Landtag entscheidet über Windkraft-Ausbau

Mehr Platz für Windräder in Rheinland-Pfalz

Die Kommunen in Rheinland-Pfalz müssen künftig mehr Flächen für Windkraftanlagen bereitstellen. Das hat der Landtag mit den Stimmen der Regierungsfraktionen beschlossen.

Teilen

Stand

Von Autor/in Christian Buttkereit

Während SPD, Grüne und FDP dem Antrag zustimmten, lehnten CDU, AfD und Freie Wähler ihn ab. Kritik kam im Vorfeld von verschiedenen Bürgerinitiativen, aber auch von den sogenannten Planungsgemeinschaften, also regionalen Verbänden, die für die Flächenplanung vor Ort zuständig sind.

Manche Regionen in Rheinland-Pfalz stärker betroffen

Sowohl Bürger als auch Kommunalverantwortliche in den Planungsgemeinschaften empfinden es als ungerecht, dass einige Regionen stärker belastet werden als andere. Deshalb wurde unter anderem vergangene Woche vor dem Landtag demonstriert. Tatsächlich ist im Gesetz von SPD, Grünen und FDP vorgesehen, dass die Region Westpfalz mindestens zwei Prozent ihrer Fläche bereitstellen muss, aber die Region Trier mindestens 2,45 Prozent.

Einige Gebiete kommen für Windräder nicht in Frage

Das liegt daran, dass einige Gebiete nicht für Windkraft in Frage kommen, etwa aus Naturschutzgründen oder weil sie stark besiedelt sind. So gehört zur Westpfalz das Biosphärenreservat Pfälzerwald, wo keine Windkraftanlagen gebaut werden dürfen. Um auf insgesamt 2,2 Prozent der Landesfläche zu kommen, müssen andere Regionen mehr Flächen bereitstellen. Für die Region Rheinhessen-Nahe beträgt der Wert deshalb 2,97 Prozent. In der Stellungnahme der dortigen Planungsgemeinschaft wird das als "realistisch" bezeichnet.

Regionen werden unterschiedlich behandelt

Die Entscheidung im Landtag bedeutet aber nicht, dass dort auch tatsächlich Windräder gebaut werden. Für die endgültigen Planungen sind die Behörden vor Ort im Zusammenspiel mit der Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord zuständig.

Auf den windstarken Hunsrückhöhen drehen sich viele Windräder im Wald.
Auf windstarken Höhen drehen sich Windräder. picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Patrick Pleul

Am wenigsten abverlangt wird der Region Mittelrhein-Westerwald - nämlich nur 1,83 Prozent. Trotzdem ist von dort der lauteste Widerstand zu vernehmen, etwa bei einer Demonstration vor der Sitzung des Innenausschusses vergangene Woche. Immerhin drehen sich allein im Rhein-Hunsrück-Kreis 300 der rund 2.000 Windräder in Rheinland-Pfalz.

Wo sich bereits Windkraftanlagen drehen, ist im Energieatlas Rheinland-Pfalz zu sehen:

Ein Änderungsantrag der Regierungsfraktionen vor der Abstimmung appellierte an die Solidarität innerhalb der Planungsregionen. So sollen neue Windkraftflächen vorzugsweise dort ausgewiesen werden, wo es noch keine oder wenige Windräder gibt.

Landtag entscheidet über Windenergiegebietegesetz
Der rheinland-pfälzische Landtag verabschiedete bei seiner letzten Sitzung des Jahres des neue Landeswindenergiegebietegesetz

Innenminister Michael Ebling (SPD) sagte in der Landtagsdebatte, die Regierung sorge dafür, dass keine Region überbeansprucht werde. Bereits zuvor hatte Ebling in Bezug auf den Soonwald angekündigt, dass die zuständigen Kommunen auch Randgebiete des Naturparks von der Windkraftplanung ausklammern dürfen. Im Kernbereich sind Windräder ohnehin nicht zugelassen.

Landesregierung hat Ausbauziele wiederholt verfehlt

Mehr Tempo beim Windkraftausbau ist für die Landesregierung auch eine Frage der Glaubwürdigkeit. Denn das Ziel von 500 Megawatt mehr Windkraftleistung pro Jahr wurde in dieser Legislaturperiode Jahr für Jahr verfehlt.

Damit dürfte auch ein anderes Ziel der Landesregierung schwer zu erreichen sein: dass in Rheinland-Pfalz ab 2030 nur noch Strom aus erneuerbaren Energien verbraucht wird.

Trier

Streit um Windkraft Trier beschließt Standorte für neue Windräder

Im Trierer Stadtrat wurde am Abend beschlossen, wo in der Stadt künftig Windräder gebaut werden dürfen. Monatelang hatte die Debatte um die großen Anlagen für Streit gesorgt.

Mörsdorf und Kriegsfeld

Windkraft als Wirtschaftsmotor Wie die Windkraft Kommunen neue Möglichkeiten eröffnet

Ein neues Kita-Gebäude oder den Sportplatz sanieren: Für die Gemeinden Mörsdorf im Rhein-Hunsrück-Kreis und Kriegsfeld im Donnersbergkreis bieten sich auch dank Windkraft neue Möglichkeiten.

Dirmstein

Politikwissenschaftler: "AfD profitiert von Unmut der Bürger" AfD macht Stimmung gegen Windräder in Dirmstein

17 neue Windräder könnten nach Dirmstein bei Bad Dürkheim kommen. Dagegen hat sich eine Bürgerinitiative gegründet. Nun hat sich die AfD auf die Seite der Gegner gestellt.

SWR4 RP am Morgen SWR4 Rheinland-Pfalz

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Christian Buttkereit

Unsere Quellen

Transparenz ist uns wichtig! Hier sagen wir Ihnen, woher wir unsere Infos haben!