Landwirt Tobias Wollenweber züchtet im Familienbetrieb in Sefferweich im Eifelkreis Bitburg-Prüm Kühe. Er verkauft im Nebenerwerb Rindfleisch. Dafür hat er seit fünf Jahren eine acht Hektar große Fläche bei der Ortsgemeinde Sefferweich gepachtet. Die Gemeinde hat aber jetzt den Pachtvertrag mit ihm gekündigt.
Sie will auf der Weide stattdessen eine große Photovoltaik-Anlage bauen. Das sorgt beim Landwirt für Unmut. Er befürchtet, dass er deswegen seinen Betrieb deutlich verkleinern muss.
"Wenn wir die Anzahl der Tiere reduzieren müssen und die Schlachtung so nicht mehr bedienen können, dann muss man schauen, ob das überhaupt noch Sinn macht", moniert Wollenweber. Er überlegt, gegen die Entscheidung der Kommune zu klagen.
Mehr Geld für Eifel-Ort durch neue Photovoltaik-Anlage
Die Gemeinde sieht im neuen Solarpark dagegen eine große Chance. Sie will damit ihre klammen Kassen füllen. Ein Betreiber einer Photovoltaik-Anlage zahlt mehr Pacht als ein Landwirt, sagt die Bürgermeisterin der Verbandsgemeinde Bitburger Land, Janine Fischer (parteilos).
Die Kommune kann dadurch auch ihre eigenen Bürger stark entlasten.
"Es ist nicht nur die Gemeinde, die davon profitiert. Wenn sie höhere Einnahmen erzielen kann, kann die Kommune dadurch auch ihre eigenen Bürger stark entlasten. Das wäre mit einer landwirtschaftlichen Pacht nie möglich", sagt Fischer. Einen Teil des Geldes würde auch die Verbandsgemeinde bekommen: "Dadurch könnte die Umlage, die von der Verbandsgemeinde gegenüber Ortsgemeinden erhoben wird, teils gesenkt werden".
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Die Ortsgemeinde habe auch keine andere Wahl, als die Pacht mit dem Landwirt zu kündigen. Laut Fischer ist es die einzige freie Fläche, die der Kommune gehört. Es sei lange bekannt gewesen, dass dort irgendwann ein Solarpark entstehen soll. Deshalb habe die Gemeinde dem Bauern die Fläche immer wieder nur für ein Jahr verpachtet.
Die Kommune habe im Vorfeld auch über alternative Technologien wie senkrechte Photovoltaik-Module oder sogenannte Agri-Photovoltaik nachgedacht. Sie machen es möglich, dass die Fläche auch landwirtschaftlich weiter genutzt werden kann. Diese Technologien seien aber teurer und würden sich daher weniger lohnen, so VG-Bürgermeisterin Fischer weiter.
Landwirte in RLP wegen Solarparks unter Druck
Der Noch-Pächter und Viehzüchter Tobias Wollenweber ist mit seinen Sorgen in Rheinland-Pfalz nicht allein. Die meisten Landwirte haben dem Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau zufolge ihre Flächen gepachtet. Viele davon wurden gefördert, um ihre Betriebe auszubauen. Die Förderungen sind häufig an die Größe der Fläche gekoppelt.
"Fällt diese Fläche jetzt weg, kann es sein, dass ein Landwirt sanktioniert wird und das Geld zurückzahlen muss", sagt Stefan Fiedler, Vize-Präsident des Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau. Das kann für einige Betriebe das Aus bedeuten. "Die Landwirtschaft wird zurückgedrängt. Immer mehr Betriebe werden aufgeben müssen, weil der Flächendruck zu groß wird", so Fiedler weiter. Er sieht die regionale Lebensmittelversorgung auf Dauer in Gefahr.
Land will mit Windkraft-Ausbau Flächen entlasten
Das rheinland-pfälzische Landwirtschaftsministerium ist sich eigenen Angaben nach dieses Flächen-Konflikts zwischen Landwirten und dem Ausbau von Solarparks bewusst und befürchtet, dass dieser sich noch weiter zuspitzen wird. Ein Lösungsansatz: Das Land will den Ausbau von Windräder vorantreiben, da diese im Vergleich zu großen Photovoltaik-Anlagen weniger Platz brauchen.
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Auch der Ausbau von Agri-Photovoltaik und Solarparks über Gewässern gehören zum Plan. Allerdings übernimmt in wenigen Wochen eine neue Landesregierung in RLP. Dann könnte das schon wieder anders aussehen.
Parkplätze und Hallendächer als Alternativen
Weitere Lösungsansätze kennt Henrik te Heesen. Er ist Direktor des Instituts für Betriebs- und Technologiemanagment am Umwelt-Campus Birkenfeld. "Wir sollten bereits versiegelte Flächen wie Parkplätze oder große Hallendächer dafür nutzen", sagt der Forscher. Entlang von Autobahntrassen gibt es freie Flächen, die für Solarparks genutzt werden könnten. Das ist für Betreiber aber teurer als eine Photovoltaik-Anlage auf einem Feld zu bauen.
"Die Energiewende ist eine gesellschaftliche Aufgabe. Es ist wichtig, dass alle dabei mitgenommen werden. Wir können nicht eine Seite bevorzugen und die andere benachteiligen", sagt te Heesen. Landwirte könnten bei den Solarparks mithelfen: "Sie können zum Beispiel die Wiese pflegen".