Ehrungen, Trauer und Verletztheiten

Helmut Kohl und Ludwigshafen: Das schwierige Verhältnis zwischen Staatsmann und Stadt

Helmut Kohl ist der weltberühmte Kanzler der Einheit. Doch zugleich ist er Ludwigshafener. 35 Jahre lang hat er großenteils in seiner Heimatstadt gelebt, ehe er bundesweit bekannt wurde. Lange haben sich Stadt und Staatsmann aneinander gerieben. Eine schwierige Geschichte.

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Von Autor/in Wilm Hüffer

Das Verhältnis zwischen Helmut Kohl und seiner Heimatstadt Ludwigshafen sei immer ambivalent gewesen, sagt Stadtführer Helmut van der Buchholz in SWR Kultur. In Ludwigshafen wisse man um Kohls Bedeutung.

Doch der Kanzler der Einheit sei als „Oggersheimer“ auf Distanz geblieben. Zum Essen sei er mit Staatsgästen nach Deidesheim gefahren. „Und letztlich hat er sich in Speyer begraben lassen.“

Helmut Kohl als Kind in Ludwigshafen, 1936, etwa sechs Jahre alt.
Helmut Kohl als Schulkind in Ludwigshafen, 1936, etwa sechs Jahre alt. Sven Simon

Helmut Kohl: Eine Ludwigshafener Kindheit im Krieg

Mehr Ludwigshafen geht eigentlich nicht: Helmut Kohl wird am 3. April 1930 im Stadtteil Friesenheim geboren und später auch dort eingeschult. Während der Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg muss er als Schüler brennende Häuser löschen.

Nach Kinderlandverschickung und landwirtschaftlicher Lehre in Franken macht er 1950 in Ludwigshafen sein Abitur. Niemand ahnt da, wie sehr Kohl auch seine Heimatstadt prägen wird.

Hochstraße Nord in Ludwigshafen, von unten fotografiert. Aur der Trasse soll die künftige Helmut-Kohl-Allee entstehen.
Kohls Vermächtnis bleibt in Ludwigshafen umstritten. Nach dem Abriss der Hochstraße Nord soll hier die künftige Helmut-Kohl-Allee entstehen. Doch gegen das Projekt der teilweise achtspurigen Magistrale regt sich Widerstand. picture-alliance/dpa | Uwe Anspach

Pläne zur posthumen Ehrung: Die Helmut-Kohl-Allee

Seit Jahren ringt Ludwigshafen darum, seinem bedeutendsten Bürger ein ehrendes Andenken zu bewahren. Der ehrgeizige Plan: die berühmte Hochstraße Nord soll einer Helmut-Kohl-Allee weichen.

Doch die künftige Prachtstraße ist nahezu ebenso umstritten wie der 2017 verstorbene Kanzler der Einheit selbst. Eine Bürgerinitiative wehrt sich gegen die Trasse, die teilweise bis zu acht Spuren breit werden soll.

Helmut Kohl als junger Mann, etwa um 1950.
Helmut Kohl als junger Mann, um 1950. Sven Simon

In Ludwigshafen entwickelt Helmut Kohl sein politisches Talent

Als junger Mann bleibt Helmut Kohl in Ludwigshafen verwurzelt – obschon er in Mainz und Heidelberg studiert. Das Geld verdient er sich in der Heimat, fährt für eine Mannheimer Firma Apfelwein und Wasser aus. Bei der BASF ist er Werkstudent.

Vom Lohn kauft er sich eine Lambretta. Längst ist er da in der CDU, düst auf dem Roller zu den Parteisitzungen und Wahlversammlungen. Ludwigshafen ist auch Schauplatz seiner ersten politischen Kampagnen, hier entwickelt er sein Organisationstalent. 1957 leitet er den Bundestagswahlkampf der Ludwigshafener CDU.

Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl weiht am 14. Mai 2004 die "Hannelore-Kohl-Promenade" im Stadtpark von Ludwigshafen ein.
Ein Fußweg auf der Ludwigshafener Parkinsel erinnert an Hannelore Kohl. 2004 weihte Helmut Kohl den Weg ein. Seine Frau hatte sich 2001 das Leben genommen. picture-alliance | dpa/dpaweb | Ronald Wittek

Dunkler Schatten: Der Selbstmord von Hannelore Kohl

Zwischen Ludwigshafen und dem Kanzler steht wohl auch Helmut Kohl, der Machtmensch. Als seine in der Stadt beliebte Frau Hannelore 2001 Selbstmord begeht, ist der Schock groß. Schon 2004 wird nach ihr auf der Ludwigshafener Parkinsel ein Weg benannt, den Helmut Kohl einweiht. Ihm selbst ist eine solche Ehrung bislang versagt geblieben.

