Jedes halbe Jahr treffen sich die Vertreter der Evangelischen Kirche der Pfalz bei der Frühjahrs- und Herbstsynode für den geplanten Transformationsprozess bis 2035. Denn ab da muss die Pfälzische Landeskirche ein ambitioniertes Sparziel erreichen:
60 Millionen Euro, das ist die Hälfte des aktuellen jährlichen Budgets, muss die Kirche dann einsparen. Deswegen tagt die Herbstsynode, das Parlament der Kirche, bis zum Samstag, 22. November in Speyer.
Kirchengemeinden in der Pfalz sollen Rechte verlieren
Einer der Reformvorschläge stößt dabei auf besonders viel Widerstand: Den Kirchengemeinden soll ihr Status als Körperschaft des öffentlichen Rechts entzogen werden. Heißt konkret: Sie verlieren dadurch Rechte und verwalten ihre Finanzen und Gebäude nicht mehr selbst.
"Pro Presbyterium": Protest gegen Sparpläne der Kirche
Dagegen protestieren einige Kirchengemeinden aus der Pfalz. Die Initiative "Pro Presbyterium" hat sich im August geformt. Mittlerweile hätten sich rund 70 Mitglieder aus den Kirchengemeinden angeschlossen, sagt Pfarrer Andreas Funke aus Grünstadt im SWR-Interview.
"Pro Presbyterium" kritisiert, dass dieser Reformschritt nur 900.000 Euro des geplanten Volumens einsparen würde: das sind 1,5 Prozent.
Wenig Vertrauen zwischen Landeskirchenleitung und Kirchengemeinden
Bei dieser Herbstsynode geht es um ein Stellungnahme-Verfahren. Die Reformvorschläge werden also erstmal diskutiert.
Doch Pfarrer Andreas Funke ist "eher skeptisch", dass der Reformvorschlag noch abgewendet werden kann. Die Landeskirche habe nicht von Beginn an mit der Basis, also den Kirchengemeinden, diskutiert.
Ob nun das Vertrauen fehle? Funke will es vorsichtig so ausdrücken: "Das Vertrauen zwischen der Landeskirchenleitung und den Gemeinden, die dagegen aufbegehren, ist nicht gerade gestärkt."
Podiumsdiskussion in Wachenheim Mitglieder kritisieren Sparkurs der Evangelischen Kirche Pfalz
Die Evangelische Kirche der Pfalz muss dringend sparen. Mitglieder machten jetzt bei einer Diskussion in Wachenheim ihrem Ärger Luft.
Kirchenpräsidentin Wüst: Veränderung bringt selten Applaus
Die Kirchenpräsidentin der Evangelischen Kirche der Pfalz, Dorothee Wüst, kann die Skepsis der Kirchengemeinden nachvollziehen. In einem SWR-Gespräch sagt sie: "Veränderung ist nichts, wo Menschen jetzt spontan applaudieren."
Mitgliederschwund in der Evangelischen Kirche
Und sie glaubt auch: Kleinere Kirchengemeinden seien eher erleichtert, wenn sie sich nicht mehr selbst verwalten müssten. Denn nicht alle Kirchengemeinden seien noch in der Lage, sich selbst zu finanzieren.
Denn seit Jahren schwinden die Mitglieder: So verzeichnete die Evangelische Kirche der Pfalz Ende 2024 einen Rückgang von drei Prozent. Aber auch die Pfarrstellen werden weniger. Aktuell gibt es etwa 260 Pfarrstellen, in zehn Jahren rechnet die Kirche nur noch mit etwa 120 Pfarrerinnen und Pfarrern - wegen des demografischen Wandels.
Endgültiger Beschluss im Frühjahr 2027
Wird der Entwurf zu der Strukturreform in dieser Synode angenommen, gibt es zunächst einen Verfassungsentwurf. Und dann haben alle Kirchengemeinden bis Ende 2026 noch einmal Zeit, sich zu den Verfassungsentwürfen zu äußern.