Der Krieg in ihrer Heimat lässt Farnoosh Abdoli und Rezvan Hajian nicht los. Rund 4.000 Kilometer trennen sie von ihren Familien und Freunden, die im Kriegsgebiet im Iran leben. Die beiden jungen Frauen verfolgen die Nachrichten aus ihrer Heimat täglich mit Sorge.
Bis Montag war ich mit meiner Familie in Kontakt, aber das islamische Regime hat das Internet abgestellt und die SIM-Karten deaktiviert.
Viele Verwandte und Freunde leben noch in den Millionenstädten Schiras und Isfahan, aus denen die beiden Iranerinnen stammen. "Bis Montag war ich mit meiner Familie in Kontakt, aber das islamische Regime hat das Internet abgestellt und die SIM-Karten deaktiviert. Ich kann nur hoffen, dass es ihnen gut geht", so Rezvan.
"Viele von uns leben in Unsicherheit und Angst, mit sehr begrenzten Informationen. Gelegentlich sehen wir Bilder oder Videos von Bombardierungen und Zerstörungen, die zutiefst beunruhigend sind", schildert Farnoosh, deren Mann noch im Iran lebt.
Zum Schmuckstudium in den Hunsrück
Rezvan, 32, lebt seit drei Jahren in Idar-Oberstein und arbeitet mittlerweile als Goldschmiedin bei einer großen Schmuckfirma in der Stadt. Vorher hat sie am Edelsteincampus in Idar-Oberstein Edelstein- und Schmuck studiert. Den gleichen Studiengang, den auch Farnoosh, 38, gerade besucht.
In den letzten Jahren haben sich immer mehr iranische Studierende in Idar-Oberstein beworben, erzählt Studiengangsleiter Theo Smeets. Vor allem Frauen. "Und ich sage jetzt mal ganz direkt, wenn man eine Frau im Iran ist, dann hat man ein Problem und dann will man da weg."
Viele Bewerberinnen hätten zwar keinen Bachelorabschluss in Schmuckdesign, sondern in anderen Bereichen, aber dafür das nötige Talent, um den Master in Idar-Oberstein zu machen. "Außerdem arbeiten sie extrem hart, sind sehr motiviert und bringen die nötige Berufserfahrung mit."
Keine Kunstfreiheit im Iran
Rezvan arbeitete im Iran bereits als Graveurin auf den traditionellen Basaren ihrer Heimatstadt Isfahan. Doch die Arbeit und das Umfeld dort seien sehr männlich geprägt gewesen. Auch Farnoosh ist in ihrer iranischen Heimat Edelsteindesignerin und Lehrerin gewesen.
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Kunst bedeute auch Freiheit, aber das sei im Iran nicht in Einklang zu bringen. "Du musst immer vorsichtig sein, mit welchen Themen du dich befasst. Du darfst zum Beispiel nicht über den Körper einer Frau sprechen. Ich bin Künstlerin und keine Politikerin, aber im Iran wird von der Regierung alles politisiert", sagt Farnoosh.
Iranerinnen wollen im Hunsrück bleiben
Rezvan sieht das ähnlich. Sie suchte einen Ort, an dem sie als Künstlerin freier sein kann und hat ihn in Idar-Oberstein gefunden. Die beiden Iranerinnen sind begeistert von der Natur und der Edelsteintradition in der Stadt, in der immer noch rund 3.500 Menschen von diesem Geschäft leben.
Ein bisschen mehr los sein könnte in der Stadt dann aber schon, sagen sie. Trotzdem wollen sie erst einmal in Deutschland bleiben. Farnoosh beginnt gerade ein Praktikum in der Schmuckfirma, in der Rezvan bereits arbeitet.
Doch auch wenn sie sich in Idar-Oberstein und besonders am international ausgerichteten Schmuckcampus sehr wohlfühlen, wandern die Gedanken immer wieder zum Krieg in ihrer Heimat. Die Angst um ihre Familie und ihre iranischen Landsleute treibt sie um.
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Hoffnung auf Frieden im Iran
Sie sind skeptisch, ob der Militärschlag der Amerikaner und der Israelis dem iranischen Volk wirklich zur Freiheit verhelfen wird. "Einerseits wollen viele Menschen im Iran Veränderungen. Andererseits birgt jede ausländische Militärintervention das Risiko einer größeren Instabilität, Schäden für die Zivilbevölkerung und eines langwierigen Konflikts."
Auch Farnoosh hätte sich gewünscht, dass eine friedlichere Alternative gibt. "Ich kann nur hoffen, dass das alles für die Menschen im Iran zu positiven Veränderungen führt."