Kurz vor Prozessbeginn stehen etwa 25 Demonstranten vor dem Bahnhof in Frankenthal, ganz in der Nähe des Landgerichts. Mit Bildern von Dilan A. und Plakaten. Auf einem Schild steht: "Trauer. Wut. Widerstand."
Demonstrierende fordern: Dilan A. soll Gerechtigkeit bekommen
Die Demonstranten - Verwandte und Freunde von der Getöteten sowie Frauenrechtsaktivisten - sind sichtlich bewegt, einige weinen vor Prozessbeginn. Eine Verwandte von Dilan A. sagt, dass nun alles wieder hochkomme und der Tag für die Familie sehr schwer sei.
Unter den Demonstranten ist auch Diana König, die eine Selbsthilfegruppe für psychische Gewalt in Ludwigshafen gegründet hat. Sie sagt: "Ich hoffe, dass Dilan Gerechtigkeit widerfährt, wenn man überhaupt von Gerechtigkeit sprechen kann. Es war eine junge Frau. Zwei kleine Kinder werden ohne Mutter aufwachsen."
Prozess um den Tod von Dilan A. hat begonnen Frau mit 43 Messerstichen getötet: Ehemann in Frankenthal vor Gericht
Dilan A. wurde im November 2025 mit 43 Messerstichen getötet, während nebenan die Kinder schliefen. Nun hat am Landgericht Frankenthal der Prozess gegen ihren Ehemann begonnen.
Angeklagter setzt Notruf in Tatnacht ab: "Ich habe meine Frau tot gemacht"
Der erste Verhandlungstag startet am Landgericht Frankenthal mit der Rekonstruktion der Tat: Auf der Anklagebank sitzt der 40-jährige Ehemann von Dilan A. Er soll seine 37-jährige Ehefrau aus Eifersucht und Wut in der Nacht vom 02. November 2025 getötet haben. Dazu soll er ein 10-cm-langes Bowie-Messer genutzt haben. So steht es in der Anklage der Staatsanwaltschaft. 43 Mal soll der 40-Jährige zugestochen haben, in den Oberkörper und in den Hals.
Nach der Tat soll der Angeklagte die gemeinsame Wohnung in Ludwigshafen Gartenstadt verlassen und den Notruf gewählt haben. Die Vorsitzende Richterin spielt das aufgenommene Gespräch aus der Nacht ab: 5 Minuten und 27 Sekunden lang hört man den mutmaßlichen Täter außer Atem und in schlechtem Deutsch sagen: "Ich habe meine Frau tot gemacht."
Vorwürfe von Affären aus beiden Richtungen
Während des Telefonats soll er auch gesagt haben, dass er Dilan A. geschlagen habe. Er erzählt, dass die Kinder noch schlafend in der Wohnung liegen. Der Angeklagte hat die türkische Staatsangehörigkeit und ist während der Verhandlungen auf eine Dolmetscherin angewiesen.
Der mutmaßliche Täter soll in dem Gespräch mit dem Notruf auch gesagt haben, dass seine Frau ihm fremdgegangen sei und einem anderen Mann viel Geld geschickt habe. Das habe er in der Tatnacht erfahren. Die Nebenklage, die die Eltern und den Bruder der getöteten Frau vertritt, hält diese Vorwürfe für unwahr und sagt ihrerseits, dass der 40-Jährige selbst eine Affäre mit einer anderen Frau gehabt haben soll.
Zwei Polizeibeamte sagen am ersten Prozesstag als Zeugen aus
Er ist irgendwann eingeschlafen. Ich fand das merkwürdig für die Situation.
Dann folgt die Vernehmung des ersten Zeugen: Der Polizeibeamte, der in der Nacht den mutmaßlichen Täter festgenommen hatte. Der Polizist erzählt, dass der Angeklagte sich wortlos habe festnehmen lassen. Im Gerichtssaal zeigt die Richterin Bilder des Angeklagten aus der Novembernacht: Dort ist der 40-jährige Täter mit einem weißem, blutverschmierten T-Shirt vor der Wohnung im Freien zu sehen. Er hat Blutspuren im Gesicht und an den Händen. Eigene Verletzungen soll er nicht gehabt haben.
Nach der Festnahme soll sich der Angeklagte in den Gefangenentransport gesetzt haben. Bis die Kriminalpolizei eingetroffen sei, sei er eingeschlafen, erzählt der Polizist weiter. "Ich fand das merkwürdig für die Situation", sagt der Beamte weiter. Der mutmaßliche Täter soll keine Emotionen gezeigt haben.
Cousine von getöteter Dilan: "Es war ein Femizid" 37-Jährige von Ehemann in Ludwigshafen getötet: Wer war Dilan?
Bundesweit hat die Gewalt gegen Frauen 2025 zugenommen, meldet das Bundeskriminalamt. Anfang des Monats wurde eine 37-jährige Frau in Ludwigshafen von ihrem Mann getötet. Wer war Dilan?
Getötete Dilan A. lag in ihrer Blutlache, nebenan schliefen die Kinder
Auch der zweite Zeuge ist ein Polizist: Er schildert, wie er die getötete Dilan A. in der Wohnung vorgefunden hatte. Alle Reanimierungsversuche kamen zu spät.
Mit einer Triggerwarnung zeigt die Vorsitzende Richterin daraufhin Bilder der Leiche. Die Zuschauer sind sichtlich bewegt, einige weinen laut, eine Frau muss den Raum verlassen, weil sie den Anblick der getöteten Dilan A. nicht ertragen kann. Der Angeklagte guckt dabei die meiste Zeit in seinen Schoß, zeigt wenig Regung.
Angeklagter soll Angst haben, in der JVA vergiftet zu werden
Die Vergiftungsideen sind erst gekommen, nachdem die Mordanklage erhoben war.
Der Angeklagte selbst hat heute nicht ausgesagt. Zu Beginn des Prozesses sagt er nur, dass er sich in der JVA Frankenthal verfolgt fühle und vermute, man wolle ihn dort vergiften. Deshalb lehne er medizinische Hilfe aus der JVA ab und esse kaum noch. Der 40-Jährige sagt zudem: "Und ich bereue es." Daraufhin gibt es empörte Rufe von der Zuschauerbank auf Türkisch.
Die Anwältin der Nebenklage, Katja Kosian, sagt dazu: "Für mich ist auffällig, dass die Vergiftungsideen und die paranoiden Wahnideen erst gekommen sind, nachdem die Mordanklage erhoben war. Und nachdem das psychiatrische Sachverständigengutachten von voller Schuldfähigkeit derzeit ausgeht."
Neun Verhandlungstage angesetzt
Die Vorsitzende Richterin hat acht weitere Verhandlungstage in den kommenden Wochen angesetzt. Darin sollen weiter Zeugen angehört werden und 15.000 Seiten an Chatnachrichten ausgewertet werden. Bei dem nächsten Verhandlungstermin im Juni soll die Familie des Opfers aussagen.