"Manche Kinder kommen in die erste Klasse: Sie können keinen Stift richtig halten, nichts sauber ausschneiden oder ausmalen. Wir müssen ihnen auch die Schuhe binden - das können die meisten nicht", erzählt Grundschullehrer Dieter Mehrmann (*Name geändert) aus der Region Trier.
Das wird mit jedem Jahr schlechter.
Mehrmann ist seit vielen Jahren Grundschullehrer und hat schon mehrere erste Klassen unterrichtet. "Dieses Defizit macht sich bei uns in den Schulen breit. Das wird mit jedem Jahr schlechter", sagt auch Oliver Pick, stellvertretender Landesvorsitzender des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) Rheinland-Pfalz. Viele Lehrer in der Region Trier beobachten diese Entwicklung - das haben sie dem SWR in Gesprächen geschildert.
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Es fehle aber nicht nur an feinmotorischen Fähigkeiten, so die Lehrer, sondern auch daran, still zu sitzen, sich zu konzentrieren oder länger an einer Aufgabe dranzubleiben. Auch sprachlich seien viele Kinder nicht auf dem Stand eines Erstklässlers.
Mediennutzung der Erstklässler als Problem?
Viele der Lehrerinnen und Lehrer führen diese Entwicklung vor allem auf die stärkere Mediennutzung der Kinder zurück. "Ich begrüße es, dass die Landesregierung plant, Handys an Schulen zu verbieten", sagt Grundschullehrer Mehrmann im Gespräch mit dem SWR.
Auch Smartwatches hätten seiner Ansicht nach nichts an Schulen verloren. "Die Kinder erzählen morgens im Stuhlkreis regelmäßig, dass sie am Tag zuvor vor dem Fernseher oder der Spielkonsole gesessen hätten", berichtet er. Eine Entwicklung, die auch andere Lehrerinnen und Lehrer bestätigen.
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Ab Anfang 2027 soll für Schüler in RLP bis einschließlich Klasse 10 ein Handyverbot gelten. Was kann das den Schülern bringen und was nicht? Das sagt die Forschung dazu.
Roland Gimmler ist Erziehungswissenschaftler am Institut für Kommunikationspsychologie und Medienpädagogik an der RPTU Kaiserslautern/Landau. Er sieht Medien als einen Faktor von vielen. Ein hoher Medienkonsum könne zwar zu einer geringeren Aufmerksamkeitsspanne führen - aber eben nicht nur.
Kinder, die wenig draußen spielen, seien oft nicht ausgelastet. Andere wiederum hätten einen so vollen Terminplan, dass sie so etwas wie Stille und Ruhe gar nicht kennen würden. Darunter leide die Konzentration.
Lehrer nehmen Eltern in die Pflicht
Die Lehrerinnen und Lehrer appellieren an die Eltern, wieder mehr mit den Kindern zu spielen oder zu lesen. Das fördere auch die sprachliche Entwicklung. "Die Kommunikation mit den Eltern ist das A und O", so Erziehungswissenschaftler Gimmler. Aktives Sprechen miteinander sei in vielen Fällen besser, als Sprache nur über Fernsehsendungen zu erleben.
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Behörde kennt Problem: Programm für Erstklässler
Die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion Trier (ADD) als zuständige Schulbehörde kennt die Rückmeldungen aus den Grundschulen. Das Land unterstütze Schulen mit besonderen Herausforderungen bereits mit Projekten. Ein Beispiel sei das FirstClass-Programm, bei dem schwächere Erstklässler gesondert betreut werden. In der Region Trier nehmen elf Schulen daran teil.
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Vorschule im Kindergarten als wichtige Grundlage
Neben dem Elternhaus spiele auch die Vorschule im Kindergarten eine wichtige Rolle. Nicht in jeder Kita werde sie angeboten - nicht zuletzt aus Personalmangel. "Und so stellen wir dann fest: Es ist schwierig, Kinder an bestimmte Arbeitsformen oder Arbeitsaufträge heranzuführen und die dann auch konsequent zu Ende zu führen", sagt Oliver Pick vom Verband Bildung und Erziehung. "Das sind Fähigkeiten, die - neben den feinmotorischen Fähigkeiten - in der ersten Klasse vorhanden sein sollten."
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Rheinland-Pfalz plant ein verpflichtendes Jahr vor der Einschulung. Hilft das gegen Lernrückstände - oder braucht es vor allem mehr Personal in den Kitas?
Klasse 0 als Lösung in den Grundschulen?
Da die Vorschule oft fehle, fordert der Verband ein verpflichtendes vorbereitendes Jahr für Vorschulkinder - eine sogenannte "Klasse 0". Dieses Schuleingangsjahr soll an die Grundschule angedockt werden. Dort sei der richtige Platz, um diese sogenannten Vorläuferkompetenzen zu trainieren.
Unterdessen hat Lehrer Dieter Mehrmann an seiner Schule kleine Kurse für die Erstklässler eingerichtet, um Defizite aufzuholen und alle auf einen Stand zu bringen.
* Die Lehrerinnen und Lehrer möchten aus beruflichen Gründen anonym bleiben.