Höchstwert in Rheinland-Pfalz

Warum im Eifelkreis Bitburg-Prüm besonders viele Ärzte fehlen

Die Gesundheitsversorgung im Eifelkreis Bitburg-Prüm ist angespannt. Es gibt keinen anderen Landkreis in RLP, der mehr offene Arztsitze hat. Patienten und Ärzte fordern Reformen.

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Von Autor/in Daniel Novickij

In einer Kinderarztpraxis in Prüm ist viel los. Eltern sitzen mit ihren Kindern im vollen Wartezimmer. An der Rezeption klingelt ständig das Telefon. Kinderärztin Susanne Lenertz untersucht im Behandlungszimmer die dreijährige Hannah, die bis zuletzt erkältet war. "Das sieht gut aus", stellt die Ärztin fest.

Kinderärztin Susanne Lenertz hat die Politik um Hilfe gebeten, um einen Nachfolger für ihren älteren Kollegen zu finden.
Susanne Lenertz' Team hat bereits viel versucht, um einen neuen Kinderarzt anzuwerben. Sie haben ein Imagevideo gedreht und die Kommunalpolitik um Hilfe gebeten - bisher ohne Erfolg.

Trotz eines stressigen Arbeitsalltags nimmt sich Lenertz immer viel Zeit für ihre kleinen Patienten. Allerdings befürchtet sie, dass sie das künftig nicht mehr machen kann.

Kinderarztpraxis in Prüm sucht nach Nachfolger

Lenertz leitet die Praxis mit ihrem Kollegen Matthias Stahl. Er wird 67 Jahre alt und will bald in Rente gehen. "Ich habe immer noch Spaß an meiner Arbeit, aber es gibt noch ein Leben danach. In Zukunft will ich mehr Zeit mit meinen Enkeln verbringen", sagt Stahl.

Sollten wir keinen Nachfolger finden, müsste ich Personal entlassen.

Die Praxis sucht seit fast drei Jahren nach einem Nachfolger, bislang ohne Erfolg. "Sollten wir keinen neuen Kinderarzt finden, müsste ich die Sprechzeiten reduzieren. Ich schaffe das nicht allein", sagt Lenertz. "Wenn ich im Urlaub bin, müsste die Praxis künftig geschlossen bleiben. Ich müsste auch Personal entlassen. Das wäre eine Katastrophe", so die Ärztin weiter.

Kinderarzt Matthias Stahl arbeitet 1994 in der Praxis. Nun will er seinen Arztsitz abgeben und in Ruhestand gehen.
Kinderarzt Matthias Stahl arbeitet seit 1994 in der Praxis in Prüm. Seit mehr als 30 Berufsjahren will er nun seinen Arztsitz abgeben und in Ruhestand gehen.

Sie und ihr Team bleiben aber vorerst zuversichtlich: "Wenn eine Tür zu geht, geht eine andere auf." Dennoch läuft der Kinderarztpraxis in Prüm so langsam die Zeit davon.

Eltern in Sorge: "Das wäre schlecht für uns"

Sollte die Praxis keinen Nachfolger finden und dadurch seltener geöffnet haben, hätte das vor allem für Eltern und ihre Kinder dramatische Folgen. Denn es ist die einzige Kinderarztpraxis in der Stadt. "Das wäre schlecht für uns", sagt Kathrin Leisten. Sie geht mit ihrer dreijährigen Tochter Hannah zum Kinderarzt in Prüm.

Kathrin Leisten geht mit ihrer dreijährigen Tochter Hannah seit Jahren zum Kinderarzt in Prüm. Die Familie ist mit der Praxis sehr zufrieden.
Wenn ihre Tochter Hannah krank ist, dann sucht Kathrin Leisten mit ihr die Kinderarztpraxis in Prüm auf. Sie ist mit der Praxis zufrieden und hofft darauf, dass es künftig dort wie gewohnt weitergeht.

"Es wäre eine Zumutung, wenn ich mit meiner kranken Tochter zu einem Kinderarzt bis nach Trier oder noch weiter fahren müsste", so Leisten. Denn Kinderärzte in der Nähe würden häufig keine neuen Patienten mehr aufnehmen, weil ihre Praxis bereits ausgelastet sei.

