"Ich würde mich sehr schwer tun in Haft", gesteht der Leiter der JVA Wittlich Jörn Patzak. Jeden Tag versuche er sich in die Gedankenwelt der 600 Insassen hineinzuversetzen: Perspektivlosigkeit, extremer Stress, Nachdenken über die begangenen Verbrechen lösten gerade zu Beginn der Haft bei den Gefangenen ein "Kopfkino" aus, das für manche nur schwer zu ertragen sei.
Suidzidprävention hat sich in den Strafanstalten verbessert
Die Konsequenz: Die Zahl der Suizide unter Strafgefangenen ist sechs Mal höher als im Bevölkerungsdurchschnitt. In rheinland-pfälzischen Gefängnissen gibt es pro Jahr zwischen drei und neun Fällen. Jeder Fall sei einer zu viel, doch gleichzeitig seien die vergleichsweise geringen Zahlen ein Beweis dafür, wie gut die Gefängnisse in Rheinland-Pfalz im Bereich Suizidprävention mittlerweile arbeiteten, so Patzak.
Aufnahmegespräch hat zentrale Bedeutung
Die Suizidprävention spiele eine große Rolle in der täglichen Arbeit mit den Gefangenen, erzählt Helena Dröschel, Psychologin in der JVA Wittlich. Von zentraler Bedeutung sei das Aufnahmegespräch und die medizinischen Untersuchungen, die erste Hinweise auf eine psychische Erkrankung und suizidäre Absichten lieferten.
Keine freien Haftplätze mehr Interview: JVA Wittlich ist stark überbelegt
In der JVA Wittlich sind derzeit so viele Häftlinge untergebracht, wie noch nie - die Einrichtung ist überlegt. Das sorgt für Spannungen, sagt der Anstaltsleiter Jörn Patzak.
Auch die wöchentlichen Teamtreffen, bei denen man sich über den Zustand der Gefangenen austauscht, sei bei der Prävention wichtig. Ein psychologischer Dienst und Seelsorger stehen auch zur Verfügung. Die Bediensteten seien bereits in ihrer Ausbildung in der Suizidprävention geschult.
Etwas besseres als den Tod findest du überall.
Es gebe nicht die eine Lösung, um Suizide zu verhindern nur ein ganzheitliches Zusammenwirken, so Maja Meischner-Al Mousawi, Leiterin der Bundesarbeitsgruppe Suizidprävention im Justizvollzug bei der Preisverleihung. In Wittlich zeige man den Gefangenen Perspektiven auf, getreu dem Motto: "Etwas besseres als den Tod findest du überall."
Gesellschaft Suizide – Wie lassen sie sich verhindern?
Es gibt wirksame Therapien und Hilfsangebote, aber nationale Präventionsprogramme für besonders gefährdete Personen fehlen: Männer, Ältere und Jüngere sowie psychisch Kranke und Alkoholabhängige.
Lob und Anerkennung gab es auch vom rheinland-pfälzischen Justizminister: "Sie leben in Wittlich einen Justizvollzug bei dem die Würde des Menschen ganz oben steht", so Philipp Fernis, FDP. Die Suizidprävention im Strafvollzug könne auch ein Stück weit Vorbild für die Gesellschaft sein, beim Thema Suizid "noch genauer hinzuschauen."