Das Moseltal, die Vulkaneifel, der Hunsrück: Klar, das sind die Urlaubsregionen rund um Trier. Klar auch, dass braune Schilder an der Autobahn darauf hinweisen. Wer an den Straßen der Region Ausschau hält, wird aber auch Schilder entdecken zur Burg Dudeldorf, zur ehemaligen Synagoge Wittlich oder der Villa Rustica in Mehring.
Das versteckt sich hinter den Schildern
Abseits der Autobahn: Schilder an anderen Straßen
Weiße Schrift auf Braun zu teuer?
Hier entstehen neue braune Schilder
Touristische Ziele nah am Schild
Wir beginnen unsere Reise in der Eifel, also weg von den Maaren, die mit dem Zusatz "UNESCO Geopark Vulkaneifel" in weißer Schrift auf braunem Grund beworben werden. An der A60 Richtung Süden lockt das Schild "Stiftskirche Kyllburg", an der nächsten Möglichkeit abzufahren.
Nur zehn Minuten vom Schild entfernt ragt die Stiftskirche Kyllburg in den Himmel. Foto: SWR, Anna-Carina Blessmann
Touristische Unterrichtungstafeln, wie die Autobahnschilder laut Straßenverkehrsordnung korrekt heißen, dürfen maximal zehn Kilometer Luftlinie von dem Ort entfernt sein, auf den sie hinweisen. Tatsächlich ist man nach gut zehn Minuten an der Stiftskirche.
Braune Autobahnschilder locken Touristen
Das belgische Paar, das sich heute die Kirche anschaut, ist auch ohne die braunen Schilder darauf gestoßen. Dass Hinweistafeln tatsächlich etwas bringen, hat aber eine Studie der Hochschule Harz 2019 gezeigt: Demnach nehmen fast alle der befragten Autofahrerinnen und Autofahrer die Schilder wahr.
Es kommen zwar keine Massen, aber offenbar sind die Schilder sinnvoll.
Und jeder Sechste ist schon mindestens einmal spontan von der Autobahn abgefahren, um die Sehenswürdigkeit zu besichtigen. Macht man das in Kyllburg, kann man sich einen Kreuzgang aus dem 14. Jahrhundert und kostbare Renaissancefenster anschauen.
"Gerade im Sommer habe ich schon Touristen in der Kirche getroffen, die wegen des braunen Schilds gekommen sind", erzählt Pfarrer Klaus Bender: "Das gibt's also schon. Es sind zwar keine Massen, aber offenbar sind die Schilder sinnvoll." Wenn im Mai das 750-jährige Jubiläum der Kirche gefeiert wird, erhofft er sich noch mehr Besucher.
Burg Dudeldorf als Fotomotiv
Fährt man von der anderen Seite auf der A60, wird man auf die Burg Dudeldorf aufmerksam gemacht. Zu ihr findet man von der gleichen Abfahrt wie nach Kyllburg, muss dann aber in die andere Richtung fahren. Auch hier ist man in etwa zehn Minuten am Ziel.
Unverkennbar: Die Burg Dudeldorf kann man nicht verpassen, wenn man sich das Motiv auf dem Schild eingeprägt hat. Foto: SWR, Anna-Carina Blessmann
Die Autobahn GmbH entscheidet aufgrund der Richtlinie, ob ein braunes Schild aufgestellt werden darf. Dafür muss es auf ein touristisch bedeutsames Ziel hinweisen. Das muss auch Voraussetzungen erfüllen: Unter anderem muss es Parkplätze und einen sicheren Weg zur Sehenswürdigkeit geben.
Parken ist direkt vor der Burg möglich. Aber: Das Ziel muss auch ganzjährig zugänglich sein mit üblichen täglichen Öffnungszeiten. Die Burg Dudeldorf wird zum Teil privat bewohnt. In diesem Teil der Burg finden auch Veranstaltungen statt.
Man kann auch in der Burg heiraten. Täglich besichtigen kann man sie aber nicht. Ein Fotomotiv, das auch mit dem Bild auf dem Autobahnschild übereinstimmt, bietet sie aber allemal.
Schon vom Schild Blick auf Stadt
Weiter geht die Reise auf der A60 Richtung Süden. Vorbei an Schildern zum Eifelpark Gondorf, zur Abtei Himmerod und: "ehem. Synagoge Wittlich". Wer hier kurzerhand abfährt, ist in etwa 12 Minuten an der ehemaligen Synagoge.
"Die Würde des Menschen ist unantastbar", heißt es auf dem Gebäude neben der ehemaligen Synagoge Wittlich. Foto: SWR, Anna-Carina Blessmann
Heute ist darin eine Kultur- und Tagungsstätte mit einer Dauerausstellung zum Jüdischen Leben in Wittlich im Nachbarhaus. Die Stadt Wittlich hält den Standort der Hinweistafel für sinnvoll. Denn von dort hat man schon einen Blick über die Stadt.
Braune Schilder auch auf Bundesstraßen
Schauen wir mal, wie es abseits der Autobahnen aussieht: Fährt man ab Wittlich auf der B50 und über die Hochmoselbrücke, sieht man auch an der Bundesstraße braune Schilder zum "Wittlicher Land zwischen Mosel und Eifel". Und kurz vor einem Kreisel weist ein Schild auf den Archäologiepark Belginum hin.
Das Schild zum Archäologiepark Belginum ist von den Autobahnschildern nicht zu unterscheiden. Es steht aber an einer Bundesstraße. Foto: SWR, Anna-Carina Blessmann
Neben diesen großen Tafeln gibt es auch schmale braune Schilder, die etwa an Landstraßen touristische Hinweise geben oder auf touristische Routen weisen. In der Region Gerolsteiner Land sind das zum Beispiel die Deutsche Vulkanstraße und der Vulkangarten Steffeln.
