Sie schmecken zum Beispiel nach Bitterorange, Limoncello oder Tee und sind manchmal sogar alkoholfrei. Das Deutsche Weininstitut (DWI) in Bodenheim beobachtet, dass immer mehr Weinhersteller auf Weinmischgetränke setzen - auch in Rheinhessen. "Man kann schon von einem Trend sprechen", sagt Ernst Büscher, Sprecher vom DWI, mit Blick auf die deutsche Weinbranche.
Kunden wollen Weine mit weniger Alkohol
Die Weinkellerei Reh Kendermann aus Bingen bietet zum Beispiel seit diesem Jahr auch Weinschorlen mit Bitterorange- oder Limoncello-Geschmack an. "Wir stellen fest, dass die Verbraucherinnen und Verbraucher sehr gerne zu Produkten mit wenig Alkohol greifen", teilte die Kellerei auf SWR-Anfrage mit.
"Bei Reh Kendermann betreiben wir intensiv Marktforschung, deshalb haben wir diesen Trend schon frühzeitig erkannt." Seit 2020 gibt es nämlich auch klassische Weinschorlen von Reh Kendermann in kleinen Flaschen.
"Weinwelt verändert sich komplett"
Das Weingut St. Antony in Nierstein (Kreis Mainz-Bingen) hat dagegen alkoholfreien Chardonnay im Angebot, der mit Kohlensäure versetzt wurde und nach Rooibos- oder schwarzem Tee schmeckt. "Die Weinwelt verändert sich gerade komplett", sagt Dirk Würtz, geschäftsführender Gesellschafter im Weingut. "Man kann schon von einer großen Krise sprechen. Die Leute wollen einfach was anderes." Zum Beispiel alkoholfreien Wein, sagt Würtz.
"Mit Aromen kann man ganz tolle Produkte machen und auch Leute ansprechen, die keinen Alkohol trinken wollen."
Beim Weingut St. Antony sei deshalb eine Limonade in Planung, die auch auf alkoholfreiem Chardonnay basiert und nach Zitrone, Cassis oder Yuzu (asiatische Zitrusfrucht) schmeckt. Im Herbst soll die "Nein-Schorle" auf den Markt kommen, sagt Würtz.
Klassischer Wein werde immer seltener getrunken. Gerade für junge Menschen sei er "ein bisschen old school", sagt Ernst Büscher vom Deutschen Weininstitut in Bodenheim. Mit den neuen Mischgetränken wollen die Weinhersteller demnach gerade diese Generation abholen.
Wichtiges Wachstumsgeschäft für Weingüter
Dass der Bereich "alkoholfreier Wein" wächst, beobachtet auch das Weingut Dr. Hinkel in Framersheim (Kreis Alzey-Worms). Vor vier Jahren habe das Weingut zum ersten Mal alkoholfreien Wein auf den Markt gebracht, erzählt Peter Hinkel vom Weingut. Das Besondere: Der Framersheimer Winzer gibt zum Wein auch Verjus dazu. Das ist der Saft unreifer Trauben.
"Vor fünf, sechs Jahren habe ich mich mit der Frage beschäftigt, wie man die Qualität von alkoholfreiem Wein steigern kann", sagt Hinkel. Aus seiner Sicht sei er oft zu süß und habe ihn nicht überzeugt. Mit Verjus bekomme er mehr Säure. "Und man hat ein richtig schönes Mundgefühl", ist Hinkel überzeugt.
Vor vier Jahren habe das Weingut mit 1.000 Flaschen alkoholfreiem Wein begonnen - eine vergleichsweise kleine Menge. Mittlerweile macht alkoholfreier Wein laut Hinkel bereits 20 Prozent des Absatzes seines Weinguts aus - Tendenz steigend. "Ich kann mir auch gut vorstellen, dass es in fünf Jahren die Hälfte sein wird. Es ist ein großer Wachstumsbereich für uns."
Das sei wichtig, um den sinkenden Konsumzahlen in der Weinbranche allgemein entgegenzuwirken, ist Hinkel überzeugt. "Durch alkoholfreie Weine gewinnen wir auch neue Kunden dazu. Das entlastet einen schon und nimmt etwas die Sorgen in dieser schwierigen Zeit", so der Framersheimer Winzer.