Im Bad Dürkheimer Stadtteil Ungstein gibt es einen Konflikt, der die Gemeinschaft stark belastet. Im Zentrum steht die Bäckerei Sippel. Die historische Backstube versorgte früher nur das Viertel. Heute beliefert sie auch andere Filialen. Das sorgt für Lärm und Gerüche. Einzelne Anwohner fordern, dass die Bäckerei an einem anderen Ort backen soll.
Ungstein: Nachbarin leidet unter Lärm und Gerüchen
Für einige Anwohner ist die Belastungsgrenze überschritten. Sie beschweren sich gegenüber dem SWR über nächtlichen Lärm und intensive Gerüche beim Backen. Eine Nachbarin, die anonym bleiben will, drückt es so aus: "Ich werde immer wieder mitten in der Nacht durch den Lärm geweckt."
Zum direkten Nachbarhaus wurde zwar vor fünf Jahren bereits eine Lärmschutzwand errichtet, doch diese reiche nicht mehr aus, sagen betroffene Nachbarn: "Wir möchten nicht mehr die Last der Expansion dieses Bäckereibetriebs tragen. Die kleine Backstube zur Versorgung des Gebietes ist in Ordnung. Hier geht es um Lebensqualität und Wohnqualität".
Man sieht in den Augen der Mitarbeiter teilweise Angst.
Bäckerei: Es steht komplett alles auf dem Spiel
Die Bäckerei Sippel gibt es seit 1898. Sie wird heute in vierter Generation von den Geschwistern Amadeus und Isabel Böttinger geführt. Am Standort Ungstein beschäftigen die Geschwister knapp 45 Mitarbeitende: "Man sieht in den Augen der Mitarbeiter teilweise Angst. Viele Mitarbeiter, die älter sind, wollen sich nicht mehr umgewöhnen. Einen neuen Job oder einen neuen Arbeitsplatz – das ist schwierig", betont Amadeus Böttinger. Eine Angestellte erzählt dem SWR: "Man geht schon mit einem mulmigen Gefühl zur Arbeit, weil man nicht weiß, wie es weitergehen soll."
Findet er keinen neuen Standort, befürchtet Böttinger, die Bäckerei schließen zu müssen. "Es steht komplett alles auf dem Spiel, wir sind kurz davor, hier zuzumachen." Außerdem wolle er mit den aktuellen Problemen nicht am Standort bleiben: "Wir schauen jetzt, dass wir das ganze Ding verlegt kriegen." Die Baugenehmigung für die Backstube hat die Bäckerei seit 1965. Amadeus Böttinger erklärt, warum die Bäckerei gewachsen ist: "Mit nur einem Laden könnten wir nicht wirtschaften."
Bad Dürkheims Landrat Ihlenfeld: Expansion ist nicht erlaubt
Der Landrat des Kreises Bad Dürkheim, Hans-Ulrich Ihlenfeld (CDU), macht aber klar: Nach der geltenden Rechtslage sind in einem reinen Wohngebiet nur Läden erlaubt, die für den unmittelbaren täglichen Bedarf der Anwohner produzieren. Diesen Rahmen habe die Bäckerei Sippel in den vergangenen Jahren jedoch gesprengt, so Ihlenfeld. Mittlerweile hat sie fünf weitere Verkaufsstellen eröffnet. Dabei findet die Produktion für die insgesamt sechs Filialen nach wie vor am Hauptstandort in Ungstein statt.
Ein klarer Verstoß gegen das Baurecht - und das nicht erst seit gestern, sagt Ihlenfeld. Seit bald 20 Jahren soll dem Bäckereibetrieb bekannt sein, dass das Ausmaß der Produktion nicht zulässig ist. Es gab nach Angaben des Landrats auch schon mehrere Angebote an den Betrieb, seine Produktion an einen anderen Standort zu verlagern. Bis dato ohne Erfolg.
Die Bäckerei bestreitet, davon schon seit 20 Jahren zu wissen: In einem Kommentar unter dem Instagram-Post von SWR Aktuell schreibt sie, man sei vor fünf Jahren informiert worden und seitdem auf der Suche nach einer geeigneten Fläche.
"Sehr aufgeheizte Stimmung"
Landrat Ihlenfeld zeigt sich besorgt über die Entwicklung und spricht von einer "sehr aufgeheizten Stimmung". Er betont: "Wir als Behörde müssen mit diesen Konflikten umgehen und können sie nicht einfach unter den Tisch fallen lassen." Er sei intensiv um eine schnelle Lösung bemüht.
Die Stadtverwaltung Bad Dürkheim will die Traditionsbäckerei gerne im Ort halten, so der Landrat. Sie denkt deshalb darüber nach, das Wohngebiet in ein Misch- oder Industriegebiet umzuwandeln. Damit wäre die Produktion erlaubt und die Nachbarn könnten sich rechtlich nicht mehr dagegen wehren. Der Landrat sieht diesen Schritt jedoch skeptisch und ist gegen eine solche Umwandlung des Wohngebiets.
Landrat Ihlenfeld: Bäckerei muss sich verkleinern
Der Landkreis hat laut Ihlenfeld eine Anhörung zur Nutzungsuntersagung an das Unternehmen geschickt. Das bedeutet, dass die Bäckerei an dem Standort nur noch so viel produzieren darf, dass sie die Menschen im unmittelbaren Wohnviertel versorgen kann.
Noch hat niemand gegen die Bäckerei geklagt. Das könnte sich jedoch ändern: Ende dieses Jahres wollen die Nachbarn entscheiden, ob sie vor Gericht ziehen.
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Eine Petition aus der Bevölkerung
Aber es gibt auch Befürworter: Eine Online-Petition für den Erhalt der Bäckerei am aktuellen Standort haben inzwischen mehr als 7.000 Menschen unterschrieben. Unterstützer sagen: Es könne nicht sein, dass ein seit Langem bestehender Betrieb wegen der Beschwerden einzelner Nachbarn schließen oder ganz umziehen müsse.
Im Gespräch mit dem SWR betonen Kunden, wie sehr sie um den Erhalt des Bäckers bangen: "Bitte bitte bitte lasst die Bäckerei am Standort." Sie schätzen das Handwerk und die Qualität: "Hier wird noch gebacken wie früher. Ich liebe die Bäckerei Sippel und ich befürworte, dass sie hierbleiben kann."