Ein Jahr neues Bestattungsgesetz in Rheinland-Pfalz

Ein Grab im eigenen Garten: "So ist meine Mutter immer bei mir"

Seit Ende September 2025 gilt in Rheinland-Pfalz das neue Bestattungsgesetz. Silke Taverna aus Ransbach-Baumbach konnte so den letzten Wunsch ihrer Mutter erfüllen.

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Von Autor/in Kathrin Freisberg

Ein Grab im Garten der Familie, direkt am kleinen Pool in der Sonne - das war der letzte Wunsch ihrer Mutter, erzählt Silke Taverna. Und den habe sie gerne erfüllt: "So ist sie immer bei uns, mittendrin. Wenn wir mit der Familie grillen zum Beispiel. Oder wenn ich im Garten sitze. Dann kommuniziere ich mit ihr. Das ist einfach schön. Sie ist nicht weg, sie ist bei uns."

Wunsch der Mutter wurde zu Lebzeiten schriftlich festgehalten

Silke Tavernas Mutter starb im März 2026 im Alter von 88 Jahren. Ihren Wunsch, im Garten ihre letzte Ruhe zu finden, hatte sie zu Lebzeiten schriftlich festgehalten. Das ist die Voraussetzung, dass eine Bestattung außerhalb eines Friedhofs überhaupt möglich ist.

Silke Taverna kniet am Grab ihrer Mutter im eigenen Garten.
Silke Taverna ist froh, dass sie das Grab ihrer Mutter ganz in der Nähe hat. So habe sie das Gefühl, ihre Mutter sei immer bei ihr, sagt sie. Und auch die Grabpflege sei einfacher.

Für mich ist das beruhigend. Meine Mutter hat mich nicht verlassen, sie ist immer bei mir. Das ist schön.

Das Bestattungsinstitut im benachbarten Höhr-Grenzhausen habe sie nach dem Tod der Mutter beraten und unterstützt, sagt Taverna. Ihre Mutter sei nach dem Tod verbrannt worden. Der Bestatter habe ihre Asche dann mit einer kleinen Zeremonie im Garten vergraben: "Das war sehr feierlich und würdevoll."

Grab im eigenen Garten angelegt

Silke Taverna hat rund um die Stelle ein kleines Grab angelegt. Mit einer Engelsfigur und Blumen. Außerdem hat sie eine Hortensie gepflanzt. Ihre Mutter sei der Mittelpunkt der Familie gewesen, sagt die 61-Jährige. Es sei ihr ein Bedürfnis gewesen, ihren letzten Wunsch zu erfüllen.

Auch ihre Familie sei froh über das Grab im Garten: "Wenn ein weißer Schmetterling hier herumfliegt, ruft meine Enkeltochter immer, 'Schau mal, das ist die Oma'."

Das Grab ihrer Mutter in Silke Tavernas Garten ist mit Blumen und einer Engelsfigur geschmückt.
Das Grab ihrer Mutter in ihrem Garten hat Silke Taverna mit Blumen und einer Engelsfigur geschmückt. Außerdem hat sie eine Hortensie gepflanzt.

Neue Bestattungsformen sind in RLP noch die Ausnahme

Seit Inkrafttreten des neuen Gesetzes ist nach Angaben des Bestatterverbands Rheinland-Pfalz das Interesse an neuen Bestattungsformen groß. Nach wie vor werden demnach die meisten Menschen aber auf öffentlichen Friedhöfen beigesetzt. Das hat eine aktuelle Umfrage unter den Mitgliedern des Verbands ergeben.

Bislang nur wenig Flussbestattungen in RLP

So habe es erst 42 genehmigte Flussbestattungen in Rhein, Mosel, Saar oder Lahn gegeben. Das entspreche nur einem Tausendstel der Sterbefälle. Kritiker der Reform hatten befürchtet, die Liberalisierung könnte den Fortbestand vieler Friedhöfe gefährden.

Am höchsten sei das Interesse an der Urne zu Hause und der Aschebeisetzung im eigenen Garten, so der Bestatterverband. Etwa zwei Prozent bewahren laut der Umfrage die Urne zu Hause auf. Weitere zwei Prozent verstreuen oder vergraben die Asche im Garten.

Freunde finden das Grab im Garten mittlerweile gut

Einige ältere Menschen in ihrem Umfeld seien zunächst skeptisch gewesen, dass die Asche ihrer Mutter im Garten beigesetzt wurde, erzählt Silke Taverna. Mittlerweile fänden viele die Entscheidung gut. Für sie stehe auch fest, dass sie nicht auf einem Friedhof, sondern im eigenen Garten ihre letzte Ruhe finden soll.

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Autor/in
Kathrin Freisberg
Foto von Reporterin Kathrin Freisberg unterwegs in der Region Koblenz

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