Ein fester Handruck, ein freundliches Lächeln und viel Tatendrang - das ist der erste Eindruck von Kerttu Taidre, der neuen Integrationsbeauftragten der Stadt Ludwigshafen.
Sie ist erst seit zwei Monaten im Amt und würde ihre Stelle am liebsten abschaffen, sagt sie und lacht: "Mein Wunsch ist, dass meine Stelle irgendwann nicht mehr gebraucht wird". Und dafür packt sie jetzt an: Als Integrationsbeauftragte ist die 47-Jährige Ansprechpartnerin für alle Menschen mit Migrationshintergrund in der Stadt.
Ihre Vorgängerin, Hannele Jalonen, hatte sich nach einer Dienstzeit von 20 Jahren in den Ruhestand verabschiedet. Taidre sei deshalb noch mitten in der Eingewöhnungsphase, sagt sie: "Ich lerne die Stadtverwaltung und ihre Konstellationen noch kennen".
Das macht die Integrationsbeauftragte in Ludwigshafen
Als Integrationsbeauftragte leitet die 47-Jährige die Abteilung Integration der Stadt Ludwigshafen. Zu dieser Abteilung gehören unter anderem die Geschäftsstelle des Beirats für Migration und Integration, der Internationale Frauentreff (Beratung- und Begegnungszentrum für Frauen) und die Beratung von Migrantenvereinen.
Taidre hat schon viele Ideen im Kopf, "aber keine ist schon spruchreif", erklärt die 47-Jährige. Die Integrationsbeauftragte will sich vernetzen - auch mit den Städten Heidelberg und Mannheim sowie anderen Kommunen in Rheinland-Pfalz. Geplant sei zum Beispiel eine gemeinsame Konferenz zum Thema Integration im Herbst.
Das hat Taidre vorher gemacht
Kerttu Taidre ist in Estland geboren und dort aufgewachsen. Nach dem Abitur kam sie nach Deutschland, um ein Jahr lang als Au-pair zu arbeiten.
Danach studierte sie Pädagogik an der Freien Universität Berlin und schloss ihr Studium mit Diplom ab. Nach ihrem Abschluss kehrte sie vorübergehend in ihre Heimat zurück und kam danach wieder nach Deutschland.
Taidre ist nicht nur selbst Migrantin, sie hat auch fünf Jahre lang Erfahrung in der Integrationsarbeit beim Malteser Hilfsdienst in Ludwigshafen gesammelt und unter anderem beim Integrationsprojekt "LU can help" mitgewirkt.
Auch privat hatte sich Taidre in der Vergangenheit für die Integration von Zugezogenen eingesetzt und diese zum Beispiel beim Deutschlernen und Ausfüllen von Unterlagen unterstützt, deshalb kenne sie sich mit dem Thema Integration gut aus.
Ihre Integrationsarbeit in Ludwigshafen sei der Grund dafür gewesen, warum sie sich für den Job als Integrationsbeauftragte beworben hatte: "Ich habe immer sehr gerne in Ludwigshafen gearbeitet. Ich kenne hier die Strukturen, die Netzwerke und die Leute. Das ist meine Kompetenz", erklärt die Diplompädagogin begeistert.
Dadurch, dass sie auch selbst ursprünglich aus einem anderen Land kommt, könne sie sich auch gut in die Sorgen und Bedürfnisse von Zugezogenen hineinversetzen.
Das ist der neuen Integrationsbeauftragten wichtig
Ein wesentlicher Bestandteil ihrer Arbeit seien Netzwerktreffen, was Taidre eine Menge Freude bereitet: "Manche Netzwerktreffen habe ich auch schon vorher gekannt. Jetzt habe ich ein bisschen die Rolle gewechselt und manche Netzwerktreffen sind neu. Man sieht immer wieder bekannte Gesichter - das freut mich!".
In diesen Netzwerktreffen und dem gegenseitigen Austausch dort sieht die 47-Jährige auch eine große Chance. Man könnte eine Brücke zu manchen Menschen bauen, die sich nicht integriert fühlen und einen Kontakt zu ihnen aufnehmen: "Ich glaube man kann viele Begegnungspunkte finden und auch Leute zusammenbringen. Ich habe aus meinen ehrenamtlichen Tätigkeiten aber gelernt, dass das nicht immer einfach ist", erklärt Taidre.
Einige Menschen kommen aus Ländern, in denen eigenes Denken und selbstständiges Handeln nicht selbstverständlich ist.
Es gebe zwar viele Initiativen und Angebote, aber viele würden diese nicht in Anspruch nehmen, weil sie sich nicht angesprochen fühlen.
Die Diplompädagogin erklärt: "Einige Menschen kommen aus Ländern, in denen eigenes Denken und selbstständiges Handeln nicht selbstverständlich ist. Und das ist glaube ich auch für die deutsche Kultur manchmal nicht ganz nachvollziehbar." Denn hier in Deutschland sei es oft so: "Ich kann das machen, was ich möchte und werde sogar dabei unterstützt! Aber dann kommt jemand hierher, der noch nie gefragt wurde: Was möchtest du?".
Hier sei es essentiell, ein Vertrauen aufzubauen, besonders bei manchen politischen Flüchtlingen. "Die haben sehr negative Erfahrungen im Heimatland gemacht und da dauert es, Vertrauen aufzubauen."