Helmut Kohl bleibt dabei bis Mitte der 1960er-Jahre in Ludwigshafen beruflich aktiv. Noch als Mainzer Landtagsabgeordneter ist er nebenher Direktionsassistent einer Ludwigshafener Eisengießerei, später Referent beim Verband der Chemischen Industrie.

Helmut Kohl mit seiner Ehefrau Hannelore und den Söhnen Peter (links) und Walter auf dem Rasen im Garten seines Hauses, am 24. Juni 1973.
Als rheinland-pfälzischer Ministerpräsident begann Helmut Kohl, Einblicke in sein spärliches Ludwigshafener Privatleben zu zeigen. Mit seiner Ehefrau Hannelore und den Söhnen Peter (links) und Walter 1973 im Garten des neuen Hauses. Sven Simon

Trügerisches Idyll von Oggersheim: Helmut Kohl als Familienmensch

Als Ministerpräsident und Bundeskanzler ist Helmut Kohl zunächst fast nur noch als Familienvater in Ludwigshafen. Anfang der 1970er-Jahre ziehen die Kohls in das berühmte Haus auf der Marbacher Straße in Oggersheim.

Kohl posiert dort mit Hannelore und den Söhnen Walter und Peter für die Presse, inszeniert ein heiles Familienleben, das so heil nicht ist. Tragisch wirkt das spätere Zerwürfnis mit seinen Söhnen. Auch das sorgt in Ludwigshafen für Befremden.

Michail und Raissa Gorbatschow, Helmut und Hannelore Kohl, am 10. November 1990, vor dem Haus der Kohls in Oggersheim
Zu den wichtigsten Gästen von Helmut Kohl in Oggersheim gehörte der letzte Präsident der Sowjetunion, Michail Gorbatschow. Am 10. November 1990 besuchten Gorbatschow und seine Frau Raissa die Kohls, wenige Wochen nach der Wiedervereinigung. KUNZ / Augenklick

Oggersheim im Mittelpunkt der Weltgeschichte

Später ist Kohl in seiner Heimatstadt vor allem Gastgeber. Bei Staatsbesuchen wie dem von Michail Gorbatschow und seiner Frau Raissa im November 1990 drängen sich bis zu 5.000 Menschen vor dem Haus in Oggersheim.

Schon zuvor gilt Kohls Adresse als eines der Hauptziele der RAF. 1984 wird auf dem Nachbargelände deshalb eine kontinuierliche Polizeiwache errichtet. Kohls Witwe Maike Kohl-Richter kämpft später vergeblich darum, das Ensemble unter Denkmalschutz stellen zu lassen.

01.07.2017. Der Sarg mit den sterblichen Überresten von Helmut Kohl auf dem letzten Weg durch Ludwigshafen
Der Sarg mit den sterblichen Überresten von Helmut Kohl auf dem letzten Weg durch Ludwigshafen, am 1. Juli 2017. Kohl war am 16. Juni im Alter von 87 Jahren gestorben. Frank Rumpenhorst/dpa

Ludwigshafen nimmt Abschied von Helmut Kohl

Helmut Kohl stirbt am 16. Juni 2017. Die letzten zehn Lebensjahre hat er nach einem schweren Sturz im Rollstuhl verbracht, gepflegt von seiner zweiten Ehefrau Maike Kohl-Richter.

Auch das gehört zum schwierigen Verhältnis des Kanzlers zu seiner Heimatstadt: Bestattet wird Helmut Kohl im nahegelegenen Speyer. Am 1. Juli 2017 begleitet eine Polizei-Eskorte die sterblichen Überreste des Kanzlers zur letzten Ruhe. Es ist der Tag, an dem Ludwigshafen von Helmut Kohl endgültig Abschied nimmt.

23.9.1984 / 1987 Helmut Kohl und sein Treffen mit Mitterand in Verdun

23.9.1984 / 1987 | François Mitterrand und Helmut Kohl reichen sich auf dem Gräberfeld von Verdun die Hände. Spontane Geste oder große Inszenierung? Im Dezember 1987 erzählt Kohl, welche Bedeutung das Treffen für ihn hatte.

Kulinarische Diplomatie Staatsbankett und Streetfood – Wie mit Essen Politik gemacht wird

Kann ein gutes Essen Spannungen in der Politik abbauen? Wenn es allen schmeckt, ja! Davon ist zumindest der Koch des deutschen Bundespräsidenten überzeugt. "Gastrodiplomatie" nennt das die Wissenschaft.

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