Nach Zugunglück bei Riedlingen in BW

Hangrutsche in RLP: Viele Bahnstrecken sind gefährdet

Viele Bahnstrecken in Rheinland-Pfalz sind von einem Hangrutsch bedroht. Das ist ein Risiko für Reisende. Der Fahrgastverband ProBahn fordert deswegen eine bessere Überwachung.

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Stand

Besonders betroffen sind die Flusstäler in Rheinland-Pfalz. Insbesonders an der linken und rechten Rheinstrecke ist die Gefahr für Hangrutsche und Felsstürze groß, aber auch an Mosel, Saar und Nahe gibt es Schienenabschnitte, die unmittelbar gefährdet sind. Das geht aus einer entsprechenden Gefahrenkarte des Deutschen Zentrums für Schienenverkehrsforschung hervor. Beim tödlichen Zugunglück zwischen Riedlingen und Zwiefaltendorf in Baden-Württemberg am Wochenende war der Zug nach aktuellen Ermittlungen wegen eines Hangrutsches entgleist.

Bereits mehrere Bahn-Unfälle an Hangrutschen im Mittelrheintal

Im Jahr 2011 kam es im Mittelrheintal zu zwei Unfällen, bei denen Züge an einem Hangrutsch entgleist sind. Im September 2011 entgleiste ein InterCity der Deutschen Bahn auf der Fahrt von Koblenz nach Mainz in der Nähe von St. Goar an einem Hangrutsch. Dabei waren sechs Menschen verletzt worden.

Ein Intercity der Deutschen Bahn entgleist an einer Gerölllawine vor St. Goar im Mittelrheintal.
Auf der linksrheinischen Bahnstrecke bei St. Goar ist am 11.09.2011 ein Personenzug entgleist. Der Lokführer erlitt einen Oberschenkelbruch, teilte die Polizei mit. Vier bis fünf der rund 250 Fahrgäste wurden leicht verletzt. Ursache der Entgleisung war Geröll, das sich bei Starkregen von einem Felsabhang des engen Rheintals gelöst hatte. Archiv: picture alliance / dpa | Thomas Frey Bild in Detailansicht öffnen

Nur einen Monat davor war eine Regionalbahn zwischen Kestert und Kamp-Bornhofen an einer Gerölllawine entgleist. Drei Personen wurden leicht verletzt. Der Einsatzleiter der Bundespolizei sagte damals der dpa, sie seien "glimpflich davon gekommen". Im Juni 2016 entgleiste zwischen Oberwesel und Bacharach ein Regionalzug an einem Hangrutsch.

2018 fährt ein Zug bei Kyllburg auf eine Geröllawine auf

Keine Verletzten gab es bei einem Zugunglück auf der Eifelstrecke im Jahr 2018: Eine Regionalbahn fuhr damals auf eine Geröllwaine auf, als sie aus einem Tunnel kam. Im Abschlussbericht des Eisenbahn-Bundesamts sagte der Lokführer, dass er im Tunnel bereits Äste und Gegenstände bemerkt habe und deswegen bereits vorher gebremst habe. Das hat dazu geführt, dass der Zug nur noch langsam auf die Geröllawine aufgefahren ist. Bei allen Unfällen gab es zuvor starken Regen, der den Hangrutsch ausgelöst hat.

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Felssturz von Kestert legt 2021 rechte Rheinseite lahm

Rechtzeitig entdeckt wurde im März 2021 der Felssturz von Kestert im Mittelrheintal. Hier kam es zu keinem Unfall. Die Bahnstrecke und die Bundesstraße waren längere Zeit nicht vollständig befahrbar. Die Bahn musste den über der Stelle liegenden Felsen im Anschluss aufwändig sichern.

Im Dezember 2022 musste die Strecke zwischen Oberwesel und Bacharach wegen eines Hangrutsches vorsorglich gesperrt werden. Im November 2023 gab es einen Hangrutsch im Kreis Bad Kreuznach. Die Bahnstrecke bei Kirn wurde während der Sicherungsarbeiten gesperrt.

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Bahn: Eine lückenlose Rund-um-die-Uhr-Überwachung ist nicht möglich

Die zuständige DB Tochter InfraGo sagte auf Anfrage, dass sie die Infrastruktur regelmäßig inspiziere. Eine "lückenlose Rund-um-die-Uhr-Überwachung" des gesamten Schienennetzes sei in der Praxis jedoch nicht möglich. Seit 2020 würden allerdings an vielen Strecken Daten gesammelt und "live" erfasst, so die Bahn.

Dabei würden beispielsweise auch "Erdkörper" überwacht, damit man schnell reagieren könne. Auch Drohnen- und Satellitendaten würden ausgewertet: "An besonders von Erdrutschen gefährdeten Streckenabschnitten sichert die DB mit sogenannten Murgangschutzzäunen."

Fahrgastverband ProBahn fordert bessere Überwachung

Der Fahrgastverband ProBahn sieht die Anstrengungen der Bahn ebenfalls, sagt aber, dass diese durch die Zunahme an Untwetterereignissen offenbar nicht mehr ausreichend seien. Der Verband fordert deswegen, die "Fibre-Optic-Sensing"-Technologie entlang von Strecken einzuführen. Damit könnten über Glasfaser akustische Signale und Vibrationen am Gleis erkannt werden. Das System sei außerdem verhältnismäßig kostengünstig.

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