Der Teufel steckt im Detail beim neuen Bestattungsgesetz im Land. Es schreibt vor, dass nur Urnen aus "sofort wasserlöslicher Zellulose" im Rhein, in der Mosel, in der Saar und in der Lahn beigesetzt werden dürfen. Problem: Der rheinland-pfälzische Bestatterverband sagt auf SWR-Anfrage, solche Urnen gebe es von den großen deutschen Herstellern nicht auf dem Markt. Auch nicht in den Niederlanden oder Belgien, wo Flussbestattungen schon länger erlaubt sind.
Wir haben bis jetzt noch keine Urne gefunden, die sich direkt, wenn sie ins Wasser abgelassen wird, dann auch auflöst.
SGD Süd - Bestatterverband: Aussage gegen Aussage
Die Genehmigungsbehörde SGD Süd sagt dagegen, die vom Gesetz geforderten Urnen gebe es sehr wohl, etwa in den Niederlanden. Also steht Aussage gegen Aussage. Die SGD Süd hat einem Bestatter aus Mainz auch schon eine Genehmigung erteilt für Flussbestattungen - mit der Maßgabe, die vorgeschriebenen Zellulose-Urnen zu verwenden. Es ist die bislang einzige Genehmigung im Land. Der Mainzer Bestatter bietet auf seiner Internet-Seite "Papierurnen" an und hat bereits Urnen im Rhein beigesetzt.
Flussbestattungen oder die Urne zuhause Bestattung in Rheinland-Pfalz: Das gilt ab jetzt
Rheinland-Pfalz reformiert das Bestattungsgesetz. Entscheidend: Zu Lebzeiten müssen Verstorbene ihren Willen klar schriftlich festlegen. Antworten auf die wichtigsten Fragen.
Denn bei der SGD Nord - der zweiten Genehmigungsbehörde für Flussbestattungen - sieht es etwas anders aus. Hier sind bisher drei Anträge auf Flussbestattung eingegangen, die alle nicht genehmigt wurden, weil die Bestatter Urnen aus Lehm oder einen Beutel verwenden wollten. Das ist aber nicht die geforderte Asche-Urne aus sofort wasserlöslicher Zellulose. Das zeigt, wie sehr die Bestatter mit der Vorschrift kämpfen.
Test mit Zellulose-Urne missglückt
Ulrike Grandjean hat die Zellulose-Urne, die aussieht wie ein zu großer Eierkarton, schon einmal getestet. "Da sind unten Öffnungen drin, ganz einfach, damit Wasser in die Urne eindringen kann. Und es ist ganz wichtig, dass die Urne tatsächlich auch untergeht und eigentlich ja auch bis zum Grund absinken soll." Dafür muss sie beschwert werden.
Die Bestatterin hat die Urne zwei Stunden unter Wasser getaucht. Aufgelöst hat sie sich nicht - und das bringt Probleme: "Man sieht hier am Ufer Bewuchs und es kann natürlich sein, wenn sich die Urne nicht komplett auflöst oder nicht zum Boden absackt, dass die dann eventuell auch hier hängen bleibt und das wünschen wir uns natürlich nicht. Und für die Angehörigen wäre das auch eine emotionale Belastung."
Begriff Zellulose tauchte plötzlich im Gesetz auf
Doch warum muss es denn ausgerechnet Zellulose sein? Das ist die große Frage. Im allerersten Entwurf für das neue Bestattungsgesetz stand eine offenere Formulierung: wasserlöslich, schnellzersetzend, biologisch abbaubar. Im vergangenen Frühjahr tauchte dann plötzlich die Formulierung "sofort wasserlösliche Zellulose" auf, die es am Ende auch ins Gesetz geschafft hat.
Das rheinland-pfälzische Gesundheitsministerium sagt, das solle sicherstellen, dass sich die Urne schnell auflöst. Es gebe von einem niederländischen Unternehmen entsprechende Urnen für Flussbestattungen. Der Bestatterverband beruft sich dagegen auf Urnenhersteller, die Zellulose als wenig geeignet ansehen. Zellulose sei laut der Hersteller nur sehr schwer beziehungsweise langsam wasserlöslich.
Zorn und Verunsicherung bei den Hinterbliebenen
Die Leidtragenden sind am Ende die Hinterbliebenen. Sie wollen einfach nur den letzten Willen ihres Verstorbenen oder ihrer Verstorbenen umsetzen und hören dann, dass noch über die passenden Urnen diskutiert werde. Der Bestatterverband Rheinland-Pfalz berichtet von Zorn, Trauer und Verunsicherung bei den Angehörigen.
Gesundheitsminister Clemens Hoch (SPD) hatte das neue Bestattungsgesetz und die neuen Bestattungsmöglichkeiten als "modern" und "individuell" angepriesen - aber gerade bei der Flussbestattung ruckelt es noch.