Franz Josef Schäfer läuft durch seine Erdbeerplantage in Eckendorf im Kreis Ahrweiler und kontrolliert die Erdbeerpflanzen. Bücken muss er sich nicht mehr. In seinem Betrieb wachsen die Erdbeeren auf Stellagen in Armhöhe. Computerüberwacht in großen Folientunneln. "Wir haben gar keinen Anbau auf dem Acker mehr. Den haben wir komplett aufgegeben. Das lohnt sich gerade durch die hohen Lohnkosten nicht mehr", sagt Erdbeerproduzent Schäfer.
Erdbeeranbau ist immer noch Handarbeit
Erdbeeren bedeuten Handarbeit - gerade auf dem Acker. Gebückt auf dem Feld bei jedem Wetter. Zeitaufwendig und unkalkulierbar durch zum Beispiel Schnecken oder Schäden bei Frost und Starkregen. Viele Betriebe geben den Freilandanbau deshalb auf. Im Kreis Ahrweiler, zu dem auch Schäfers Betrieb gehört, sank die Zahl der Betriebe, die draußen anbauen, seit 2020 um fast ein Drittel.
Die Betriebe stellen auf sogenannten "geschützten Anbau" um. Das heißt unter begehbaren Schutzabdeckungen, zum Beispiel Folientunnel oder Folienzelte, wie auf Schäfers Betrieb. Meist kommen Erdbeersorten zum Einsatz, die die ganze Saison Früchte tragen. Computerüberwacht mit KI-Unterstützung, sagt er. "Wir haben Kameras im Einsatz, die die Pflanzen beobachten, die uns Ernteprognosen geben, Schädlinge überwachen."
Erdbeerbetriebe müssen investieren oder geben auf
Gemeinsam mit seinem Sohn hat Schäfer die moderne Technik eingeführt. Rund 350.000 Erdbeerpflanzen auf sieben Hektar Anbaufläche werden bei den Schäfers jedes Jahr gesetzt. Durch die neue Methode, sagt er, spare sein Betrieb Lohnkosten. Außerdem schone man die Arbeitskräfte und mache die Produktion planbarer, das sei wichtig heutzutage. "Wir haben eine bessere Qualität als im Freiland, weil die Erdbeeren haltbarer sind."
Der Umstieg auf geschützten Anbau aber ist teuer. Rund 300.000 Euro pro Hektar müsse man investieren. Das könne sich nicht jeder Erdbeerbetrieb leisten. So gäben viele den Erdbeeranbau ganz auf, sagt Schäfer. Die Zahlen des Statistischen Landesamts belegen seine Aussage. Der Trend in Rheinland-Pfalz liegt bei rund 30 Prozent weniger Betriebe und Erdbeeranbaufläche seit 2020.
Die Preismacht des Einzelhandels
Der Preisdruck ist hoch und schwächt den deutschen Erdbeermarkt: Nur etwa 40 Prozent der Früchte stammen laut Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung aus heimischem Anbau, die Konkurrenz aus dem Ausland sei stark. Schäfer, der für den Einzelhandel produziert, spürt die Preismacht der Supermärkte. "Ich habe Erdbeeren für 99 Cent aus Marokko bei einem Discounter gesehen. Das ist schon grenzwertig. Das kann auch nicht mit Anbau in Marokko gehen."
Zudem kommen schon vor Saisonbeginn große Mengen aus Spanien, Portugal und Marokko auf den Markt, sodass die erste Nachfrage früh gesättigt sei. Seine Ernte startet daher erst Mitte Mai. Hauptproblem sei am Ende nicht der gestiegene Mindestlohn, sondern dass er steigende Kosten nicht weitergeben kann, da der Handel die Preise vorgibt.
Vorteile der Direktvermarktung von Erdbeeren
Vorteile haben Erdbeerbauern, die ihre Früchte selbst in Hofläden oder an Marktständen verkaufen. Sie können ihre Preise selbst bestimmen. Die Erdbeere ist hier oft teurer als im Supermarkt, aber auch frischer und hat keine tagelangen Transportwege hinter sich. So auch auf dem Hof von Christian Sattler bei Koblenz. "Aktuell sehe ich keine Notwendigkeit, die Preise bei Erdbeeren anzuheben. Aber in Zukunft kann das schon passieren."
Trotz besserer Preise spürt auch Sattler die Kostensteigerungen bei Lohn und in der Produktion. "Es sind so 40 bis 50 Prozent Anstieg bei Diesel, Pflanzenschutz und Düngemitteln." Im letzten Jahr hat Dünger 400 Euro pro Tonne gekostet - dieses Jahr werden es wohl rund 900 Euro sein, sagt er. Unter anderem auch die Folgen des Iran-Kriegs. Auch auf Sattlers Hof setzt man auf moderne Technik, um Kosten zu sparen.
Zukunft des Erdbeeranbaus ist hochtechnisch
Für Franz Josef Schäfer ist klar, dass es ohne neue Technik und geschützten Anbau in Zukunft nicht gehen wird. Aber das müsse man auch wollen: "Da muss man für brennen, dafür muss man ein Händchen haben, man muss mit der Zeit gehen." Für ihn ist KI- und Roboter-Einsatz die Zukunft des Obstanbaus. Aber nicht jeder wolle sich damit auseinandersetzen. "Wie sagt man: Wer nicht mit der Zeit geht, der geht mit der Zeit."