SWR Aktuell: Am Mittwoch hat der rheinland-pfälzische Landtag ein neues Brand- und Katastrophenschutzgesetz verabschiedet - sind Sie damit zufrieden?
Frank Hachemer: Für uns ist es schon ein Meilenstein, weil ein weiterer Schritt zur Modernisierung des Feuerwehrwesens vorgenommen worden ist. Aber einige Themen sind schon noch offen geblieben. Zum Beispiel die Frage: Wann übernimmt das Land die Einsatzleitung - das ist leider in der Formulierung des neuen Gesetzes nicht so klar geworden, wie es unsere Einsatzkräfte wollen. So eine Klarheit brauchen wir aber als Feuerwehr.
SWR Aktuell: Der Landesverband der Feuerwehr hat den Landtagsabgeordneten nach der Sitzung am Mittwoch schon einen Forderungskatalog vorgelegt. Was braucht die Feuerwehr in Rheinland-Pfalz denn aktuell noch, um besser agieren zu können?
Frank Hachemer: Wir brauchen auskömmliche Mittel für die Instandhaltung und Modernisierung von Gerätehäusern. Da kommt in den nächsten Jahren einiges auf uns zu. Wir brauchen aber auch mehr Menschen im Hauptamt, die die Ehrenamtlichen entlasten. Es ist ja so - ganz platt gesagt: wir möchten Feuer ausmachen. Wir wollen Menschen helfen. Und dann kommt aber ganz viel Bürokratie hinzu. Da müssen Einsatzberichte geschrieben werden, Geräte müssen gewartet werden, da gibt es ganz viele Vorschriften. Das kann man im Ehrenamt gar nicht mehr leisten. Vielen Menschen ist ja auch gar nicht klar, dass unser Feuerwehrsystem auf Freiwilligkeit aufbaut. Die denken, es gibt überall Berufsfeuerwehren - dabei gibt es in Rheinland-Pfalz gerade mal sechs Städte, die eine Berufsfeuerwehr haben.
SWR Aktuell: In ihrem Forderungskatalog geht es ja auch um die Wertschätzung des Ehrenamts. Was muss da passieren?
Frank Hachemer: Viele denken oft technisch - dass wir gut ausgestattet sind und die richtigen Fahrzeuge bekommen. Das ist auch richtig so. Aber die Feuerwehr ist ein System, das auf Menschlichkeit aufgebaut ist. Und da muss man auch schauen, wie man mit den Menschen umgeht, die dort aktiv sind. Da reicht es nicht nur, schöne Autos zu kaufen. Und auch nicht, wenn mal einen freien Eintritt im Freibad oder eine andere Vergünstigung bekommt. Da muss mehr passieren. Es geht etwa darum, bei der großen Politik zu erreichen, dass unsere Leute Rentenpunkte bekommen für das, was sie hier machen, damit sie auch später spüren: Das wird wertgeschätzt, was ich da mache.
SWR Aktuell: Gibt es denn mehr Einsätze als früher?
Frank Hachemer: In den letzten zwei, drei Jahren stagnieren die Zahlen zwar etwas, aber insgesamt ist die Anforderung, was Einsätze der Feuerwehr betrifft, deutlich höher geworden. Vor wenigen Jahrzehnten war das noch eher beschaulich in vielen ländlichen Gemeinden, heute haben wir auch da gestiegene Einsatzzahlen. Das liegt etwa an mehr Verkehr auf den Straßen und mehr Unfällen, die passieren, aber beispielsweise auch am Klimawandel, wodurch es jetzt öfters zu Vegetationsbränden kommt. Wenn sowas tagsüber ist, müssen wir oft auch mehr Wehren aus den Nachbarorten alarmieren, weil viele Feuerwehrleute nicht im Heimatort arbeiten - das lässt die Einsatzzahlen auch steigen.
SWR Aktuell: Sind es vor allem Brände, zu denen ausgerückt wird oder was macht das Gros der Einsätze aus?
Frank Hachemer: Die Feuerwehr wird oft als "Mädchen für alles" bezeichnet. Da sind auch viele Einsätze dabei, die wir als Feuerwehr kritisch betrachten. Wir unterstützen beispielsweise oft den Rettungsdienst - zum Beispiel, um Türen zu öffnen, weil dafür nicht das notwendige Equipment vorhanden ist. Oder wenn es darum geht, schwergewichtige Personen aus einer Wohnung herauszutransportieren. Das gehört jetzt eigentlich nicht zu den Kernaufgaben der Feuerwehr. Aber wir machen es trotzdem, wenn Hilfe erforderlich ist.
SWR Aktuell: Würden Sie diese zusätzlichen Aufgaben als Belastung bezeichnen?
Frank Hachemer: Wir helfen ja gerne. Das liegt in unserer Natur. Aber dann gibt es schon noch genug Fälle, wo ich sage: Muss man da unbedingt die Feuerwehr rufen? Wenn zum Beispiel ein fingerbreit hoch das Wasser im Keller steht, oder ein Ast auf der Straße liegt, oder ein kleiner Mülleimer brennt. Solche Sachen generieren viele Einsätze - wenn die nicht da wären, würde uns das Leben schon deutlich leichter gemacht werden. Aber wir haben das Gefühl, dass sich da eine Art Servicementalität entwickelt hat, wenn irgendwas ist, kommt ja die Feuerwehr. Das stimmt - wenn was Schlimmes ist, dann sind wir sehr gerne da, aber wenn man was selbst machen kann, ist das auch gut. So haben wir Zeit für wichtigere Einsätze.
Das Gespräch führte Christina Nover