"Die braunen touristischen Hinweisschilder spielen für uns insbesondere für die Ferienstraße 'Deutsche Edelsteinstraße' eine Rolle", sagt Caroline Conradt von der Tourist-Information Herrstein. Zusammen mit der Stadt Idar-Oberstein bildet die Verbandsgemeinde Herrstein-Rhaunen das "EdelSteinLand".
Und darin verbindet die Edelsteinstraße auf zwei Routen die Orte und Sehenswürdigkeiten, die von der Edelsteinbearbeitung geprägt sind. Die Straße gibt es seit Mitte der 1970er Jahre. Weil die Schilder ausgeblichen waren, seien sie vor einigen Jahren ausgetauscht worden.
Digitale Hinweise werden wichtiger
Vom Hunsrück fahren wir jetzt an die Mosel. Würde man dafür einen Umweg nehmen, käme man an braunen Schildern zum Erbeskopf und zur Gedenkstätte KZ Hinzert vorbei. Und an zwei Schildern, die an der A1 aus Richtung Kaiserslautern auf die Römervillen in Mehring und Longuich hinweisen.
Durch die Orte führen weitere kleine Schilder zum Ziel. Die großen Schilder an der Autobahn wurden 2003 und 2008 aufgestellt, sagt Sven Thiesen, Geschäftsführer des Vereins Römische Weinstraße.
Er weist darauf hin, dass die Studie zu den braunen Schildern nun auch schon ein paar Jahre alt ist: "Und digitale Hinweise auf Sehenswürdigkeiten haben wesentlich an Bedeutung gewonnen. Nichtsdestotrotz haben die Schilder nach wie vor eine Bedeutung und weisen auf interessante Dinge entlang der Strecke hin."
Zahl der braunen Schilder in Region Trier unklar
Tatsächlich gibt es laut der Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH seit 2023 eine App, die automatisch Geschichten zu den Sehenswürdigkeiten abspielt, wenn man das Schild passiert. Demnach gibt es im ganzen Land 215 braune Autobahnschilder.
Weil es verschiedene Zuständigkeiten für die Straßen gibt, haben zumindest die Kreise aber keine Statistiken, wie viele braune Schilder es in der Region Trier gibt.
So viel kosten die braunen Schilder
Die Tafeln zu den Römervillen haben jeweils die Ortsgemeinden Mehring und Longuich bezahlt, Schilder zum "Moseltal" die Verbandsgemeinde Schweich. Denn es gilt das Prinzip: Wer bestellt, bezahlt. Das können auch die Träger der touristischen Ziele sein, wenn die zuständige Verkehrsbehörde zustimmt. Damals haben sie laut Thiesen zwischen 2.000 und 4.000 Euro pro Stück bezahlt.
Laut Autobahn GmbH kostet ein Schild heute zwischen 20.000 Euro und 40.000 Euro. Damit sei nicht nur das Schild bezahlt, sondern auch Montage inklusive Fundament und Unterhaltung. Das Schild wird damit nach 10 bis 15 Jahren auch wieder abgebaut und entsorgt. Eine der führenden deutschen Firmen für die Schilder braucht nach eigenen Angaben etwa zehn Tage, bis sie das fertige Produkt ausliefern kann.
Den Kommunen ist das mittlerweile oft zu teuer. Der Stadt Trier und der Tourismus GmbH waren je rund 35.000 Euro im Jahr 2023 zu viel, um den Schildern "Porta Nigra Trier Weltkulturerbe" an der A1 und der A64 weitere hinzuzufügen.
In Zeltingen-Rachtig scheiterten Pläne für braune Schilder zur Rosenburg aus einem anderen Grund, erinnert sich Bürgermeisterin Bianca Waters: "Von dem Standort des Schildes hätte es eine direkte Zuwegung zur Sehenswürdigkeit geben müssen. In unserem Fall hätten wir die Besucher und interessierten Gäste durch unseren Ort geschickt."
Das aber habe der Landesbetrieb Mobilität (LBM) nicht erlaubt. Der LBM bestätigte dem SWR, dass die Rosenburg die Bedingungen für ein touristisch bedeutsames Ziel nicht erfüllt habe. Deshalb habe man als Obere Straßenverkehrsbehörde nicht zustimmen können.
Neue Schilder in Gerolstein und im Hunsrück
Dennoch gibt es in der Region Trier auch weiter Pläne für neue Schilder. Nach Angaben der Autobahn GmbH wurden zwei Schilder für die Stadt Gerolstein beantragt. Sie sollen an der A1 in beiden Richtungen vor der Anschlussstelle Gerolstein aufgestellt werden. Mehr ist noch nicht bekannt.
Der Nationalpark Hunsrück-Hochwald will dafür sorgen, dass Besucherinnen und Besucher besser den Weg in den Park finden. Dazu müsste auch ein Autobahnschild mit neuen Infos aktualisiert werden, sagt Harald Egidi, Leiter des Nationalparkamts.
In erster Linie geht es aber um die schmalen Schilder, die die Besucher im Nationalpark leiten sollen. Dazu hat ein Planungsbüro ein Konzept gestellt und sich gefragt: Wo gibt es schon Schilder, wo fehlen noch welche? Wo reichen Symbole auf dem Schild, wo braucht es Text? Wo in der Region sollten die ersten Schilder stehen?
Das Ganze ist in einer frühen Planungsphase und muss noch mit dem LBM und den Verkehrsbehörden abgestimmt werden. Aber es steht zumindest schon fest, dass bald noch mehr braune Schilder durch die Region Trier führen und den einen oder anderen Autofahrer zu einem neuen Ziel locken werden.