Am Godendorfer Berg und nördlich von Olk könnte sich das Landschaftsbild bald deutlich verändern. Gleich zwei Solarparks sollen hier entstehen, die mit Speicheranlagen und einem Umspannwerk knapp 70 Hektar Platz benötigen. Für den grünen Ralinger Ortsbürgermeister Alfred Wirtz ein großer Gewinn. Die Bürgerinitiative "Nein zum Mega-Solarpark" findet aber, das sei zu viel für eine rund 2.000-Einwohner-Gemeinde.
Solarstrom soll leere Ralinger Kassen füllen
Seit vier Jahren arbeitet Ortsbürgermeister Alfred Wirtz mit einem Trierer Energiebetreiber an dem "Leuchtturmprojekt". Die Solarparks sollen laut Wirtz nicht nur die Energiewende in Ralingen auf ein neues Level heben, sondern auch die leere Gemeindekasse füllen. Außerdem ermögliche das Projekt eine unabhängige Energieversorgung in der Region mit niedrigen Strompreisen.
Bürgerinitiative fordert kleinere Flächen für Sonnenstrom
Doch der geplante Solarpark hat auch Gegner im Sauertal: Eine Bürgerinitiative hat sich gegründet und fordert, die vorgesehenen Flächen deutlich zu verkleinern. Laut den Sprechern der Initiative darf in der Verbandsgemeinde Trier-Land nur zwei Prozent der Ackerfläche mit PV-Anlagen bebaut werden. Das sind 111 Hektar.
Wir sind für Solarenergie, aber 24 Hektar müssen reichen.
Wenn Ralingen alleine schon 68 Hektar beanspruche, sei das zu viel, so die Bürgerinitiative. "Wir sind für Solarenergie, aber nicht in dieser Größenordnung. 24 Hektar müssen reichen", begründet die Bürgerinitiative. Die Gegner fürchten sonst eine "Verschandelung der Natur“ mit negativen Folgen für den Tourismus im Sauertal.
Ralinger Bürgermeister: Solarparks kaum einsehbar
Diese Befürchtungen versucht der Ralinger Ortsbürgermeister zu entkräften. Ganz wichtig sei für die Gemeinde gewesen, dass die Flächen nicht einsehbar sind und damit auch keine Häuser in der Umgebung blenden, so Wirtz. Auch ökologische Vorteile sieht er: Die auswählten Flächen könnten sich von intensiver Landwirtschaft erholen. Trotzdem werde sich das Landschaftsbild verändern, allerdings sollten die Auswirkungen für Natur und Mensch so gering wie möglich gehalten werden, verspricht Wirtz.
Solar-Projekt soll Ralingen Millionen bringen
"Ja, die Dimensionen sind groß", sagt der Bürgermeister. Jeder Hektar des Solarparks koste rund 800.000 Euro. Dazu komme ein Umspannwerk für mehrere Millionen Euro. Die dafür vorgesehenen Flächen gehören größtenteils privaten Eigentümern. Sie verpachten ihr Land an die Gemeinde, die es wiederum an den Projektentwickler weitergibt.
In nur vier Monaten, hatten wir die benötigten Flächen gepachtet.
Ein Drittel der Einnahmen fließt in die Gemeindekasse - alleine aus den Pachteinnahmen kämen 30 Millionen in den kommenden Jahren zusammen. Dementsprechend sei das Interesse für die Verpachtung sehr hoch gewesen: Innerhalb weniger Monate seien alle benötigten Flächen gesichert worden, freut sich Wirtz.
Gemeinderat stimmt für das Solarprojekt
Der Gemeinderat hat den Entwurf des Bebauungsplans mit zehn zu fünf Stimmen gebilligt und damit die nächste Phase eingeleitet. Die große Beteiligung im Gemeindehaus habe gezeigt, wie sehr das Thema die Menschen vor Ort bewegt, auch wenn die Diskussion überraschend ruhig blieb, so der Ortsbürgermeister. Klar ist aber auch: Der Konflikt ist nicht beendet. Während Kritiker weiter Widerstand ankündigen, formiert sich zugleich Unterstützung für das Projekt.
Entscheidung in der Verbandsgemeinde verschoben
Die Zwei-Prozent-Regelung war auch in der jüngsten Sitzung des Verbandsgemeinderats ein zentrales Thema. Hintergrund ist, dass Ralingen mit bereits 68 Hektar einen großen Teil der insgesamt erlaubten 111 Hektar beansprucht – für die übrigen Ortsgemeinden bleibt damit nur ein begrenzter Spielraum. Neben Ralingen planen auch Aach, Newel und Welschbillig den Bau von Solarparks.
Die Bürgermeister der beteiligten Gemeinden wollen daher gemeinsam nach einer Lösung suchen. Ein erstes Treffen hat, laut der Verbandsgemeinde, bereits stattgefunden, ein weiteres ist für Mitte Mai vorgesehen. Ziel sei es, die verfügbaren Flächen so zu verteilen, dass die Interessen aller Gemeinden berücksichtigt werden.
Eine Entscheidung darüber, wann und in welcher Form die Photovoltaik-Projekte umgesetzt werden, soll in der nächsten Sitzung getroffen werden.