An Kohls letzter Ruhestätte im Adenauerpark steht nun ein etwa zweieinhalb Meter hoher Gedenkstein aus hellgelbem Sandstein. Unter dem Geburts- und Sterbedatum von Kohl - 3.4.1930-16.6.2017 - ist zu lesen: "Kanzler der Einheit" und "Ehrenbürger Europas". Die Pflanzen auf dem Grab sind nun grauen Schottersteinen gewichen.
Maike Kohl-Richter: Grab mit Denkmalcharakter
Kohls Witwe Maike Kohl-Richter sagte der Deutschen Presse-Agentur (DPA): "Für mich war immer klar, dass das Grab letztlich Denkmalcharakter haben muss. Mit dem öffentlichen Interesse an meinem Mann ist ein bepflanzbares, insoweit offenes Grab nicht gut vereinbar. Wir sind hier außerdem in einem Park, mitten im Leben, nicht auf einem Friedhof." Dabei verwies sie auch auf einen benachbarten Spielplatz mit spielenden Kindern.
Letzte Ruhestätte bald fertig? Kohl-Grab in Speyer wird neu gestaltet: Witwe Maike Kohl-Richter packt mit an
In Speyer laufen Bauarbeiten am Grab des berühmten "Kanzlers der Einheit" Helmut Kohl. Hinter einem hohen Bauzaun im Adenauerpark hilft die Kanzler-Witwe bei der Neugestaltung.
Hat Diskussion um Grab von Helmut Kohl jetzt ein Ende?
Wieviel die Gestaltung des Grabs gekostet hat, ist unbekannt. Nach DPA-Informationen handelt es sich um einen hohen fünfstelligen Betrag. Die Kosten für den Gedenkstein und die Pflege trägt die Kohl-Witwe nach eigener Aussage selbst. Ex-Kanzler Helmut Kohl stammt aus Ludwigshafen-Oggersheim. Dort war er 2017 gestorben und am 1. Juli 2017 im Speyerer Adenauerpark beigesetzt worden.
Seit der Beisetzung war Kohls letzte Ruhestätte unverändert geblieben: mit einem einfachen Holzkreuz, einer Einfassung aus Pfälzer Buntsandstein und einigen Grabpflanzen. Dass jahrelang nichts mehr am Grab geschah, hatte der Kanzler-Witwe in der Pfalz Kritik eingebracht. Nun nach rund acht Jahren hat Maike Kohl-Richter das Grab also umgestalten lassen. Die Witwe begründete das laut Agentur mit den Worten: "So war es mir wichtig, für mich noch eine Weile ein bepflanzbares Grab zu haben."
Speyer: Bistum und Stadt schweigen zum umgestalteten Grab
Die Stadtverwaltung Speyer will das neu gestaltete Grab nicht bewerten. Die Stadtverwaltung schreibt dazu auf SWR-Abfrage: "Da es sich bei der Grabgestaltung um eine private Angelegenheit von der Familie handelt, maßt sich die Stadt Speyer nicht an, über die fertiggestellte Grabanlage zu urteilen."
Die Antwort von Bistum Speyer und Domkapitel fällt noch knapper aus: Man gebe zur Gestaltung des Grabes keine Bewertung ab.
Die CDU Rheinland-Pfalz hat sich am Dienstag zum neuen Gedenkstein gemeldet: "Als CDU Rheinland-Pfalz begrüßen wir, dass Helmut Kohl als großer Staatsmann und Kanzler der Einheit ein würdevolles Grabmal bekommen hat", heißt es in einer Mitteilung an den SWR. "Auch freuen wir uns, dass es für die Bürgerinnen und Bürger nun einen angemessenen Gedenkort gibt."
Kunsthistoriker: Mehr Denkmal als Grabstein
Für den Kunsthistoriker Dirk Pörschmann ist es weniger ein Grabstein als ein Denkmal. "Diese Assoziation kommt bei mir auf, weil es einen riesigen Sockel hat, der aber nichts trägt." Ein Sockel dient dazu, etwas in die Höhe zu bringen - aber obendrauf befindet sich nichts. Möglicherweise auch bewusst, um eigene Erinnerungen an Kohl wach werden zu lassen, so Pörschmann.