Am stärksten versiegelte Stadt

Betonwüste Ludwigshafen: Stadt will öffentliche Plätze entsiegeln

Ludwigshafen ist laut der Deutschen Umwelthilfe die am stärksten versiegelte Stadt in Deutschland. Doch besonders wegen der zahlreichen Industrieanlagen ist es nicht einfach, wieder Flächen frei zu bekommen. Tut die Stadt genug?

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Von Autor/in Pascal Lasserre

In Ludwigshafen ist besonders viel Fläche versiegelt - also bebaut, betoniert, asphaltiert oder anderweitig befestigt. Das hat Folgen: Die Stadt erhitzt sich im Sommer stärker und Regenwasser kann weniger gut versickern.

Ein Problem bei Starkregen. Laut der Deutschen Umwelthilfe gelten knapp 58 Prozent der Siedlungs- und Verkehrsfläche in Ludwigshafen als versiegelt. Zum Vergleich: In ganz Deutschland sind es laut dem Umweltbundesamt rund 45 Prozent.

Versiegelung in Ludwigshafen wegen Industrie

Da, wo Wohnhäuser sind, ist Ludwigshafen eine eher durchschnittliche Stadt, betont die Verwaltung. Die Versiegelung sei in Wohngebieten ähnlich wie in anderen deutschen Städten. Das Problem für Ludwigshafen liege im großen Anteil an Industrie und verarbeitendem Gewerbe. Dort ist viel Fläche versiegelt - und muss das teils auch bleiben.

Schadstoffe aus Produktion, Lagerung und Transport dürfen nicht versickern, damit Boden und Grundwasser sauber bleiben. Regen muss über Kanäle abfließen und dann vorgereinigt werden.

Das Werksgelände der BASF von oben. Maßnahmen gegen die Versiegelung sind hier wegen Boden- und Wasserschutz besonders kompliziert.
Das Werksgelände der BASF von oben. Maßnahmen gegen die Versiegelung sind hier wegen Boden- und Wasserschutz besonders kompliziert.

Doch die Industrie ist nicht der einzige Grund, fügt Jenni Follmann vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hinzu. Denn Ludwigshafen habe in der Vergangenheit auch den Ausbau zu einer autogerechten Stadt sehr scharf umgesetzt. Die Folge, so Follmann: Eine besonders starke Versiegelung durch Straßen. Es sei nun sehr teuer und aufwendig die Stadt wieder zu entsiegeln.

Verschiedene Projekte gegen Versiegelung

Um nun Gebiet frei zu bekommen, setzt die Stadtverwaltung vor allem auf nicht industriell genutzte Flächen. Etwa im dicht bebauten Viertel Hemshof, wo viele alte Wohnhäuser aus der Vorkriegszeit stehen.

Dort konnten laut der Stadt bereits in großem Umfang Hinterhöfe entkernt und begrünt werden. Im Schulzentrum Mundenheim laufen seit Ende Juni Bauarbeiten, um den Schulhof zu entsiegeln. Dort sollen bis Ende Oktober Bäume und andere Pflanzen gepflanzt werden.

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Die Stadt will auch mehrere öffentliche Plätze entsiegeln, darunter den zentralen Theaterplatz vor dem Pfalzbau. Dafür bewirbt sich die Stadt um Fördergelder des Landes Rheinland-Pfalz. Außerdem arbeitet die Stadt an einem Förderprogramm für Bürgerinnen und Bürger. Damit sollen sie eigene Maßnahmen gegen die Versiegelung auf Privatgrundstücken umsetzen.

Der Theaterplatz vor dem Pfalzbau in Ludwigshafen. Hier will die Stadt in Zukunft gegen Versiegelung vorgehen.
Der Theaterplatz vor dem Pfalzbau in Ludwigshafen. Hier will die Stadt in Zukunft gegen Versiegelung vorgehen.

Kampf gegen Versiegelung: Ludwigshafen will Bäume pflanzen

Wenn Industrie abwandert, können Flächen mitunter auch entsiegelt werden. Das sei bereits am Rheinufer Süd geschehen, so ein Stadtsprecher. Dort wurde eine ehemalige Gießerei und der Hafenbereich zur Wohnsiedlung entwickelt. Die Versiegelung konnte dort um die Hälfte reduziert werden, insgesamt eine Fläche so groß wie 15 Fußballfelder.

Gerade laufen die Vorbereitungen für den Abriss der maroden Hochstraße Nord. An ihre Stelle soll eine ebenerdige Straße kommen, gesäumt von insgesamt 944 neu gepflanzten Bäumen. Auch das ein Beitrag zur Entsiegelung.

BASF und Stadt Ludwigshafen im Austausch zu Versiegelung

Der Chemieriese BASF ist mit der Stadt im Austausch: Das Werksgelände erstreckt sich entlang des Rheins im Ludwigshafener Norden über eine Fläche von rund zehn Quadratkilometern. Die Fläche erhitzt sich im Sommer besonders, hat eine Analyse von Stadt und BASF ergeben. Doch die Entsiegelung bleibt schwer, heißt es vom Unternehmen. Allerdings wolle BASF, wo es möglich sei, entsiegeln.

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BUND: Ludwigshafen muss mehr gegen neue Versiegelung tun

Doch die Stadt könnte mehr tun, damit nicht neue Flächen versiegelt werden, so Jenni Follmann vom BUND. Für den Regionalplan seien über 100 Hektar neue Gewerbe- und Wohnfläche angemeldet worden.

Statt neues Gelände zu versiegeln, könne die Stadt auch viel mehr bereits genutzte Flächen ausbauen. Im Gewerbebereich gebe es Konzepte, um bestehende Flächen zu verbinden oder höhere Gebäude zu bauen. Dadurch müsse man nicht neues Gebiet versiegeln.

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Pascal Lasserre
SWR-Autor Pascal Lasserre

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