Das Ergebnis auf dem SPD-Parteitag in Ludwigshafen-Ruchheim war deutlich: 116 der 124 anwesenden Parteimitglieder stimmten für Jens Peter Gotter - eine Zustimmung von 93,5 Prozent. Der IT-Unternehmer aus Speyer hatte zuvor mit einer emotionalen Rede im vollbesetzten Saal für Begeisterung gesorgt.
"Wir haben Bock auf Innovation"
SPD-Stadtverbandschef David Guthier räumte in seiner Begrüßung ein, dass Gotter ein ungewöhnlicher Kandidat für eine OB-Wahl ist. Der Landtagsabgeordnete Gregory Scholz brachte es auf den Punkt: "Wir wollen mal neue Wege gehen. Wir haben Bock auf Innovation."
Die SPD-Ortsvorsteherin Sylvia Weiler aus Oggersheim berichtete vom ersten Besuch des Unternehmers in ihrem Ortsverband. "Viele Mitglieder haben gefragt: Was will ´enn der doo? Der kommt nicht von hier. Der kennt sich nicht aus. Und wenig später waren alle total begeistert von ihm".
Gotter arbeitete als Student in der BASF
Jens Peter Gotter berichtete in seiner Bewerbungsrede von seiner Geburt, Kindheit und Jugend in Ludwigshafen. Sein Vater habe in der BASF gearbeitet. Er selbst war dort Werkstudent und hat 26 Wochen lang Chemikalien in Säcke abgefüllt. "Ludwigshafen ist eckig und kantig. Hier wird geschafft und nicht Cappuccino getrunken", sagte Gotter.
Ludwigshafen ist eckig und kantig. Hier wird geschafft und nicht Cappuccino getrunken.
Der 53-jährige IT-Unternehmer betonte seine Fachkompetenz in Finanzfragen. "Ich bin Volkswirt von Haus aus." Gute Voraussetzungen in einer Stadt, die Schulden in Höhe von rund 1,5 Milliarden Euro hat.
Ministerpräsident versprach Unterstützung
Ministerpräsident Alexander Schweitzer (SPD) sagte auf dem Parteitag Jens Peter Gotter Unterstützung im Wahlkampf zu. Sollte der Unternehmer gewählt werden, könne er bei Problemen der hochverschuldeten Stadt Ludwigshafen immer auf ihn zukommen. Man werde versuchen, einvernehmlich Lösungen zu finden.
Die derzeitige Ludwigshafener Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck war im Sommer 2023 aus der SPD ausgetreten, weil sie sich von der rheinland-pfälzischen Landesregierung unter Ministerpräsidentin Malu Dreyer nicht ausreichend unterstützt fühlte.
Enttäuschung über Kandidatur des SPD-Mitglieds Wegner
Getrübt wurde die gute Stimmung auf dem SPD-Parteitag in Ruchheim vom Umstand, dass neben Jens Peter Gotter ein zweites SPD-Mitglied ins Rennen um den Oberbürgermeister-Posten in Ludwigshafen geht. Der Rechtsanwalt Martin Wegner tritt als unabhängiger Kandidat an.
SPD-Stadtverbandschef David Guthier war enttäuscht, dass sich Wegner nicht auf dem Parteitag der Mitgliederabstimmung gestellt hat. "Das wäre ehrlicher gewesen." Guthier geht davon aus, dass nicht nur Jens Peter Gotter durch das Antreten Wegners Stimmen verlieren wird, sondern auch der von CDU und FWG nominierte Klaus Blettner.
Kandidat Jens Peter Gotter meinte, das Antreten von SPD-Mitglied Wegner könne ihn Stimmen kosten. "Das ist nicht schön, ist aber Demonkratie", so Jens Peter Gotter.
Gewählt wird am 21. September
Die Oberbürgermeisterwahl in Ludwigshafen ist am 21. September 2025. Falls kein Kandidat über 50 Prozent kommt, gibt es eine Stichwahl am 12. Oktober. Wahlberechtigt sind rund 120.000 Bürger. Der SPD-Stadtverband Ludwigshafen hat rund 1.100 Mitglieder. Beim Nominierungsparteitag im Stadtteil Ruchheim hatten 124 Mitglieder abgestimmt.