André Schumacher erinnert sich noch gut an seinen ersten Besuch in Himmerod als Jugendlicher. Schon damals sei er fasziniert von der Abtei in der Eifel gewesen, sagt er: "Himmerod ist für mich mehr als eine Jugenderinnerung. Es ist ein Wohlfühlort für Körper, Geist und Seele."
Bis heute ist der Arzt aus Düsseldorf regelmäßig zu Gast im früheren Kloster und seit Samstag ist er auch der neue Vorsitzende des Fördervereins der Abtei. Der Verein mit seinen 800 Mitgliedern hat ihn mit großer Mehrheit gewählt. Die Ehrenamtlichen betreiben die Klosterherberge und organisieren das kulturelle Leben in Himmerod.
Zukunft von Himmerod weiter ungewiss
"Mein Ziel ist es, all das zu erhalten", sagt Schumacher, dem klar ist, dass das keine leichte Aufgabe wird. Denn die Zukunft von Himmerod ist seit Jahren ungewiss. 2017 hat der Zisterzienser-Orden die Abtei in Großlittgen verlassen.
Fünf Jahre später hatte das Bistum Trier die Pläne für ein Jugendhaus in den historischen Mauern aus Kostengründen aufgegeben. Seitdem läuft die Suche nach einem Investor, der die für eine Renovierung nötigen Millionen mitbringt.
Vorstand nach Streit zurückgetreten
Im Vorstand des Fördervereins gab es zu den Plänen für Himmerod lange unterschiedliche Ansichten. Die einen sind offen dafür, dass sich ein Investor findet, der das Kloster zum Beispiel zu einem Hotel umbaut. Die anderen befürchten, dass Himmerod dann seinen spirituellen Charakter als Ort der Ruhe und Besinnung verlieren könnte.
Der Förderverein hat zwar nicht darüber zu entscheiden, was das Bistum mit seiner Immobilie anfängt, aber mit seinen 800 Mitgliedern hat er Einfluss. Das Bistum hat die Ehrenamtlichen bei den Verhandlungen mit Interessenten stets eingebunden. Bei diesen Gesprächen spielte der Verein aber nach Ansicht einiger Mitglieder eine eher unglückliche Rolle.
Manche werfen einzelnen Vorstandsmitgliedern vor, dass sie die Entwicklung der Abtei behindert hätten. Zuletzt habe es keine Basis mehr für eine vernünftige Zusammenarbeit gegeben, so hieß es von mehreren Mitgliedern des Fördervereins. Im November war der bisherige Vorstand geschlossen zurückgetreten.
Neuer Vorsitzender will "Wogen glätten"
Die Wahl von André Schumacher am Samstag soll ein Neustart sein. Der neue Vorsitzende will die Spannungen im Verein überwinden. "Wir müssen diese Dissonanzen und unschönen Schwingungen abbauen und die Wogen glätten", sagt er. Vereinsmitglieder hatten ihn nach eigenen Angaben darum gebeten, zu kandidieren.
Bei der Abstimmung habe er drei Viertel der Stimmen erhalten und sich gegen den ehemaligen Vorsitzenden Thomas Simon durchgesetzt. Simon hatte als einziges Mitglied des vorherigen Vorstands wieder kandidiert und wurde zum ersten Stellvertreter gewählt.
Optimistischer Blick in die Zukunft
Dass Schumacher nie eine herausgehobene Position im Verein hatte und im zwei Autostunden entfernten Düsseldorf lebt, sehen ehemalige Funktionäre nicht als Problem. "Es ist gut gelaufen bei der Wahl. Ich bin optimistisch, dass es mit dem neuen Vorstand jetzt weitergehen kann", sagt zum Beispiel Wolfgang Valerius.
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Valerius hatte genauso wie der Landtagsabgeordnete Dennis Junk (CDU) lange im Vorstand des Fördervereins mitgearbeitet. Junk sagt: "Es ist gut, dass mit Thomas Simon auch jemand aus dem alten Vorstand weiter in die Arbeit des Fördervereins eingebunden ist. Seine Position ist wichtig. Ich bin aber auch froh, dass jetzt neue Gesichter in den Vorstand gewählt wurden."
Pläne für Hotel oder Seniorenresidenz
Dennis Junk hofft, dass der neue Vorstand den Stillstand in Himmerod beendet. Mitte Januar hatte ein Sprecher des Bistums bei einer Pressekonferenz erklärt, es gebe Interessenten für die Abtei. Sie hätten Pläne, das frühere Kloster entweder zu einer Seniorenresidenz oder zu einem Hotel umzubauen.
Doch gerade die Pläne für ein Hotel in Himmerod sind schon einmal gescheitert. Ein Investor aus Pforzheim wollte das Konventgebäude zu einem Gästehaus mit 100 Zimmern umbauen - so wie zuvor schon das Kloster Steinfeld in der Nordeifel.
Dass daraus nichts wurde, habe auch mit dem Widerstand im Förderverein zu tun gehabt, erzählen Mitglieder. Der Investor sei auch abgesprungen, weil er den Eindruck gewonnen hatte, dass sein Projekt in Himmerod nicht erwünscht ist.
Ab dem Frühling wieder Veranstaltungen im Kloster
Ob sich das mit dem neuen Vorstand ändert? Auch André Schumacher widerstrebt die Idee, aus Himmerod ein Luxushotel zu machen, sagt er: "Ich glaube, dann könnte der Charme des Klosters verloren gehen." Eine Seniorenresidenz könnte sich der Düsseldorfer Arzt schon eher vorstellen, sofern der Denkmalschutz berücksichtigt werde.
Nach Angaben des Bistums prüfen die Interessenten derzeit, ob ihre Projekte in Himmerod umsetzbar sind. Der Denkmalschutz spielt dabei auch eine Rolle. Man werde mit dem neuen Vorstand vertrauensvoll zusammenarbeiten und die Weiterentwicklung des Klosters vorantreiben, so eine Sprecherin des Bistums.
André Schumacher will nun zunächst dafür sorgen, dass im Frühling und Sommer wieder Leben in die Abtei einkehrt. Veranstaltungen wie die Orgelkonzerte und die "Himmeroder Nächte" sollen den Besuchern zeigen, dass in Himmerod wieder etwas passiert.