Kreative Hilfe in Triers Partnerstadt Isjum

Mit Cartoons gegen die Angst: Trierer Künstler zeichnet mit Kindern in der Ukraine

Mehrere Tage lang hat Comiczeichner Johannes Kolz gemeinsam mit Kindern Cartoons in der ukrainischen Stadt Isjum gezeichnet. Nun ist er zurück - und um viele Erfahrungen reicher.

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Betritt man den Souvenirladen von Johannes Kolz in der Jakobstraße in Trier, fällt der Blick sofort auf die schusssicheren Westen, die vor dem Eingang auf dem Boden liegen. Zwischen Regalen voller Tassen, Schildern mit typisch Trierer Sprüchen und Aufstellern mit gezeichneten Cartoonfiguren wirken die Westen fast wie Fremdkörper.

Doch für Kolz sind sie eine ständige Erinnerung an die vergangenen Tage - und an eine Fahrt, die er so schnell nicht vergessen wird. Gemeinsam mit Ehrenamtlichen der Deutsch-Ukrainischen Gesellschaft, dem Verein Eifellicht und einem Hilfskonvoi war er zehn Tage lang in der ostukrainischen Stadt Isjum unterwegs. Von dort bis zur Frontlinie sind es nur 40 Kilometer.

Mit tausenden Stiften und Papier in die Ukraine

Bereits zum vierten Mal ist die Deutsch-Ukrainische Gesellschaft mit mehreren Transportern in die Trierer Partnerstadt Isjum gefahren - beladen mit Fahrrädern, Krankenhausbetten, Hygieneartikeln und weiteren dringend benötigten Spenden für den Alltag in der Ukraine.

Auch 1.000 Zeichenblöcke sowie mehr als 5.000 Blei- und Buntstifte machten sich auf die rund 2.700 Kilometer lange Reise von Trier nach Isjum - Materialien, mit denen Comiczeichner Johannes Kolz gemeinsam mit Kindern Cartoons gegen die Angst zeichnete.

Ich war das kreative Hilfsgut.

Vor Ort hat Kolz mehr als 70 Kindern und Jugendlichen Zeichenkurse gegeben. Strich für Strich, einfach erklärt - damit die jungen Ukrainerinnen und Ukrainer schnell ein Erfolgserlebnis hatten.

Mit Stift und Papier wollte Kolz den Kindern ein wenig Abwechslung vom Kriegsalltag schenken. Ein paar unbeschwerte Stunden, in denen sie zwischen Trümmern und Luftalarm durchatmen und auf andere Gedanken kommen konnten. "Ich war das kreative Hilfsgut", sagt Johannes Kolz mit einem Lächeln.

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Kinder in der Ukraine haben viel Schlimmes erlebt

Mit Kindern zu arbeiten und zu zeichnen ist für Johannes Kolz nichts Neues. In Trier hat er bereits zahlreiche Kurse gegeben. Doch das Zeichnen in der Bibliothek und dem notdürftig eingerichteten Jugendraum in der Ukraine war anders.

Die Kinder dort seien reflektierter und genauer gewesen, erzählt Kolz. Beim ruhigen Zeichnen und Ausmalen der Cartoonfiguren habe er gespürt, dass sie bereits viel erlebt haben und schneller erwachsen werden müssen als andere Kinder in ihrem Alter.

Doch mit jeder Minute wurde die Stimmung gelöster, die Atmosphäre unbeschwerter. Für einen Moment rückten Trümmer und Luftalarm in den Hintergrund.

Johannes Kolz mit Kindern und Jugendlichen bei einem Zeichenkurs in einem Klassenzimmer in Isjum.
Viele Schulen in Isjum sind so stark zerstört, dass die Zeichenkurse in der Bibliothek, in Schutzräumen im Keller und einem provisorischen Jugendraum stattfanden. Auch die Musikschule wurde getroffen – der Unterricht musste lange Zeit online erfolgen. Johannes Kolz

Allein die Tatsache, dass sich die Kinder zu den Zeichenkursen treffen und gemeinsam malen konnten, war für sie etwas Besonderes. Denn regulären Schulunterricht gibt es nicht - die Stunden finden ausschließlich online statt.

Dass Johannes Kolz und die Kinder kaum miteinander sprechen konnten, weil sie keine gemeinsame Sprache hatten, spielte dabei keine Rolle. Es ging nicht um Worte, sondern um das gemeinsame Erlebnis.

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Mit der Rückreise begann die Verarbeitung

Nach zehn Tagen in der Ukraine ist der Künstler mit dem Rest der Gruppe zurück in Trier. Mit der Rückreise begann für Johannes Kolz auch die Verarbeitung.

Immer wieder ertappte er sich in den ersten Tagen nach der Rückkehr dabei, wie sein Blick in den Himmel wanderte - auf der Suche nach Drohnen oder Raketen. Auch die erste Nacht im eigenen Bett fühlte sich ungewohnt an. Baustellengeräusche an der Straßenecke lösten ein mulmiges Gefühl aus. "Die ganze Reise war wie ein Film. Einfach surreal - etwas, das man nur schwer versteht, wenn man nicht selbst dort war", sagt der Trierer Künstler.

Johannes Kolz bekommt von einer Ukrainerin ein Freundschaftsbändchen umgehängt
Eine Ukrainerin bindet Johannes Kolz ein kleines Bändchen ums Handgelenk - ein Talisman, der ihm Glück bringen soll. Es ist das einzige, das er während seiner Zeit in der Ukraine geschenkt bekommt. Johannes Kolz

Ich hätte nicht gedacht, dass mich das so umhaut.

Eigentlich sei er lustiger und fröhlicher Mensch. Kein Wunder: Denn als professioneller Cartoonist und Comiczeichner hat er immer einen Witz parat. Doch die Fahrt in die Ukraine hat ihn verändert.

Dass ihn das Erlebte nach nur wenigen Tagen im Kriegsgebiet so mitnehmen würde, habe er nicht erwartet. "Ich hätte nicht gedacht, dass mich das so umhaut", sagt er. In den kommenden Tagen werde es sicher besser, glaubt Kolz - dann werde er auch wieder gelöster sein.

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Ob er das Erlebte in einer seiner Zeichnungen verarbeiten wird, weiß der Künstler noch nicht. Auf jeden Fall konnte Johannes Kolz vieles von den Kindern und Jugendlichen in der Ukraine lernen. Ihre Herzlichkeit und Dankbarkeit haben ihn stark bewegt. Diese Solidarität, die er vor Ort erfahren hat, hat er mitgenommen.

Die Schutzwesten, die noch im Eingangsbereich seines Ladens liegen, wird er nun noch wegpacken. Aber nicht zu weit weg. Denn die Hilfsfahrt in die Ukraine war seine erste. Und wahrscheinlich auch nicht seine letzte.

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