Einmal die Woche kommt Monica zum Deutsch lernen ins Café des Vereins Palaver nach Waldrach. Die Nigerianerin ist seit sieben Jahren in Deutschland. Einen Integrationskurs konnte sie bisher nicht besuchen. Erst kürzlich war ein weiterer Antrag abgelehnt worden.
Gemeinsam mit ihrer ehrenamtlichen Lehrerin Maria Ley paukt Monica die deutsche Grammatik. Die Materialien dafür bekommt sie vom Verein Palaver e.V. gestellt - finanziert durch Spenden. Maria Ley kommt einmal die Woche und das seit fünf Jahren.
Eingeschränkte Integrationskurse: Druck auf Ehrenamt wächst
Dieses Angebot sei eine Ergänzung von Ehrenamtlichen, aber kein Ersatz für einen Integrationskurs beispielsweise an einer Volkshochschule, sagt Mihaela Milanova von den Gemeinsamen Diakonischen Werken Rheinland-Süd. Sie unterstützt den Verein Palaver.
Wir möchten, dass sie sich hier integrieren. Aber wie soll das funktionieren, wenn man die Kurse zurückschraubt?
Umso kritischer sieht sie, dass das Bundesinnenministerium die Integrationskurse für Geflüchtete nun eingeschränkt hat. Wer keinen gesetzlichen Anspruch hat, muss den Kurs selbst zahlen. Das können durchaus mehrere Tausend Euro sein.
Die normalen Integrationskurse umfassen sowohl Deutsch-Stunden als auch Themen wie Kultur und das Leben in Deutschland. "Wir möchten, dass sie sich hier integrieren. Aber wie soll das funktionieren, wenn man die Kurse zurückschraubt?", kritisiert Milanova.
Stopp der freiwilligen Integrationskurse Volkshochschulen warnen vor Zweiklassengesellschaft unter Geflüchteten
Das Bundesinnenministerium hat den Zugang zu Integrationskursen stark eingeschränkt. Volkshochschulen schlagen deshalb Alarm und kritisieren das Vorgehen.
Milanova geht davon aus, dass jetzt noch mehr Geflüchtete auf den Verein zukommen werden, weil sie sich die Integrationskurse nicht leisten können. Denn wer die Sprache nicht beherrsche, habe Probleme beispielsweise auf dem Amt, beim Arzt oder bei der Hausaufgabenbetreuung der eigenen Kinder. Auch da springen die Ehrenamtlichen des Vereins Palaver ein.
Aber noch mehr Anfragen könne der Verein kaum stemmen. Die Ehrenamtlichen würden jetzt schon sehr viel Arbeit übernehmen. Aber alles nun auf dem Ehrenamt abzuladen, sei falsch.
Frauen bekommen Folgen zu spüren
Milanova betont, dass vor allem Frauen die Leidtragenden sind. Vielen von ihnen sei es bisher durch die Kindererziehung oder Schwangerschaft nicht möglich gewesen, einen Integrationskurs zu besuchen. Männer seien davon nicht so stark betroffen, so Milanova. Zudem gebe es Frauen, beispielsweise aus Afghanistan, die noch nie eine Schule besucht hätten. Diese seien quasi chancenlos.
Ich habe hier Frauen, denen wurde gekündigt, weil sie zu schlecht Deutsch sprechen.
Mit der neuen Regelung sei den Frauen nun noch eine Tür zugeschlagen worden. Die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und auch der Weg auf den deutschen Arbeitsmarkt sei damit versperrt. Sie seien weiterhin abhängig von anderen. "Ich habe hier Frauen, denen wurde gekündigt, weil sie zu schlecht Deutsch sprechen", erzählt Milanova.
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Ehrenamtliche immer schwieriger zu finden
Ehrenamtliche Deutschlehrerinnen, wie Maria Ley sind immer schwieriger zu finden. "In jedem Pfarrbrief haben wir eine Anzeige drin, dass wir Ehrenamtliche für den Deutschunterricht suchen", sagt Pia Tholl, die 2. Vorsitzende des Vereins Palaver.
Vor allem Frauen seien gesucht, die die Unterrichtsstunden übernehmen. Denn vor allem muslimische Frauen, die das Angebot in Anspruch nehmen, möchten nicht von Männern unterrichtet werden.
Mit rund 40 Ehrenamtlichen sei der Verein zwar gut aufgestellt, dennoch falle es immer wieder schwer, die Nachfrage abzudecken. "Manche würden gerne zwei bis drei Mal pro Woche kommen, um Deutsch zu lernen. Aber das können wir nicht leisten", sagt Tholl.