Die BASF will bis 2029 weiter sparen. Der Chemiekonzern spricht von 20 Prozent der Fixkosten im Kerngeschäft, die weltweit eingespart werden sollen. Zu den Fixkosten gehört auch das Personal. In Ludwigshafen sorgt diese Ankündigung der BASF für Unruhe.
Stammwerk Ludwigshafen wahrscheinlich auch betroffen BASF kündigt weiteren Stellenabbau an
Die BASF will ihren Sparkurs verschärfen. Wie das Unternehmen mitteilt, sollen in den kommenden drei Jahren die Fixkosten um 20 Prozent gesenkt werden. Das wird voraussichtlich auch Personal im Stammwerk betreffen.
Oberbürgermeister Blettner: "Die Stadt leidet unter dieser Entwicklung"
Der Oberbürgermeister von Ludwigshafen, Klaus Blettner (CDU), befürchtet, dass sich der verschärfte Sparkurs der BASF auch negativ auf die Stadt auswirkt. Die Steuereinnahmen sänken, immer mehr Menschen wanderten "in die sozialen Systeme", da sie in Ludwigshafen keine Arbeit mehr fänden. "Das ist keine schöne Entwicklung", so Blettner.
Er sagte im Interview mit dem SWR aber auch, wirtschaftlich sei die Entscheidung zumindest zum Teil nachvollziehbar.
Betriebsrat pocht auf Standortvereinbarung
Der Vorsitzende des Betriebsrats bei der BASF, Sinischa Horvat, geht davon aus, dass das angekündigte Struktur- und Sparprogramm "mit Sicherheit" auch den Standort Ludwigshafen betreffe. Die Gespräche mit der Unternehmensleitung dazu stünden aber noch ganz am Anfang.
Für den Betriebsrat sei in dem Zusammenhang die seit Anfang 2026 gültige Standortvereinbarung bedeutend. Diese sichere zu, dass die BASF bis zu fünf Jahre auf betriebsbedingte Kündigungen verzichte und gleichzeitig in die Weiterentwicklung des Standorts investiere. Wichtig sei aus Sicht des Betriebsrats außerdem, dass bereits alle seit 2024 getroffenen Maßnahmen auf das geplante Einsparziel von 20 Prozent bis 2029 einzahlen.
Respekt für Belegschaft gefordert
Äußerst kritisch sieht Horvat allerdings die Situation in der Belegschaft. Diese werde durch das neue Sparprogramm und den weiteren Personalabbau noch mehr verunsichert.
Der Betriebsrat hat deswegen mehrere Forderungen: Der Stellenabbau dürfe nicht zu Arbeitsverdichtung führen. Die Belegschaft müsse bei den Entwicklungen mitgenommen werden. Und vor allem müsse den Menschen, "die so viel Engagement und Herzblut in ihre BASF gesteckt haben" mit Respekt begegnet werden.
"Wie soll die Stimmung schon sein? Schlecht!" Miese Stimmung bei der BASF
Die BASF hat ihre Geschäftszahlen für*'s vergangene Jahr bekannt gegeben. Der Konzern ist im Umbau: Stellenabbau, Verlagerungen, Wohnungsverkauf. Viele Beschäftigte sind verunsichert.
CDU Ludwigshafen fordert "Solidarpakt zwischen BASF und Stadtgesellschaft"
Die Stadtratsfraktion der CDU in Ludwigshafen betrachtet die angekündigten Sparmaßnahmen und den Stellenabbau bei der BASF "mit großer Sorge".
Der Vorsitzende der Stadtratsfraktion, Peter Uebel, schrieb dem SWR, die CDU erkenne die Bemühungen der BASF, wettbewerbsfähig zu bleiben, an. Andererseits fordere die CDU "weiter den Solidarpakt zwischen BASF und Stadtgesellschaft" ein. Bereits den Verkauf der Werkswohnungen sei ein schwieriger Prozess.
Die weitere Entwicklung dürfe nicht "zu einem Ausverkauf in Ludwigshafen" führen, sondern müsse sozialverträglich gestaltet werden.
SPD Ludwigshafen: "Vertrauen in die BASF geht verloren"
Die Stadtratsfraktion der SPD äußerte sich ganz ähnlich. Julia-Caterina May, Vorsitzende der SPD Stadtratsfraktion in Ludwigshafen, schrieb dem SWR, was genau das erweiterte Sparprogramm für die Mitarbeitenden bedeute, sei noch nicht absehbar. Klar sei, dass es Einschnitte geben werde. Das bereite auch der SPD in Ludwigshafen "große Sorge".
Historisch sei das große Vertrauen in die BASF immer "das Pfund für die Belegschaft" gewesen. Aber dieses Vertrauen gehe nun verloren. Das sei nicht gut für die Stimmung am Standort Ludwigshafen.
Die SPD appelliert daher an den Vorstand, bei allem Verständnis für die wirtschaftliche Bewertung auch die gesellschaftlichen Auswirkungen in seinen Entscheidungen zu berücksichtigen.