JVA wurde ausgezeichnet

Suizidprävention: Wie die Wittlicher Haftanstalt Selbsttötung vorbeugt

1.900 Insassen haben in den letzten 25 Jahren in deutschen Gefängnissen Suizid begangen. Weil die JVA Wittlich vorbildlich Suizide verhindert, bekommt sie einen Preis.

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Von Autor/in Marc Steffgen

"Ich würde mich sehr schwer tun in Haft", gesteht der Leiter der JVA Wittlich Jörn Patzak. Jeden Tag versuche er sich in die Gedankenwelt der 600 Insassen hineinzuversetzen: Perspektivlosigkeit, extremer Stress, Nachdenken über die begangenen Verbrechen lösten gerade zu Beginn der Haft bei den Gefangenen ein "Kopfkino" aus, das für manche nur schwer zu ertragen sei.

Ein Mitarbeiter in einem Gang der JVA Wittlich.
Die ersten Wochen in Haft seien für viele Gefangene eine sehr schwierige Zeit. In dieser Phase schaut die JVA Wittlich besonders genau hin, ob jemand Selbstmordgedanken hat.

Suidzidprävention hat sich in den Strafanstalten verbessert

Die Konsequenz: Die Zahl der Suizide unter Strafgefangenen ist sechs Mal höher als im Bevölkerungsdurchschnitt. In rheinland-pfälzischen Gefängnissen gibt es pro Jahr zwischen drei und neun Fällen. Jeder Fall sei einer zu viel, doch gleichzeitig seien die vergleichsweise geringen Zahlen ein Beweis dafür, wie gut die Gefängnisse in Rheinland-Pfalz im Bereich Suizidprävention mittlerweile arbeiteten, so Patzak.

Der Leiter der JVA Wittlich Jörn Patzak hält den Preis der Bundesarbeitsgruppe Suizidprävention in Händen.
Der Leiter der JVA Wittlich Jörn Patzak freut sich mit Justizminister Philipp Fernis über den Preis der Bundearbeitsgruppe Suizidprävention im Justizvollzug.

Aufnahmegespräch hat zentrale Bedeutung

Die Suizidprävention spiele eine große Rolle in der täglichen Arbeit mit den Gefangenen, erzählt Helena Dröschel, Psychologin in der JVA Wittlich. Von zentraler Bedeutung sei das Aufnahmegespräch und die medizinischen Untersuchungen, die erste Hinweise auf eine psychische Erkrankung und suizidäre Absichten lieferten.

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Auch die wöchentlichen Teamtreffen, bei denen man sich über den Zustand der Gefangenen austauscht, sei bei der Prävention wichtig. Ein psychologischer Dienst und Seelsorger stehen auch zur Verfügung. Die Bediensteten seien bereits in ihrer Ausbildung in der Suizidprävention geschult.

Etwas besseres als den Tod findest du überall.

Es gebe nicht die eine Lösung, um Suizide zu verhindern nur ein ganzheitliches Zusammenwirken, so Maja Meischner-Al Mousawi, Leiterin der Bundesarbeitsgruppe Suizidprävention im Justizvollzug bei der Preisverleihung. In Wittlich zeige man den Gefangenen Perspektiven auf, getreu dem Motto: "Etwas besseres als den Tod findest du überall."

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Lob und Anerkennung gab es auch vom rheinland-pfälzischen Justizminister: "Sie leben in Wittlich einen Justizvollzug bei dem die Würde des Menschen ganz oben steht", so Philipp Fernis, FDP. Die Suizidprävention im Strafvollzug könne auch ein Stück weit Vorbild für die Gesellschaft sein, beim Thema Suizid "noch genauer hinzuschauen."

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Marc Steffgen
Foto von Marc Steffgen, Redakteur bei SWR Aktuell im Studio Trier

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