Die Bundeswehr steht vor einem umfassenden Umbau ihres Beschaffungswesens. Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) will sicherstellen, dass die Rekordausgaben für die Aufrüstung in den nächsten Jahren schneller und effizienter als bislang eingesetzt werden. Etwa für dringend benötigte Rüstungsgüter wie Drohnen, Panzer und Flugzeuge. Am Mittwoch stellte Pistorius in Berlin die geplanten Reformen vor.
Besuch des Verteidigungsministers in Koblenz Pistorius fordert: Beschaffungsamt der Bundeswehr muss innovativer werden
Bundesverteidigungsminister Pistorius hat das Bundeswehr-Beschaffungsamt in Koblenz besucht. Er lobte die Arbeit der Mitarbeitenden, forderte aber auch mehr Tempo und mehr Effizienz.
Neue Standorte für mehr Expertise
Im Zentrum der Reformpläne steht das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) mit Sitz in Koblenz. Diese Zentrale mit knapp 8.000 Mitarbeitern soll erhalten bleiben. Sie soll nach den Angaben des Verteidigungsministeriums aber neue spezialisierte Außenstellen in Bremen, Dresden und Brüssel sowie ein Innovationszentrum in Kiel bekommen.
Auch die Abläufe sollen verändert werden: Statt traditioneller Abteilungen und Referate soll das BAAINBw eine flexible Struktur erhalten, die sich an den Truppenbereichen Land, Luft, See, Cyber- und Informationsraum sowie Weltraum ausrichtet.
Mehr Zusammenarbeit mit Forschung und Industrie
Die neuen Außenstellen sollen gezielt regionale Stärken nutzen: So wird in Bremen die Expertise für Weltraum- und Seetechnologien gebündelt. Der Ausbau in Dresden, einem IT-Hotspot, soll mehr Computer-Spezialisten für die Bundeswehr gewinnen. Das Innovationszentrum in Kiel wird die Zusammenarbeit mit Start-Ups im Bereich des Schiffbaus fördern.
Effizientere Prozesse und strengere Kontrollen
Pistorius plant zudem eine Art "Überholspur" für verfügbare Produkte, die ohne langwierige bürokratische Umwege beschafft werden können. Gleichzeitig wird ein neuer wissenschaftlicher Beirat für Beschaffung eingerichtet. Dieser soll gemeinsam mit internen Experten die Preisgestaltung der Industrie und die Lieferketten strenger kontrollieren. Im Haushaltsausschuss und im Bundesrechnungshof hatte es immer wieder Kritik daran gegeben, dass die Aufrüstung zwar schnell, aber auch zu teuer umgesetzt werde.
Umbau des Beschaffungswesens bei laufendem Betrieb
Die Reform des Beschaffungswesens soll bereits im Sommer schrittweise starten. Da der Umbau jedoch bei laufendem Betrieb erfolgt, um aktuelle Rüstungsprojekte nicht zu gefährden, gibt es laut Ministerium noch keinen festen Zeitplan für den Abschluss der Maßnahmen.