Heute deutet nichts mehr darauf hin, was auf dem Campingplatz in Prüm vor fünf Jahren passiert: Der kleine Fluss Prüm wurde durch den vielen Regen zu einem reißenden Strom und zerstörte alles. Der ehemalige Betreiber des Campingplatzes Klaus Roden erlebte das mit: "Das Wasser stand irgendwann mehr als einen Meter hoch. Die Campingwagen sind wie Schiffe weggeschwommen", erzählt der 75-Jährige. Der Strom war ausgefallen. Das Telefon ging nicht mehr.
Feuerwehr evakuiert Campingplatz in Prüm
Roden half seinen Urlaubern, sich in Sicherheit zu bringen. "Ein Gast kam mir mit Krücken entgegen. Er hatte beide Beine amputiert. Ich habe ihn mir geschnappt und wir sind auf die andere Straßenseite", berichtet er. Die Situation spitzte sich immer weiter zu. Die Feuerwehr evakuierte schließlich den Campingplatz in Prüm.
Dennis Korzendorfer von der Freiwilligen Feuerwehr Prüm war damals bei dem Einsatz mit dabei. "Wir mussten die Leute irgendwann an Rettungsleinen herausführen", erzählt der 31-Jährige. Vor allem ältere Menschen konnten wegen des Hochwassers nicht mehr gehen und mussten sich am Seil festhalten, erinnert er sich.
Ein schwieriger Einsatz für die Feuerwehr, sagt Korzendorfer. Die Einsatzkräfte mussten sich selbst mit Rettungsleinen festbinden, um nicht von der Flut mitgerissen zu werden. Zudem schwammen ihnen immer wieder Tische, Stühle und Gasflaschen vom Campingplatz entgegen. "Unser Leben stand selbst in Gefahr. Es war eine Ausnahmesituation", sagt der Feuerwehrmann.
Angst zu Ertrinken: Urlauber klammern sich an Bäume
Am Abend entdeckte die Feuerwehr zwei Männer, die sich auf dem Campingplatz mit aller Kraft an einem Baum festhielten, um nicht zu ertrinken. Später wird klar: Sie kämpften zu diesem Zeitpunkt bereits mehrere Stunden um ihr Leben. Die Männer winkten und riefen um Hilfe, erinnert sich Korzendorfer. Die Einsatzkräfte konnten nicht mehr zu Fuß dorthin gelangen. Die Strömung war zu stark.
Die Feuerwehr organisierte sich einen Bagger, um die beiden Urlauber zu retten - mit Erfolg. Die Männer sprangen in die Schaufel des Baggers und waren somit in Sicherheit. "Sie hatten nur noch Kraft für wenige Minuten übrig. Hätten wir sie nicht gerettet, hätten sie losgelassen", so der 31-Jährige. Es waren die letzten Urlauber, die die Feuerwehr vom Campingplatz rettete. "Ich hatte Tränen in den Augen. Es war sehr emotional für uns", sagt Korzendorfer.
Ein Mensch kommt bei Hochwasser in Prüm ums Leben
Was zu diesem Zeitpunkt niemand wusste: Ein Urlauber wurde von der Flut mitgerissen und ist dabei ertrunken. Seine Leiche wurde erst Tage später gefunden. "Das war uns nicht bewusst. Wir wussten nicht, wie viele Menschen sich dort aufhalten", sagt Tobias Kickertz, Wehrleiter bei der Feuerwehr Prüm. Er koordinierte am Flut-Tag die Einsätze. "Die Kameraden sind von Wohnwagen zu Wohnwagen gegangen. Sie haben überall geklopft und den Leuten gesagt, dass sie den Platz verlassen müssen".
Die Feuerwehrmänner wollen nicht, dass der Einsatz auf dem Campingplatz in Prüm vergessen wird. "In der Wache hängt eine Fotocollage mit Bildern von diesem Tag", erzählt Kickertz. Viele Einsatzkräfte konnten die Erlebnisse gut verarbeiten. "Doch ganz kann das keiner abhaken", sagt der Wehrleiter der Feuerwehr in Prüm.
Campingplatz in Prüm fast wieder aufgebaut
Beim ehemaligen Campingplatz-Chef Klaus Roden sitzt dagegen der Schock selbst fünf Jahre nach der Flut immer noch tief. "Das ist etwas, was mich immer wieder beschäftigt", sagt der 75-Jährige. Er fragt sich bis heute, was er hätte tun können, um die Katastrophe zu verhindern. "Ich fühle mich irgendwie mitschuldig. Das wird mich für den Rest meines Lebens beschäftigen", so Roden weiter.
Aufgeben war für Roden und seine Familie keine Option. "Meine Eltern haben den Platz 1968 übernommen. Ich bin seit über 50 Jahren hier. Er ist Teil meines Lebens", erzählt Roden. Die Anlage ist fast wieder aufgebaut. Viele Anwohner aus Prüm und anderen Orten haben dabei geholfen. Dafür ist er ihnen dankbar. Nun stehen letzte Arbeiten an. "Im Herbst müssen wir noch Stromleitungen und Sicherungskasten im Boden austauschen. Danach sind wir fertig".