Aus Sicht der Bundesregierung ist die Rückkehr des Wolfs in Deutschland und Europa ein Erfolg der Artenschutzpolitik. Aber dadurch, dass sich die Tiere zunehmend ausbreiteten, gebe es auch immer mehr Konflikte in der Bevölkerung und in der Nutztierhaltung. Deswegen hat der Bundestag beschlossen, Wölfe in das Bundesjagdgesetz aufzunehmen. Dadurch können Wölfe künftig leichter bejagt werden.
Bauern- und Winzerverband Westerwald begrüßt Gesetzesänderung
Aus Sicht des Westerwälder Bauern- und Winzerverbands (BWV) war dieser Schritt dringend erforderlich. Mit dem Gesetz werde zumindest die Möglichkeit geschaffen, Problemwölfe abzuschießen, sagt der Kreisgeschäftsführer Markus Mille. "Bisher haben wir immer die Erfahrung gemacht, dass die Hürden so hoch waren, dass es nicht zu einer tatsächlichen Entnahme gekommen ist - gerade im nördlichen Rheinland-Pfalz."
Eilantrag von Naturschützern Gericht bestätigt: Wolf darf vorerst nicht geschossen werden
Die Naturschutzinitiative aus dem Westerwald hat beim Verwaltungsgericht Koblenz den geplanten Wolfsabschuss erfolgreich gestoppt: Das Tier darf zunächst nicht getötet werden.
Neben den gezielten Abschüssen von Problemwölfen hofft der BWV aber auch auf ein Bestandsmanagement, sagt Markus Mille: "Wir brauchen dringend eine pauschale Entnahmequote des Nachwuchses." Das sei erforderlich, weil die Wölfe sich in den vergangenen Jahren so stark vermehrt hätten. Das sei "für unsere Region einfach nicht verträglich". Landwirte und Weidetierhalter fühlten sich bislang im Stich gelassen.
Bundesregierung: Wolfsangriffe verursachen hohe Kosten
Auch aus Sicht der Bundesregierung ist die starke Vermehrung des Wolfs ein Problem: Wölfe hätten im Jahr 2024 rund 4.300 Nutztiere in Deutschland getötet oder verletzt. Gleichzeitig seien rund 23,4 Millionen Euro für Herdenschutzmaßnahmen ausgegeben worden. Dazu kamen demnach weitere rund 780.000 Euro für Ausgleichzahlungen an Tierhalter, die durch Wolfsangriffe geschädigt worden sind.
Können Sie sich das vorstellen: Sie kommen morgens zu Ihrer Herde und finden dann da getötete Tiere vor, die halb zerrissen sind?
Das führt laut Bundesregierung zu "erheblichen und potenziell existenzbedrohenden Belastungen für die Weidetierhalter". Dabei gehe es aber nicht nur um wirtschaftliche Schäden. Wolfsangriffe könnten für die Tierhalter auch psychisch sehr belastend sein.
Wolfsrisse belasten Tierhalter auch psychisch
Das schildert auch Werner Neumann, der Vorsitzende des Landesverbands der Schaf- und Ziegenhalter in Rheinland-Pfalz. "Das ist für die Tierhalter enorm belastend. Können Sie sich das vorstellen: Sie kommen morgens zu Ihrer Herde und finden dann da getötete Tiere vor, die halb zerrissen sind?" Noch schlimmer sei es, wenn die Tiere noch nicht ganz tot seien. Der Anblick sei nicht leicht zu verdauen.
Weidetierhalter hoffen auf schnelle, unbürokratische Entnahmen
Im Westerwald seien zuletzt recht viele Nutztiere von Wölfen gerissen worden - auch wenn sie vorschriftsmäßig mit speziellen "wolfsabweisenden" Elektrozäunen gesichert gewesen seien, so Neumann. In solchen Fällen spricht auch er sich klar für einen schnellen, unbürokratischen Abschuss aus.
Bianca Belleflamme von der Bürgerinitiative Wolfsprävention hofft ebenfalls auf Verbesserungen für Weidetierhalter wie sie. Im Optimalfall könne der Wolf noch am gleichen Tag geschossen werden, nachdem er eine Herde attackiert habe, sagt Belleflamme: "Das wäre das Nonplusultra - dass es zeitnah geht und vor allem nicht beklagbar ist."
Naturschützer lehnen Bejagung von Wölfen ab
Die Naturschutzinitiative mit Sitz im Westerwald lehnt die Gesetzesänderung hingegen ab. Sie sagt, laut EU-Recht dürften Wölfe nur dann gejagt werden, wenn sich die Art in einem günstigen Erhaltungszustand befinde, wenn sie also in dem jeweiligen Gebiet nicht vom Aussterben bedroht sei. Das ist aus Sicht der Naturschutzinitiative aber nicht der Fall.
Die Bejagung von Wölfen sei auch kein geeignetes Mittel zum Schutz von Weidetieren. Denn es gebe keinen nachweisbaren Zusammenhang zwischen der Anzahl von Wölfen und der Häufigkeit von Übergriffen, so die stellvertretende Vorsitzende Gabriele Neumann. "Die einzige wirksame Strategie zur weitgehenden Vermeidung von Übergriffen ist wirksamer Herdenschutz. Es sei denn, man rottet den Wolf weiträumig wieder aus."