Morgens 7:30 Uhr: Pflegerin Melissa Bloeß bespricht sich mit ihrer Frühkollegin darüber, wie sich die neun Bewohner des Hospizes Bad Dürkheim aktuell fühlen und was sie brauchen - welche Medikamente oder welche Unterstützung, zum Beispiel einen Elektro-Rollstuhl.
Es werden auch die Wünsche der Bewohner besprochen: Einer möchte gerne Speiseeis, weil er das noch gut zu sich nehmen kann. Eine neu eingezogene Bewohnerin war ganz begeistert vom großen Bad im Hospiz mit einer schönen Badewanne. Sie wünscht sich, bevor sie stirbt, noch einmal zu baden.
Hospizbewohner sind alle sterbenskrank
Die erste, um die sich Pflegerin Bloeß am Morgen kümmert, ist Birgit Bohrmann. Die 66-Jährige hat ALS im fortgeschrittenen Stadium. Die Nervenkrankheit hat ihre Muskeln schwinden lassen. Sie sitzt im Rollstuhl und kann lediglich den Kopf und die Arme noch etwas bewegen. Sie bekommt erst einmal Kaffee in einem Strohhalm-Becher und wird dann angezogen.
Hospizbewohnerin Birgit Bohrmann hat ALS
"Als ich die Diagnose ALS bekam, war ich natürlich erst mal am Boden zerstört", sagt Birgit Bohrmann. "Aber dann habe ich zu mir gesagt: Ich kann dagegen nichts machen - gar nichts! Aber ich kann versuchen, solange ich noch lebe, es lebenswert zu machen." Sie kam vor knapp einem Jahr ins Hospiz in Bad Dürkheim. Es stand sehr schlecht um sie, aber hier im Hospiz sei es ihr langsam und stetig besser gegangen. "Im Vergleich zu damals bin ich das blühende Leben!"
Hospiz-Pflegepersonal versucht "einfach da zu sein"
Längst nicht alle Hospiz-Bewohner kommen laut Pflegerin Melissa Bloeß damit klar oder akzeptieren, dass sie sterben müssen. "Gerade wenn es sehr junge Menschen sind oder welche mit Kindern. Die sagen bis zum Schluss: Ich will nicht sterben."
Sie versucht, für alle einfach da zu sein: Mit ihnen zu sprechen, wenn sie bei Bewohnern oder deren Angehörigen den Wunsch spürt, dass sie reden wollen. Oder eben mit ihnen zu schweigen, wenn ihnen nicht nach Reden ist.
Auch für Pflegende oft schwer
Das Pflegepersonal spricht bei den Bewohnern im Hospiz von "Gästen". Wenn ein Gast stirbt, sei das in vielen Fällen für die Betroffenen eine Erlösung, sagt Melissa Bloeß, aber für die Angehörigen sei es oft sehr schwer. Aber auch sie selbst sei oft traurig. Wenn man die Bewohner in so schwierigen Zeiten begleite, komme man sich unweigerlich auch sehr nah, schildert die Palliativ-Fachkraft.
Bewohnerin: "Alles Wichtige ist gesagt"
Bewohnerin Birgit Bohrmann hat alles geplant. Ihre Kinder, Enkel und auch Urenkel brauchen sich um nichts zu kümmern. Ihr "letztes Hemd", wie sie das grüne Shirt und die blaue Latzhose mit Regenbogen und Marienkäfern bezeichnet, hängt in ihrem Zimmer. Sie hat mit ihren Lieben über alles gesprochen, worüber gesprochen werden sollte und sie konnten auch alles fragen, was ihnen noch auf dem Herzen lag.
"Der Tod ist nicht das Ende"
Birgit Bohrmann ist sich sicher, dass der Tod nicht das Ende ist. Sie habe beispielsweise bei ihrer Schwägerin und bei ihrer Schwiegermutter mitbekommen, dass diese im Sterben jemanden gesehen haben. "Dass da oben jemand ist, der mich abholt, daran glaube ich mittlerweile. Irgendwer wartet."
Und auch Pflegerin Melissa Bloeß bestätigt diesen Eindruck: Sie öffnen immer die Terrassentür in den Zimmern der gerade Verstorbenen, so "dass die raus können". Aber: "Manchmal habe ich bei der Versorgung von Verstorbenen das Gefühl, dass derjenige noch mit dabei ist oder mit rumwurschtelt, in gewisser Weise."