächlich in der Luft", sagt Javier Pato Otero, Vertreter der IG Metall Mainz-Wiesbaden. So kritisiert die Gewerkschaft, dass es bisher keine echten Verhandlungen gegeben habe. So weiß man beispielsweise nicht, wann der sogenannte "Produktionsstopp" in Diez sein wird. Und dass, obwohl es eine Standortgarantie bis 2030 gibt.

IG Metall fordert Perspektiven für Beschäftigte in Diez

Die Gewerkschaft fordert von der Groupe SEB umfassende Transparenz über die Planungen, eine klare Darstellung aller Alternativen zum Standort-Aus und ernsthafte Gespräche mit Betriebsrat und Gewerkschaft. "Uns geht es um Perspektiven, Sicherheit und Wertschätzung der Beschäftigten", betont Pato Otero. Sobald belastbare Informationen vorliegen, werde man sich intensiv mit den möglichen Handlungsoptionen befassen.

Uns geht es um Perspektiven, Sicherheit und Wertschätzung der Beschäftigten

Unklarheiten über Standort Diez

Die Groupe SEB hat bestätigt, dass die Produktion von Backformen und anderen Backutesilien unter dem Namen "Kaiser" in Diez eingestellt wird. Der Standort soll jedoch nicht geschlossen werden, das sagte eine Sprecherin der Groupe SEB. Stattdessen suche der französische Konzern nach einem Interessenten, der den Standort, die Maschinen und möglichst auch die Belegschaft übernimmt. Was dort künftig produziert werden könnte, ist bisher unklar.

Die Ankündigung, den Standort Diez für andere Zwecke zu nutzen, wirft laut der Gewerkschaft IG Metall mehr Fragen auf, als sie beantwortet. "Derzeit liegen uns keine belastbaren Informationen darüber vor, ob es konkrete Interessenten gibt oder ob es sich lediglich um eine theoretische Option handelt", erklärt Pato Otero.

Schild zum Werksverkauf von Kaiser Backwaren in Diez
Die Produktion der bekannten Kaiser-Backformen soll eingestellt werden. Wie es hier am Standort in Diez weitergehen soll, ist bislang noch vollkommen unklar.

Pato Otero äußert außerdem deutliche Kritik an der Kommunikation der Groupe SEB. Besonders die Aussagen zu möglichen "bestehenden Strukturen an anderen Standorten" und zur "Nutzung des Standorts Diez außerhalb der Groupe SEB" seien unklar. So habe der französische Konzern bislang nicht transparent gemacht, welche Standorte konkret gemeint sind, welche Produktionsprozesse dorthin verlagert werden sollen und ob diese Strukturen bereits existieren oder erst geschaffen werden müssten.

Hohe Kosten als Grund für Ende von Kaiser-Backformen

Die Groupe SEB will dieses und nächstes Jahr weltweit Stellen abbauen, davon 1.400 in Europa. Wie viele Mitarbeitende konkret betroffen sind, hat das Unternehmen bislang nicht mitgeteilt. Laut der IG Metall sind 65 Arbeitsplätze gefährdet. Als Grund für das Ende der Produktion von "Kaiser" Backformen in Diez nennt der Konzern unter anderem hohe Energiepreise, außerdem steigende Lohn- und Rohstoffkosten. Trotz zahlreicher Bemühungen sei es in den letzten Jahren nicht gelungen, den Standort rentabel zu machen.

Während die Zukunft des Standorts Diez ungewiss bleibt, verweist die Groupe SEB auf positive Entwicklungen in anderen Bereichen. Laut dem Finanzbericht des Unternehmens stieg der Umsatz in Deutschland im Jahr 2024. Insgesamt steigerte der Haushaltsgerätehersteller seinen Umsatz im Jahr 2024 um rund drei Prozent auf etwa 8,3 Milliarden Euro.

Die IG Metall hat angekündigt, die Beschäftigten in Diez nicht allein zu lassen und ihre Interessen weiterhin zu vertreten. Ob und wie schnell eine Lösung für den Standort gefunden wird, hängt nun von den weiteren Gesprächen und Entscheidungen der Groupe SEB ab.

Ludwigshafen / Wörth / Frankenthal / Kaiserslautern

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Paula Zeiler
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