- Pläne für Windkraft deutlich verfehlt
- Umweltministerium hält nächsten Meilenstein für erreichbar
- Weniger Strom durch Windflaute
- Solar: Ziele der Landesregierung übererfüllt
- Ausbautempo bei Photovoltaik nimmt ab
Als sich 2021 die Ampelkoalition in Rheinland-Pfalz zusammengeschlossen hat, hat sie sich ein Ziel gesetzt: Jedes Jahr sollen jeweils 500 Megawatt Windkraft und Photovoltaik ausgebaut werden. Dadurch soll der Strom im Land bis 2030 ausschließlich aus erneuerbaren Energien kommen.
Fünf Jahre später und kurz vor der nächsten Landtagswahl zeigt sich: Die Koalition konnte ihr Versprechen nur zum Teil halten. Denn der Photovoltaik-Ausbau läuft besser als geplant, das Ausbautempo für Windräder bleibt deutlich hinter dem Ziel zurück. Im vergangenen Jahr kam durch Windräder eine Leistung von 166 Megawatt hinzu, das ist etwa ein Drittel des Ziels.
Pläne für Windkraft deutlich verfehlt
Neben dem jährlichen Ausbauziel gibt es in Rheinland-Pfalz auch Pläne für die langfristige Entwicklung der Windkraft. Dabei wurden Meilensteine für 2025, 2030 und 2040 festgelegt.
Und auch hier verfehlt das Land seine Ziele: Aktuell sind gut zwei Drittel der für 2025 anvisierten Windkraft-Leistung installiert. Um das Ziel für 2030 zu erreichen, müsste sich die installierte Leistung in den nächsten fünf Jahren mehr als verdoppeln.
Umweltministerium hält nächsten Meilenstein für erreichbar
Laut rheinland-pfälzischem Umweltministerium wird der Ausbau aktuell auch dadurch gebremst: Es gebe im Land viele alte Windräder, die in den kommenden Jahren zurückgebaut werden müssten. Das wird auch in den aktuellen Zahlen deutlich: Während im vergangenen Jahr 41 Windräder ans Netz gingen, wurden 36 stillgelegt.
Alte Anlagen werden aber oft nicht einfach nur abgebaut, sondern durch neue, leistungsstärkere ersetzt. Trotz der vielen stillgelegten Windräder kommt deshalb kontinuierlich mehr Windkraft-Leistung hinzu.
Nach Einschätzung des Ministeriums sei das Ziel für 2040 "durchaus erreichbar". In den letzten Jahren wurden weitere Landesflächen für Windkraft zur Verfügung gestellt, Genehmigungsdauern verkürzt und Verfahren vereinfacht. Dadurch seien in Rheinland-Pfalz seit 2024 mehr Windräder genehmigt worden. Da der Bau von Windrädern nach der Genehmigung im Schnitt noch über zwei Jahre dauert, wird laut Ministerium das gestiegene Tempo erst in den Zahlen der kommenden Jahre sichtbar sein.
Weniger Strom durch Windflaute
Wie viel Strom tatsächlich produziert wird, hängt nicht nur von der Zahl der Windräder und deren Leistung ab, sondern auch von der Wetterlage. Weil im ersten Halbjahr 2025 deutschlandweit weniger Wind geweht hat, haben auch die Windräder in Rheinland-Pfalz weniger Strom erzeugt als in den vergangenen beiden Jahren. Damit sank der Anteil der Windkraft am Strommix auf rund ein Drittel.
Die Stromproduktion durch Solaranlagen stieg hingegen auch im vergangenen Jahr deutlich. Seit 2020 hat sie sich mehr als verdoppelt. Alle erneuerbaren Energien machten 2025 insgesamt rund zwei Drittel der Stromerzeugung des Landes aus.
Solar: Ziele der Landesregierung übererfüllt
Anders als bei Wind ist das Land bei den Zielen für den Photovoltaik-Ausbau auf Kurs. Im vergangenen Jahr kamen fast 800 Megawatt Photovoltaik-Leistung dazu. Das Ziel von 500 Megawatt wurde also deutlich übertroffen.
Auch für den Solar-Ausbau gibt ein Plan vor, welche Leistung 2025, 2030 und 2040 vorhanden sein soll. Durch den Boom der letzten Jahre wird dieser bisher erreicht: Ende 2025 war mehr Leistung installiert als von der Landesregierung anvisiert.
Auf Anfrage schreibt das Umweltministerium Rheinland-Pfalz, dass 2023 und 2024 mehrere Regelungen und Gesetze der ehemaligen Bundesregierung den Zubau von Solarenergie begünstigt hätten. Unter anderem hätten höhere Einspeisevergütungen und Ausschreibungsmengen, Vereinfachungen beim Netzanschluss und Steuerbefreiungen Solarstrom attraktiver gemacht. "All diese Maßnahmen haben in kurzer Zeit wirksame Anreize gesetzt", so die Pressesprecherin.
Ausbautempo bei Photovoltaik nimmt ab
Allerdings nimmt das Ausbautempo seit dem Boom 2023 wieder ab. Nach Aussage des Umweltministeriums sei zu erwarten gewesen, dass sich die Zahlen nach dem rasanten Anstieg wieder einpendeln. Durch den Boom seien außerdem die Verteilernetze ausgelastet. Vor allem bei großen Freiflächenanlagen müsse deshalb die Netzeinspeisung beispielsweise durch Batteriespeicher flexibler werden.
Zudem, so die Pressesprecherin, würden Ankündigungen der Bundesregierung den Photovoltaik-Ausbau hemmen: "Insbesondere die Pläne von Energieministerin Katherina Reiche, die Einspeisevergütung für neu gebaute PV-Anlagen zu streichen, lösten Verunsicherung aus." Neben dem gesetzlichen Rahmen hänge der Ausbau auch von der wirtschaftlichen Entwicklung, den Strompreisen und geopolitischen Einflüssen ab.
Solange aber die bundesweiten Rahmenbedingungen konstant blieben, erwartet das Ministerium auch für die kommenden Jahre, dass das Ausbauziel von 500 Megawatt pro Jahr erreicht wird.