Hoher Ärztemangel im Eifelkreis Bitburg-Prüm

"Wir hatten schon einige Bewerber für die Nachfolge in unserer Praxis. Sie waren mit der Praxis und dem Team eigentlich zufrieden, wollten aber nicht aufs Land ziehen", berichtet Kinderärztin Lenertz. Die Kinderarztpraxis in Prüm ist kein Einzelfall. Auch andere Praxen im Eifelkreis Bitburg-Prüm können keine Ärzte finden.

70 Prozent aller Hausärzte im Eifelkreis Bitburg-Prüm sind älter 60 Jahre.

Laut der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) gibt es im Eifelkreis Bitburg-Prüm mit mehr als 30 freien Arztsitzen so viele wie in keinem anderen rheinland-pfälzischen Landkreis. Neben Kinder- und Jugendmedizinern fehlen dort zusätzlich Haus-, Augen-, Nerven- und Frauenärzte sowie Chirurgen, Orthopäden und Urologen.

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Die KV befürchtet, dass die Gesundheitsversorgung im Eifelkreis Bitburg-Prüm sich in Zukunft sogar verschärfen könnte. Fast 70 Prozent aller Hausärzte im Eifelkreis Bitburg-Prüm seien älter als 60 Jahre und würden in den kommenden fünf Jahren in Rente gehen.

"Diese Praxen müssen dringend nachbesetzt werden", sagt der stellvertretende KV-Vorstandsvorsitzende von Rheinland-Pfalz, Andreas Bartels. "Der Weg zum Arzt wird für die Bevölkerung weiter werden. Es wird nicht mehr in jeder Gemeinde ausreichend Ärzte geben. So ehrlich müssen wir sein", so Bartels weiter.

Landkreis: Eifeler Wirtschaft wegen Ärztemangel in Gefahr

Der Eifelkreis Bitburg-Prüm befürchtet, dass der akute Ärztemangel sich negativ auf die Region auswirken wird. "Kurzfristig wird die Unterversorgung zu längeren Wartezeiten und Wegen für Patienten führen und die verbliebenen Ärzte stärker belasten", so ein Sprecher der Kreisverwaltung.

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Die Menschen würden vermehrt Notaufnahmen in Krankenhäuser aufsuchen, weil sie keinen Arzt finden. "Das belastet die Kliniken zusätzlich", heißt es. Laut Kreisverwaltung kann der Ärztemangel langfristig dazu führen, dass die Region für Familien und Fachkräfte unattraktiver wird. Dadurch könnte es schwieriger werden, neue Unternehmen im Eifelkreis anzusiedeln.

Eifelkreis: Medizin-Studium nicht mehr zeitgemäß

Die Kreisverwaltung führt den Ärztemangel im Eifelkreis Bitburg-Prüm auf mehrere Ursachen zurück. "Es werden nicht genug Ärzte ausgebildet", heißt es. Zudem sei es oft nur möglich, in Städten Medizin zu studieren. "Der ländliche Raum spielt in Ausbildung und Praxis kaum eine Rolle, was ihn für viele Nachwuchsmediziner zunächst unsichtbar macht", kritisiert ein Sprecher der Kreisverwaltung.

Wir brauchen mehr Studienplätze in der Medizin.

Der Eifelkreis stellt auch fest, dass junge Ärzte immer häufiger auf eine eigene Praxis verzichten. "Viele Ärzte wollen lieber eine Festeinstellung. Sie legen Wert auf geregelte Arbeitszeiten und schrecken vor der eigenverantwortlichen Führung einer Praxis mit hohem bürokratischen Aufwand zurück."

Forderung nach politischen Reformen

Die Kassenärztliche Vereinigung und der Eifelkreis Bitburg-Prüm fordern die Landes- und Bundesregierung daher dazu auf, sich mehr für die Gesundheitsversorgung auf dem Land einzusetzen. "Wir brauchen mehr Studienplätze in der Medizin", sagt Vize-KV-Vorsitzende Andreas Bartels.

Außerdem sei es wichtig, dass Landärzte besser bezahlt werden. Laut Kreisverwaltung des Eifelkreises Bitburg-Prüm sind mehr Lehrkrankenhäuser auf dem Land notwendig und Bürokratieabbau, um Praxisübernahmen für junge Ärzte insgesamt attraktiver zu machen.

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