Die Ermittlungsgruppe Cold Case gibt es gerade mal seit etwa einem halben Jahr und schon konnte sie mit der Festnahme im Fall Amy Lopez einen ersten Erfolg verbuchen - 31 Jahre nach dem Mord an der US-Amerikanerin.
"Wir sind froh und erleichtert, dass wir die Sache noch aufklären konnten. Das ist einer der Fälle, die nie aus dem Fokus raus waren. Und wenn man dann so einen Fall aufklärt, dann ist das eine große Motivation", sagt Simone Roeder. Die Kriminalhauptkommissarin arbeitet schon seit Jahren an dem Mordfall Amy Lopez, noch bevor die Ermittlungsgruppe gegründet wurde.
Cold Cases müssen spezielle Kriterien erfüllen
Bisher wurden alte, ungelöste Fälle, sogenannte Cold Cases, neben der aktuellen Ermittlungsarbeit bearbeitet. Aber das sei schwierig, erklärt die Leiterin Friederike Manheller-Sander. Die Kollegen müssten Berge von Akten aufarbeiten. Deshalb sei die spezielle Ermittlungsgruppe mit den drei Polizeibeamtinnen Simone Roeder, Susanne Lindenbauer und Livia Schnitzler eingesetzt worden. Sie befassen sich ausschließlich mit Cold Cases.
Es gibt viele alte Fälle. Daher müssen die Koblenzer Ermittlerinnen priorisieren. Welchen Fall sie zuerst bearbeiten, das entscheiden sie anhand bestimmter Kriterien, wie der Schwere der Tat oder deren Öffentlichkeitswirksamkeit. Und die Ermittlerinnen müssen es für möglich halten, den Fall zu lösen. Kriterien, die der Mordfall Amy Lopez erfüllt. "Wir besprechen die Fälle mit der Staatsanwaltschaft, aber letztlich legen wir fest, welcher Cold Case als nächstes bearbeitet wird", erklärt Manheller-Sander.
Unmengen von Daten müssen ausgewertet werden
Welcher Cold Case als nächstes ansteht, ist noch nicht klar. Zuerst muss der Fall Amy Lopez noch zu Ende bearbeitet werden. Es gebe noch einiges auszuwerten, was bei der Festnahme des 81-jährigen Tatverdächtigen im Februar dieses Jahres sichergestellt wurde, so Roeder. "Und das ist schon ein erheblicher Aufwand." Früher, als es noch keine PCs oder Handys gab, sei das deutlich einfacher gewesen. Jetzt müssten teils riesige Datenmengen analysiert werden. "14.000 Fotos auf dem Handy sind da keine Seltenheit."
Eine langwierige Spurensuche, die einem noch durch den Kopf gehe, wenn man die Bürotür schon längst hinter sich geschlossen habe, sagt Manheller-Sander. "Natürlich sind das Dinge, die einen beschäftigen. Dann hat noch irgendjemand eine Idee und dann liest man nochmal in der einen oder anderen Akte nach." Dies sei zwar bei jeder Ermittlungsarbeit so, aber bei den Cold Cases ganz besonders.
Kollegen aus anderen Bereichen unterstützen
Die Ermittlungsgruppe wird von anderen Fachkommissariaten unterstützt. Im Fall Amy Lopez war es eine Kollegin aus dem Bereich der Wirtschaftskriminalität. "Die hat dann für mehrere Wochen nichts anderes gemacht, als jede Seite dieser Akte noch mal zu lesen und alle wichtigen Informationen zusammenzutragen", so Manheller-Sander. Dies habe den Vorteil, dass jemand mit einem frischen Blick auf den Fall schaue.
Die Ergebnisse wurden dann in der Ermittlungsgruppe vorgestellt und mit anderen Kollegen und Kolleginnen diskutiert. Dabei sei auch vorgeschlagen worden, bestimmte Personen, die damals schon auffällig waren, nochmal in den Blick zu nehmen. "Dann überlegen wir gemeinsam, was würde jetzt noch Sinn machen? Welche Ermittlungen sind erfolgsversprechend?" Und genau diese Arbeit übernimmt dann die Cold-Case-Einheit.
Landeskriminalamt führte Fallanalyse durch
Unterstützung kommt auch vom Landeskriminalamt. Hier wurde im Fall von Amy Lopez eine Fallanalyse durchgeführt. Da wird beispielsweise versucht, die Tat zu rekonstruieren. Oder es wird analysiert, was die Tat über den Täter aussagt. Ist der Täter eventuell vorher schon mal im Zusammenhang mit Sexualdelikten in Erscheinung getreten? Fragen und Ansätze, mit denen sich die Cold-Case-Einheit dann weiter beschäftigt.
Im Fall Amy Lopez neue DNA-Spur vom Tatort
Im Fall Amy Lopez gab es seit 2022 eine neue DNA-Spur vom Tatort: eine Hautschuppe, die dem Täter zugeordnet wurde. Forensiker fanden sie an der Innenseite der Hose des Opfers. Jetzt galt es "nur" noch den Richtigen zu finden. Mehr als 1.000 Einträge gab es in der Datenbank, die mit der DNA-Spur abgeglichen werden mussten.
Man merkt einfach, dass sich die viele Arbeit lohnt. Das Durchhalten und Nicht-Aufgeben - das ist, was gute Ermittlerinnen und Ermittler ausmacht.
"Dann haben wir angefangen, die Personen vorzuladen und sie um eine freiwillige Speichelprobe zu bitten", erklärt Roeder. Die DNA-Analyse der Hautschuppen übernahm das Landeskriminalamt Hessen, die Vergleichsproben wurden anschließend vom LKA Rheinland-Pfalz untersucht. So kam die Polizei auf die Spur des Tatverdächtigen und nahm den 81-Jährigen in einem Seniorenheim in der Nähe von Koblenz fest. Er war bereits in den 1990er Jahren als Sexualstraftäter auffällig und auch verurteilt worden.
Cold Cases rücken immer mehr in den Fokus
Das Bewusstsein, dass Fälle auch nach so langer Zeit noch lösbar sind, habe Cold Cases bundesweit mehr in den Fokus gerückt, meint Manheller-Sander. Die Cold-Case-Einheit in Koblenz ist zwar die Einzige in Rheinland-Pfalz, aber auch in anderen Präsidien werde verstärkt an solchen Fällen gearbeitet.
"Man merkt einfach, dass sich die viele Arbeit lohnt. Das Durchhalten und Nicht-Aufgeben - das ist, was gute Ermittlerinnen und Ermittler ausmacht", sagt Manheller-Sander. "Es freut uns, dass es sich lohnt, da auch Ressourcen reinzustecken."