Zum Start ins neue Schuljahr ist in Stuttgart für alle Kinder, die einst Schulbegleiter des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) hatten, die Begleitung gesichert. Das hat die Pressestelle der Stadtverwaltung auf SWR-Anfrage mitgeteilt.
Gesamtelternbeirat erleichtert - aber immer noch skeptisch
Der Stuttgarter Gesamtelternbeirat ist deshalb erleichtert. Abgehakt ist das Geschehen vom Frühjahr aber noch nicht. "Da ist Vertrauen in die Stadtverwaltung kaputt gegangen", sagt Anna Linder, die Vorsitzende des Schulartenausschusses Sonderpädagogische Bildungs- und Beratungszentren beim Gesamtelternbeirat Stuttgart.
Bis Februar war in Stuttgart der ASB für die Schulbegleitung von knapp 150 Kindern mit Behinderung oder Handicap zuständig. Dann hatte die Stadt dem ASB plötzlich fristlos gekündigt. Sie wirft ihm Betrug bei Abrechnungen vor. Der ASB hatte die Vorwürfe zurückgewiesen und die Schulbegleitung am nächsten Tag eingestellt. Viele Kinder kamen teilweise längere Zeit nicht mehr an ihre Schulen. Ein Schock für die Familien. "Das hat uns den Boden unter den Füßen weggezogen", sagt Linder im Rückblick.
Zehn Wochen nach ASB-Kündigung Stuttgart: Fast alle Kinder mit Behinderungen wieder mit Schulbegleitung im Unterricht
Vor rund zehn Wochen hat die Stadt Stuttgart dem ASB die Schulbegleitung für Kinder mit Behinderungen aufgekündigt. Mittlerweile sind wohl wieder fast alle Kinder im Unterricht.
Schulbegleitung war teils sehr lange ausgesetzt
Die meisten betroffenen Kinder haben sonderpädagogische Schulen besucht, rund 20 sind Inklusionskinder. Die Stadt habe zwar schnell Aufträge für Schulbegleitung an neue soziale Träger vergeben. Das habe aber nicht automatisch bedeutet, dass auch schnell wieder Schulbegleiterinnen und -begleiter zur Verfügung gestanden hätten, so Linder. Der letzte betroffene Schüler hatte sogar erst ab 1. Juli wieder eine Schulbegleitung. Eine schwierige Situation nicht nur für die Kinder, sondern auch für deren Familien und die Schulen. "Das hat an allen gezehrt und viel Energie gekostet", beklagt Linder.
Sauer waren viele Eltern vor allem darüber, dass die Kündigung mitten im Schuljahr stattgefunden hatte. Am Beginn eines neuen Schuljahres komme es immer wieder mal zu einzelnen Wechseln bei Schulbegleitern - weil FSJ-Verträge auslaufen oder aus anderen Gründen. Darauf seien Kinder, Eltern und Schulen eingestellt. Aber nicht auf einen massenweisen Wechsel im Februar. Selbst vor den Sommerferien hätten manche Eltern noch beklagt, dass die Geschehnisse eine solche Unruhe reingebracht hätten. Manchen hätten gesagt: "Unser Kind ist noch nicht da, wo es vorher war."
Elternbeirat hofft auf Lerneffekt bei der Stadt Stuttgart
Der Gesamtelternbeirat wünscht sich, dass so etwas nicht mehr passiert und die Stadt Stuttgart Konflikte mit den Trägern der Schulbegleitung künftig anders regelt.
Wir hoffen, dass die Stadt daraus gelernt hat.
Immerhin: Jede betroffene Familie hat von der Stadt einen Gutschein über 400 Euro für offene Hilfen bekommen. Der Gesamtelternbeirat bewertet dies als symbolische Geste. Welche sozialen Träger jetzt die Schulbegleitung anstelle des ASB übernommen haben, will die Stadt nicht mitteilen. "Aus Rücksicht auf die Interessen der Träger im Bereich der Schulbegleitung werden deren Namen nicht genannt", heißt es in einer Antwort der städtischen Pressestelle auf eine SWR-Anfrage.
Staatsanwaltschaft bestätigt laufende Ermittlungen
Mit Hinweis auf laufende Ermittlungen will sich die ASB-Landesgeschäftsstelle derzeit nicht zum Streit mit der Stadtverwaltung äußern. Nur so viel: Mit der Stadt Stuttgart arbeite man im Bereich Schulbegleitung jetzt nicht mehr zusammen - mit anderen Kommunen dagegen auch weiterhin. Die Stadt Stuttgart will sich zu Verfahren mit strafrechtlichem Bezug nicht äußern. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart hat unterdessen bestätigt, dass sie weiterhin wegen des Vorwurfs des Betruges ermittelt.